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Brücken nach Osten

Der Jubel war groß, als sich am ersten Mai diesen Jahres die Europäische Union (EU) über elf neue Mitglieder freute. Neben Zypern und Malta erweitern vor allem acht mittel- und osteuropäische Länder den europäischen Binnenmarkt – ein äußerst interessantes Terrain gerade für deutsche Firmen. Deutliche Kostensenkungspotentiale erwartet daher auch Arndt G. Kirchhoff vom Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). Deutsche Firmen träfen in Osteuropa auf besonders kostengünstige Produktionsstandorte sowie auf neue Möglichkeiten für grenzüberschreitende Wertschöpfungsketten. Gleichzeitig sieht er „tendenziell Probleme“, wenn gerade mittelständische Unternehmen ein Engagement in den Beitrittsstaaten außer Acht lassen.

Kirchhoff spricht aus Erfahrung: Sein Familienunternehmen ist seit Jahren in diesen neuen Regionen aktiv. Der Beauftragte für Mittelstandsfragen unterstützt daher auch maßgeblich die Fachmesse Reallocation in Leipzig (22. bis 23. Juni 2004). So ist beispielsweise die von ihm geleitete BDI-Unternehmerreise Teil des Fachprogramms der Messe, für das man den EU-Erweiterungskommissar Günter Verheugen als Schirmherr gewinnen konnte.

Bereits bei der letzten Reallocation erzielten vielseitige Vorträge und Diskussionsrunden eine große Resonanz bei den Messebesuchern, die 2004 ein neuer Schwerpunkt erwartet. Gemeinsam mit Instituten aus dem In- und Ausland sowie mit Unternehmensberatungen werden Grund- und Aufbauseminare angeboten, die einen transparenten Vergleich der einzelnen Standorte ermöglichen sollen. „Viele Veranstaltungen sind gezielt darauf ausgerichtet, die Vor- und Nachteile der einzelnen Locations herauszustellen“, erläutert Christian Gute, Projektverantwortlicher der Leipziger Messe. Auch dem Standort (Ost-) Deutschland soll dabei mehr Gewicht verliehen werden.

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Fünf Foren

Zu den bereits in SCOPE (3/04) vorgestellten Veranstaltungsreihen gibt es nun Aktuelles zu berichten. Im Forum „Reallocation – Inside“ geben Professor Karl-Werner Schulte (European Business School, Oestrich-Winkel) und Dag-Uwe Holz (F.A.Z. Institut) als Experten Informationen zu immobilienökonomischen und volkswirtschaftlichen Aspekten eines Ostinvestments. Fachleute der Beratungsfirmen PricewaterhouseCooper (PwC) und KPMG erläutern Aspekte zur systematischen und optimalen Standortwahl, informieren über Subventions- und Fördermöglichkeiten und vergleichen Löhne, Arbeitsmarkt, Steuern und Rechtslage von Deutschland mit denen der Beitrittsländer. Im Fokus des Forums steht aber auch die Kooperationsvermittlung, da viele deutsche Unternehmen vor einer Direktinvestition im Ausland zur Risikominimierung eine Kooperation mit einem landesansässigen Unternehmen eingehen.

In der sogenannten „MOE Area“ können sich die Messebesucher dann gezielt über die einzelnen Länder informieren. Ostmarktexperten des Beratungsunternehmens Ernst & Young sollen diese Runden leiten, an denen sich auch Vertreter der nationalen Wirtschaftsförderagenturen beteiligen.

Mittelpunkt des „BDI-Forums“ sind branchenspezifische Perspektiven und Besonderheiten bei Kooperationen und Investitionen. Unternehmer aus den Bereichen Automobil- und Zulieferindustrie, Elektrotechnik und Elektronik, Maschinen- und Anlagenbau, Informations- und Kommunikationstechnologie, die bereits erfolgreich in den neuen Märkten agieren, berichten aus der Praxis von ihren konkreten Erfahrungen. Hierzu konnten Referenten von IBM und Nokia gewonnen werden.

Neben dem „Real Estate & Investment Forum”, das vom Fachmagazin „Immobilien Manager“ organisiert und moderiert wird und übergreifende Themen für Investitionen im In- und Ausland behandelt, befasst sich die „Focus Area“ mit dem wichtigen Thema „Eigenkapital“. Reallocation fand hierzu einen erfahrenen Partner, die Macher des Berliner Events „European Venture Market“. Experten erläutern die Funktion von Eigenkapital als Instrument der regionalen Wirtschaftsförderung. Spannung verspricht auch die Erörterung der – sicher etwas provozierend – gestellten Frage: „Deutschland, die Logistikdrehscheibe zwischen Ost und West?“ Darüber hinaus steht das neue BMW-Werk in Leipzig als Beispiel einer Standortinvestition im Mittelpunkt; leitende Mitarbeiter des Konzerns analysieren hierzu Faktoren und Prozesse.

Die Reallocation 2004 stimmt optimistisch. Da sollten auch die anhaltenden Diskussionen um den Verlust von Arbeitsplätzen in Deutschland angesichts möglicher Produktionsverlagerungen in die „neuen“ Länder leiser werden. Die jüngsten Einschätzungen des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), dass mehr Unternehmen die Chancen der Osterweiterung nutzen werden, unterstützen das Konzept der Leipziger Messe. Eine breitere Betrachtung zeigt auch die Vorteile für die inländische Konjunktur: Viele Investitionsgüter für Auslandsprojekte deutscher Unternehmen werden in Deutschland gekauft. Außerdem kommt es durch andere ausländische Investoren, die in Deutschland „einkaufen“, zu einem Anstieg der Exporte. Nach Ansicht der Kieler Experten scheinen die positiven Effekte in Deutschland zu überwiegen.

Infos zur Reallocation: Tel. 0341/678-2345, http://www.reallocation.de.Monika E. Melk

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