Interview

„Hybridstecker werden der nächste Schritt sein“

Hohes Tempo, sichere Datenübertragung und Profinet-konform: Das sind die Highlights der neuen Leitungen aus der Etherline-Serie, die Lapp auf der SPS IPC Drives vorstellen wird. Doch nicht nur die Leitungen müssen Hürden wie Losgröße 1, große Vielfältigkeit oder hohe Geschwindigkeit meis-tern, auch Steckverbinder gewinnen an Bedeutung, wie Martin Guserle der SCOPE erklärt. Gerade für den Einsatz in Smart Factorys müssen Steckverbinder intelligenter werden, ist sich der Leiter des Geschäftsbereichs Steckverbinder bei Lapp sicher.

Gerade für den Einsatz in Smart Factorys müssen Steckverbinder intelligenter werden, ist sich der Leiter des Geschäftsbereichs Steckverbinder bei Lapp sicher.

SCOPE: Was bedeuten die Digitalisierung sowie die zunehmende drahtlose Kommunikation für das Steckverbindergeschäft?

Martin Guserle: Die Digitalisierung ist zum einen ein wichtiger Baustein, um unseren Kundenservice weiter zu verbessern. Wir haben beispielsweise einen Online-Gehäusekonfigurator, womit der Kunde sein individuell passendes Steckergehäuse am Bildschirm selbst konfigurieren kann. Die Bestellung geht direkt in die Produktion, und nach spätestens fünf Werktagen innerhalb Deutschlands trifft die Ware beim Kunden ein. 138 Millionen Konfigurationen sind damit möglich. Zum anderen bedeutet die Digitalisierung, dass immer mehr Datenverbindungen in der Industrie geschaffen werden müssen. Zunehmend nachgefragt werden daher Steckverbinder für die Übermittlung digitaler Daten mit immer höheren Datenraten. Standards wie zum Beispiel die Rundstecker mit den Gewindegrößen M23, M17 und immer häufiger der kompakte M12-Stecker. Die zunehmende drahtlose Kommunikation bereitet uns überhaupt keine Sorgen. In der Verbindungstechnologie hat alles seine Existenzberechtigung. Gewiss ist Wireless bezogen auf den Gesamtmarkt heute eine Nische, die größer wird. Aber auch eine Wireless-Lösung muss mit einem Kabel angesteuert werden. Damit sind das Kabel und der Stecker immer auch Teil der Wireless-Strecke. Kabel und Stecker stehen für hohe Übertragungssicherheit und geringere Störanfälligkeit. Außerdem sehen wir uns nicht als Kabel- oder Stecker-hersteller, sondern wir bieten Verbindungslösungen an. Deshalb thematisieren wir natürlich auch solche Lösungen.

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SCOPE: Vor welchen Herausforderungen steht derzeit die Steckverbinder-Entwicklung bei Lapp? Welches sind die kommenden Trends?

Guserle: Auch wenn die drahtlose Kommunikation gewisse Verschiebungen bringen wird, bin ich fest davon überzeugt, dass für die schnelle und störungsfreie Kommunikation der Maschinen untereinander, etwa die Übermittlung von Daten in Echtzeit, oder die Zuführung von Energie zu den Antrieben, Leitungen und Stecker unverzichtbar bleiben. Was sich allerdings ändern wird ist, dass diese Leitungen seltener fest verdrahtet, dafür häufiger gesteckt werden. Das erfordert Steckverbinder, die sich schnell lösen und woanders wieder anstecken lassen. Hier bieten sich modulare Rechtecksteckverbinder an, etwa unser einfach erweiterbares Steckersystem EPIC MH. Es lässt sich flexibel für Leitungen unterschiedlichster Funktionen bestücken und nimmt nach Bedarf die passgenauen Steckermodule für Energie, Signale und Daten auf. Viele Maschinenbauer sind mittlerweile global aufgestellt. In vielen Märkten müssen lokale Standards erfüllt werden, insbesondere die UL-Zertifizierung in Nordamerika. Zusätzlich erfordern bestimmte Branchen spezielle Zertifizierungen, etwa die Wind- und Solarenergie, die Bahn- oder die Lebensmittelindustrie. In der Lebensmittelindustrie beispielsweise müssen Steckverbinder den aggressiven Reinigungsmitteln Stand halten und deshalb besonders robust sein. Wir von Lapp haben deshalb immer die höchsten Anforderungen im Blick und leiten die Varianten für verschiedene Märkte und Branchen dann von diesem Standard ab.

SCOPE: Wie werden Steckverbinder zukünftig aussehen, die in den Smart Factorys zum Einsatz kommen?

Guserle: An der äußeren Optik wird sich wahrscheinlich nicht viel verändern, aber das Innenleben muss an die Anforderungen der Smart Factorys angepasst werden. Ich denke dabei vor allem an Themen wie Losgröße 1, große Vielfältigkeit, hohe Geschwindigkeit und schneller Austausch von Informationen. Bei den Rechtecksteckverbindern werden Varianten mit modularem Aufbau wie das eben erwähnte Steckersystem EPIC MH der große Trend sein. Dabei müssen die einzelnen Bausteine für Energie, Signale und Daten möglichst variabel und jederzeit neu anpassbar sein. Einen ähnlichen Trend sehe ich auch bei den Rundsteckern. Rundstecker, die jeweils nur Daten oder nur Power übertragen, werden in Zukunft von Hybridsteckern, die Signal, Power und Daten vereinen, teilweise abgelöst werden. Dies wird vor allem dort der Fall sein, wo Antriebe immer kleiner und damit auch der Platz für Stecker immer geringer wird. Schon jetzt sind beispielsweise Hybridkabel für die Motor-Feedback-Kommunikation groß im Kommen, die passenden Hybridstecker werden der nächste Schritt sein.

SCOPE: Wie viel Intelligenz kann in einem Steckverbinder stecken?

Guserle: Maschinen und Teile werden zunehmend unabhängig agieren und dabei über das Netzwerk miteinander kommunizieren. Deshalb bin ich mir sicher, dass in der Smart Factory auch die Steckerverbinder immer intelligenter werden müssen und als aktives Verbindungselement fungieren werden. Aktuell wird ja in verschiedenen Normungsinstituten darüber diskutiert, welche Zusatzfunktionen in einem Steckverbinder realisiert werden können. Ich denke dabei insbesondere an Sensor- und Diagnosefunktionen. Die Herausforderung ist, dass diese intelligenten Stecker auch entsprechend robust sind.

SCOPE: Die Elektrifizierung des Antriebsstranges, Connected-Car-Systeme und autonome Fahrzeuge scheinen ein vielversprechender Markt für Anbieter von Kabeln und Steckverbindern zu sein. Warum engagiert sich Lapp nicht stärker im Automotive-Bereich?

Guserle: Lapp engagiert sich sehr stark im Bereich der E-Mobility. Wir konzentrieren uns hier momentan auf die Infrastrukturseite. Dieser Bereich haben wir ein besonders schnelles Wachstum im ohnehin stark wachsenden Unternehmen. Lapp Systems, ein Unternehmen der Lapp Gruppe, hat gerade eben eine „Ladesäule zum Mitnehmen“, ein Ladesystem mit einem so genannten IC-CPD, einem In-Cable Control and Protection Device, auf den Markt gebracht. Das ist im Prinzip eine transportable Ladestation, die den Komfort des Ladens an der Steckdose deutlich steigert und aus dem Notladekabel für die Haushaltssteckdose ein vollwertiges Ladesystem macht. Die Nachfrage ist enorm.

SPS IPC Drives, Halle 2, Stand 310

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