Mai 2011 18 Die SCOPE-Story hh für das neue SCOPE-Journal: Ein kostenfreies, polytechnisches Monatsmagazin für die Industrie mit internationaler Ausrich- tung, neuem Kennziffer-Chiffresystem (in Deutschland bis dato unbekannt) und unabhängiger Redaktion – der richtige Mix zur richtigen Zeit.
Auch die Auflage von 10.000 Exemplaren ist für damalige Verhältnisse fast mondän.
Eine sichere Basis Ein maßgebender Faktor für den nachhaltigen Erfolg des SCOPE- Journals waren – schon damals – die großen Mengen an gesi- cherten Firmenadressen, über die Hoppenstedt als Herausgeber von Adress- und Branchenbüchern per se verfügte.
So konnten auch die Zeitschriften von Beginn an gezielt an namentlich bekannte Leser – also ohne nennenswerten Streuverlust – in den Markt geschickt werden.
Während sich andere Verlagshäu- ser Adressmaterial aus zum Teil unbekannten Quellen kaufen mussten, konnte Hoppenstedt stets auf den durch die eigenen Spezialredaktionen verifizierten Adress- und Namensfundus aufbauen.
Ein Prinzip, das bis heute gilt.
Die grundsätzlich polytechnische Berichterstattung bedingte es, dass SCOPE-Redakteure auf – mitunter sehr individuelle Wei- se – stets technische Universalisten waren (und sind).
Der erste Chefredakteur Carl Hertweck selbst war nicht nur Physiker und Ex-Matrose, sondern auch Bootsmotorenbauer und begeisterter Motorradfahrer.
(Der Legende nach hatte der Schwabe außer- dem eine ausgeprägte Abneigung gegen Krawatten).
Ein viel prägenderes Element der Marke SCOPE war jedoch seit der Gründung die fachjournalistische Unabhängigkeit und der polarisierende Stil der Redaktion.
Motorjournalist Hertweck er- hielt von Verleger Hoppenstedt nicht nur die finanziellen Mittel, eine mit fünf Redakteuren großzügig besetzte Zeitschriften- Redaktion aufzubauen sondern er genoss auch dessen publi- zistisch-juristische Rückendeckung für knallharte Recherchen und unverblümte Darstellungen.
Ohne diesen verlegerischen Segen wären er und seine Kolle- gen von allen guten Geistern verlassen gewesen, denn ihr redak- tionelles Credo war: „Das SCOPE-Journal sagt dem Leser, was los ist und was er wissen muss, bevor er dafür Geld ausgibt.“ Dabei kalkulierte Hertweck etwaige Gegenreaktionen der Industrie bewusst ein.
Mit einer Zeitschrift Streit anfangen nannte er damals ein Kapitel seines Fachbuches über Pressearbeit.
„Böse Onkels“ Die mitunter schonungslose Schreibe der Redakteure fußte auf praktischer Industrie- und Technik-Erfahrung.
Frech zeichne- te ein SCOPE-Redakteur 1961 seinen Verbesserungsvorschlag in das Produktfoto einer Pumpenzange, nachdem er sie getestet hatte.
Sowas in einer Industrie-Fachzeitschrift – das war kreuzböse und für damalige Verhältnisse geradewegs unerhört! Doch es kam noch doller: 1971 zerlegten die Redakteure einen neuen VW-Käfer, um zu ergründen, warum das Auto nun 14,2 Liter auf 100 Kilometer schluckte (statt die „nur“ 12,7 des Vorgängermodells).
Solche Lausbubereien waren nur realisierbar, weil Verleger Roland Hoppenstedt jun.
– er steht seit dem Tod seiner Vaters (1966) an der Spitze des Unternehmens – seine schützende Hand über „seine“ Redakteure hielt.
In späteren Jahren kam es dann auch zu weniger unterhaltsamen Diskursen mit Messegesell- schaften, Verbänden oder Flughafen-Ausrüstern.
Auslöser war nicht selten die allzu übellaunig geäußerte Kritik der Darmstäd- ter Fachjournalisten an Missständen, von denen die Fachwelt zwar wusste, die sich aber kaum jemand traute anzusprechen, geschweige denn öffentlich zu Papier zu bringen.
Schrill im Ohr klingen mögen manchen Zeitgenossen auch noch die mitunter akustisch eindrucksvollen Verbalstürme einiger SCOPE-Redak- teure auf Pressekonferenzen und Messen.
Heute kaum mehr vorstellbar, verlieh dieser streit- und stilfeste Journalismus der Zeitschrift aber einen Kultstatus und prägte zugleich für Jahrzehnte ihr Markenbild.
Vor allem bei den Lesern sorgte sie für die wachsende Beliebtheit des Titels.
Aus 424 werden über 3000 Im Jahr 1970 firmiert Roland Hoppenstedt sein Unternehmen um zu Verlag Hoppenstedt & Co.
Das SCOPE-Journal segelt unge- bremst auf Erfolgskurs und erreicht einen Gesamtseitenumfang www.scope-online.de Das war der Plan: Die Karte aus dem Jahr 1961 positioniert SCOPE als Fachzeitschrift in europäischem Verbund.
Januar 1980