SCOPE: Herr Professor Kletti, Hydra steht in der griechischen Sage für ein neunköpfiges, schlangenähnliches Ungeheuer, dem die Köpfe nachwachsen.
Assoziiert der Name auch die Komple- xität der heutigen Produktionsprozesse oder was hat Hydra, die nach Ihrer Aussage erfolgreichste MES-Lösung in Deutschland, mit einem Alptraum gemein? Prof.
Kletti: Der Name Hydra stellt in der Tat eine Negativ-Asso- ziation durch die Verbindung zur griechischen Sage her.
Die Ver- bindung ist jedoch insofern passend, dass in der heutigen kom- plexen Produktion an sehr vielen Stellen gedacht und entschie- den werden muss.
Dieses Denken und Entscheiden kann nur auf Basis gesicherter Informationen sinnvoll erfolgen.
Einseitige Betrachtungsweisen, zum Beispiel nur die Qualitätsbelange, nur die Fertigungsbelange oder nur die Personalbelange, zeichnen oft ein falsches Bild und provozieren falsche Maßnahmen.
Daher ist es wichtig, in der Fertigung an vielen Stellen die Realitäten wie Stückzahlen, Zeiten und Qualitäten zu erfassen, diese zusammenzufassen und auszuwerten.
Nur damit kann ein Ent- scheider für die aktuelle Situation eine sinnvolle Entscheidung fällen und kann anhand längerfristig aufgezeichneter Daten konstruktive Vorschläge für eine permanente Verbesse- rung machen.
Hierfür bietet Hydra natürlich die idea- le Plattform.
Ihre Module berücksichtigen vielfältige Aspekte in der Fertigung und sind für nahezu alle Auswertungs-, Erfassungs- und Entscheidungsaufgaben einsetzbar.
Dies reicht auf der Personalseite von der Zeitwirtschaft über Perso- naleinsatzplanung, auf der Fertigungsseite von vielfältigen Erfassungtechnologien sowohl automatisch wie auch manuell, über Werkzeug- und Ressour- cenverwaltung, bis hin zur Fertigungsfeinplanung.
Und auf der komplexen Qualitätsseite: Von der Prüfplanung über Prüfmittel- verwaltung bis hin zur fertigungsbegleitenden Prüfung.
Wenn sie so wollen: Ein rundum Sorglos-Paket für die komplexe, mo- derne Fertigung, die sich permanent selbst verbessern muss.
SCOPE: MPDV kooperiert seit letztem Jahr mit Mitsubishi-Elec- tric im Bereich Factory Automation.
Ist dies auch eine Antwort auf Siemens TIA? Prof.
Kletti: Mitsubishi-Electric beschäftigt sich mit seinen Lösungen – wie MPDV auch – mit der konkreten Fertigungssi- tuation und mit der permanenten Verbesserung der Fertigung.
Dabei ist die Erfassung vieler Zeiten und Prozessdaten notwen- dig.
Diese Daten müssen effizient und kostengünstig erfasst werden, sodass eine gewisse Verbreitung in einem Unternehmen überhaupt möglich ist.
Die Ideen, die mit TIA auf der langfris- tigen Schiene verfolgt werden, spielen hier – glaube ich – noch keine große Rolle.
www.scope-online.de April 2011 14 Wortwechsel hh Buchtipp Die klassischen Methoden der Produktionsplanung und -steuerung sowie die häufig anzutreffenden Produktionsprozesse und Fertigungsstrukturen ermöglichen es den Unternehmen nur mit größtem Aufwand, in den immer besser vernetzten und schnel- ler getakteten Lieferketten mitzuspielen und kurze Lieferzeiten, hohe Termintreuen, kleine Losgrößen, kurzfristige Abrufe und just-in-time Anlieferungen bei wettbe- werbsfähigen Kosten sicherzustellen.
„Die perfekte Produktion“ zeigt anhand von Praxisbeispielen auf, wie sich durch die sogenannte Short Interval Technology (SIT) systematisch schnelle Regelkreise im Unternehmen aufbauen lassen.
Prof.
Dr.
Jürgen Kletti, Jochen Schumacher, Die perfekte Produktion – Manufacturing Excellence durch Short Interval Technik (SIT), Springer Verlag Berlin, 2010, 190 Seiten, ISBN 978-3-642-13844-7, 69,95 Euro Mit mehr als 30 Jahren Erfahrung im Fertigungsumfeld zählt die MPDV Mikrolab zu den führenden Lösungsanbietern von Manufacturing Execution Systemen.
Welche Ähnlichkeiten diese Systeme mit sagenhaften Ungeheuern haben, erläutert gegen- über SCOPE-Chefredakteur Hajo Stotz der geschäftsführende Gesellschafter des Unternehmens und Buchautor Professor Dr.
Jürgen Kletti.
Vernetztes Denken Denken