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Blockchain-Technologie: "Relevant für fast alle Branchen"

Blockchain-Technologie„Es gibt fast keine Branche, in der Blockchain nicht relevant werden kann“

Dr. Rolf Werner

Visionen und Technologien standen im Fokus des diesjährigen Fujitsu Forums Anfang November in München. Dr. Rolf Werner, Head of Central Europe und Vorsitzender der Geschäftsführung bei Fujitsu, weiß, dass die Digitalisierung in all ihren Facetten sowohl Unternehmen aller Branchen und Größen als auch die öffentliche Hand bewegt.

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Blockchain-Technologie„Es gibt fast keine Branche, in der Blockchain nicht relevant werden kann“

Visionen und Technologien standen im Fokus des diesjährigen Fujitsu Forums Anfang November in München. Dr. Rolf Werner, Head of Central Europe und Vorsitzender der Geschäftsführung bei Fujitsu, weiß, dass die Digitalisierung in all ihren Facetten sowohl Unternehmen aller Branchen und Größen als auch die öffentliche Hand bewegt. Über noch relativ junge Trends wie Blockchain, Smart Contracts und virtuelle Währungen sowie ihre Bedeutung für die Industrie sprach SCOPE-Redakteurin Caterina Schröder mit Dr. Rolf Werner.

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SCOPE: Der Blockchain-Technologie wird eine ähnliche Bedeutung zugesprochen wie dem Internet. Was rechtfertigt diese Sichtweise?

Dr. Rolf Werner

Dr. Rolf Werner: Das ist eine sehr gewagte Aussage. Denn das Internet ist nach wie vor das Transportmedium für die Blockchain. Blockchain hat Limitierungen, wie zum Beispiel die Anzahl möglicher paralleler Transaktionen oder die benötigte Rechenleistung, die den Einsatz durchaus beschränken. Aber: Es gibt immens viele Einsatzmöglichkeiten für die Blockchain. Nämlich überall dort, wo Transaktionen sicher ablaufen sollen beziehungsweise müssen – sei es im Finanzsektor, bei Vertragsabschlüssen oder in der Logistik. Mit Kryptowährungen wie IOTA wird zudem auch Machine- to-Machine-Payment möglich, also die Kommunikation beziehungsweise ein Bezahlvorgang zwischen Maschinen ohne menschliche Beteiligung. Einer der Treiber bei der Entwicklung der Blockchain war, Betrug zu verhindern. Vertragspartner brauchen keinen Vermittler mehr, der für sie bürgt und dem sie vertrauen, wenn sich die Vertragspartner nicht gegenseitig vertrauen, denn sie haben auf der technologischen Ebene ein intrinsisches Vertrauensverhältnis und Transaktionssicherheit. Um es in den Worten von Bill Gates zu sagen: „Banking ist notwendig, Banken sind es nicht.“

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Doch um auf Ihren Vergleich mit dem Internet zurückzukommen: Generalisiert wird die Entwicklung darauf hinauslaufen, dass es neben dem klassischen „Internet of Information“ ein Blockchain-basiertes „Internet of Value“ geben wird. Beide werden parallel exis-tieren. Denn nicht überall ist die hohe Transaktionssicherheit einer Blockchain erforderlich. Der Markt für diese Anwendungen ist riesig: Das World Economic Forum rechnet damit, dass zehn Prozent des globalen Bruttosozialprodukts bis 2025 über Blockchains abgebildet werden.

SCOPE: Noch befindet sich die Datenbanktechnologie im Versuchsstadium. Wann können wir mit dem echten Durchbruch rechnen?

Werner: Immer mehr Unternehmen setzen Proof of Concepts und Pilotprojekte ein, um Verträge sicher abzuwickeln oder dezentrale Programme beziehungsweise „Smart Contracts“ in einer eigenen Blockchain anzulegen, zu verwalten und auszuführen. Allerdings gibt es derzeit noch viele offene rechtliche Fragen zu „Smart Contracts“.

