Wenn die neuen Modelle des Ford Focus 2011 in den Showrooms der Autohändler stehen, dann haben sich Andreas Solberg und Arnd Lauer längst neuen Aufgaben zugewendet.
Die beiden NC- Spezialisten sind bei Ford zuständig für die Programmierung von Gießmodellen, die in der Werkzeugherstellung eingesetzt werden – eine Aufgabe mit engen Zeitvorgaben.
„Die Produk- tion ist darauf angewiesen, dass sie so schnell wie möglich die Werkzeuge erhält, mit denen sie die Türen, Seitenwände oder Motorhauben tiefziehen, beschneiden und umformen können“, sagt Solberg.
Lauer ergänzt: „Jeder Tag, den die Produktion später beginnt, führt zu immensen Mehrkosten.“ Gegossen werden die Werkzeuge in der verlorenen Form.
Für dieses Gussverfahren wird ein Styropor-Modell der Werkzeug- konstruktion im Maßstab 1:1,02 gefertigt.
Dieses wird in Sand eingebettet, der mit Bindemitteln verfestigt wird.
So entsteht eine Form, die die Werkzeughersteller schließlich mit Stahl ausgießen das Styropor-Modell verdampft, an seine Stelle tritt das Gussstück aus Metall.
Um das Styropor-Modell zu erhalten, arbeiten Solberg und seine Kollegen heute mit einem virtuellen 3D-Modell der zu fertigenden Werkzeugkonstruktion.
Anhand dessen program- mieren sie offline die NC Programme, welche an die Fräsma- schinen gesendet werden, die schließlich die realen Modelle aus dem Styropor herausarbeiten.
Bis vor kurzem hat die Abteilung für die NC-Programmierung dazu das NC-Modul des in den 90er Jahren eingeführten unternehmensweiten C3P- Programms verwendet.
Im Rahmen des Nachfolgeprogramms C3PNG (Next Generation) setzt das Unternehmen heute für die Konstruktion Catia V5 ein das bisherige System hatte sein End of Life erreicht.
Für den Leiter der Gießmodell-Abteilung Ralph Hoffstadt stellte sich deshalb die Frage, mit welchen Software-Anwen- dungen seine Mitarbeiter künftig die Fräs-Programme erstellen.
Da Ford seit geraumer Zeit für die Konstruktion seiner Fahrzeuge Catia einsetzt, lag es nahe, die Vorteile eines durchgängigen Prozesses zu nutzen.
„So werden die verschiedenen Abteilungen von der Produktentwicklung bis zum Werkzeugbau effizienter miteinander verknüpft die Daten müssen nicht manuell über- tragen werden“, so Hoffstadt.
„Je weniger Schnittstellen es gibt, desto weniger Informationsverlust tritt auf.
Die Folge sind weniger Nacharbeiten.“ Die Messlatte für ein neues CAD/CAM-Werkzeug lag hoch, denn die Gießmodellprogrammierer arbeiteten hochproduktiv mit der bestehenden Anwendung.
Hinzu kam, dass die NC-Lö- sung für die Metall-, nicht aber für die Styroporverarbeitung vorgesehen war.
Im Rahmen einer weltweiten Entwicklungs- partnerschaft mit Ford hat das französische Unternehmen zusammen mit der Abteilung Gießmodell Catia NC ausgebaut.
Mit Erfolg: Nach nur eineinhalb Jahren hat die Abteilung den Break Even erreicht.
„Innerhalb recht kurzer Zeit konnten wir mit der neuen Anwendung die Fräsbahnen genauso schnell pro- grammieren, wie mit der alten Software“, so Hoffstadt.
Ziel war www.scope-online.de Mai 2011 84 Konstruktion + Entwicklung hh Der Gießmodellbau von Ford in Köln hat in Zusammenarbeit mit Dassault Systèmes und dem Einsatz von Catia V5 NC seine Prozesse optimiert.
Das Ergebnis: Eine Verkürzung der Anferti- gungszeit von Gießmodellen – und eine Lösung, die in die Zukunft trägt.
Sportlich programmiert programmiert Arnd Lauer, J.
Schütze und Andreas Solberg vor einem Styropormodell der zweiten Werkzeugstufe