Kryptowährungen wie Bitcoin sind derzeit wohl der bekannteste Anwendungsfall. Aber auch hier gibt es Unterschiede beziehungsweise Entwicklungen. So kann man Bitcoin als „Blockchain 1.0“ sehen und Ethereum als „Blockchain 2.0“. Ethereum verwendet die interne Kryptowährung Ether, um für Transaktionsverarbeitungen zu bezahlen, die durch teilnehmende Computer abgewickelt werden. Wie „Blockchain 3.0“ aussehen wird, ist noch offen. Blockchain-basierte Anwendungen müssen zudem so weiterentwickelt werden, dass man für die Anwendung kein Spezialwissen braucht. Mit einem Durchbruch ist voraussichtlich schon in wenigen Jahren zu rechnen, da Milliardensummen in diese Technologie investiert werden. Auch Fujitsu arbeitet intensiv an dieser Technologie – etwa für Banking-Anwendungen. So haben die japanischen Fujitsu Laboratories mit „ConnectionChain“ eine Sicherheitstechnologie entwickelt, die Zahlungen mit unterschiedlichen virtuellen Währungen sicher und einfach abwickeln kann. Zudem wird Fujitsu ab Januar 2018 einen Feldversuch mit drei japanischen Banken starten, bei dem der Zahlungsverkehr zwischen menschlichen Teilnehmern über Blockchain-Technologie abgewickelt werden wird. Und die Japanese Bankers Association (JBA) setzt eine auf dem Fujitsu Cloud Service K5 basierende Blockchain-Plattform ein, die sie ihren Mitgliedern ab sofort zur Verfügung stellen möchte.

SCOPE: Ist die Blockchain implementiert, gilt sie als absolut sicher. Ist das ein Trugschluss?

Werner: Blockchain ist extrem sicher. Von Absolutheit zu sprechen, ist aber gewagt. Denn was ist, wenn Quantencomputer in absehbarer Zeit die Verschlüsselung doch knacken können? Um das zu vermeiden, muss man immer auf dem aktuellen Stand bleiben. Die größte Sicherheitsproblematik ist jedoch nicht die Blockchain selbst, sondern das Davor und Danach. Sie darf somit nicht isoliert betrachtet werden. Die sicherste Blockchain hilft nichts, wenn die Authentifizierung der Anwender unsicher ist. Hier ist dann der Einsatz wirklich sicherer biometrischer Authentifizierungslösungen wie Handvenenscans angebracht. Kryptowährungen sind zudem nicht reguliert, was zusätzliche Risiken mit sich bringt. Aber all das sind keine Ausreden, sich nicht mit Blockchain zu befassen. Denn diese Technologie hat immenses Potenzial und auch die Regulierungsbehörden werden in absehbarer Zeit Vorgaben definieren (müssen).

SCOPE: Welche juristischen Fragen wirft die Blockchain auf und wie sollten diese gelöst werden?

Werner: Das Konzept der Blockchain beruht auf verteilten Datenbanken. Dieses „Jeder weiß alles“-Konzept wirft natürlich die Frage nach dem Schutz sensibler Daten auf. Technisch ist es kein Problem, die Daten zu verschlüsseln und zu anonymisieren. Rechtlich ist es dagegen heikel. Wenn zum Beispiel Verträge unsauber programmiert und fehlerhaft ausgeführt werden, ist die Frage, wie der Geschädigte sein Recht bekommt. Dies gilt insbesondere, wenn Rechner in unterschiedlichen Rechtsgebieten stehen. Das kann etwa sein, wenn ein Deutscher im Urlaub in Italien über eine Cloud in den USA einen Vertrag mit einem französischen Unternehmen abschließt. Dann ist die Preisfrage: Welches Recht gilt? Und wen will ich verklagen, wenn etwas nicht funktioniert? Hier müssen noch rechtlich einwandfreie Regelungen entwickelt werden. Doch ungeachtet dieser offenen Punkte gibt es so gut wie keine Branche und keinen Bereich, bei dem Blockchain nicht relevant werden kann. Überall dort, wo sichere und kostengünstige Transaktionen gefragt sind, ist Blockchain etwas, mit dem man sich befassen muss.

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