Textil-Dienstleistung

Qualitätsstandards zu einem ­finanzierbaren Preis

SCOPE: Das Berufskleiderleasing ist mei­nem Eindruck nach auf dem Weg von der Boombranche mit regelmäßigen kräftigen Wachstumsraten zur ganz normalen Dienstleisterbranche. Wie entwickelt sich der Markt?

Gerdum: Der textile Dienstleistungsmarkt bietet in Westeuropa nach wie vor ein gutes Wachstumspotenzial. Von 1999 bis 2001 ist der Gesamtumsatz der im Industrieverband Textilservice Intex mit Sitz in Eschborn, zusammengeschlossenen Unternehmen von rund einer Milliarde Euro auf 1,2 Milliarden Euro gestiegen. Und: Trotz der derzeit schwachen Konjunktur sind auch in den nächsten Jahren besonders bei der Berufskleidung zufrieden stellende Zuwachsraten zu erwarten, denn die Marktdurchdringung von Berufskleidung im Full-Service ist in Europa noch ziemlich gering. Gerade weil die Wirtschaft unter starkem Modernisierungsdruck steht, greift sie zunehmend auf das Modell des Textilservice zurück. Vorausgesetzt, die Leistungen um die Kleidung herum stimmen. Individuelle, maßgeschneiderte Betreuung ist heute für Kunden bei der Wahl ihrer Dienstleister ausschlaggebend. Wer hier entsprechende Lösungen oder Servicepakete anbieten kann, hat auch in Zukunft gute Chancen im Markt.

SCOPE: Welchen Sparten ordnen Sie besondere Potenziale zu?

Gerdum: Neben dem schon angeführten Trend zum Full-Service erschließt das Thema Berufskleidung als Marketinginstrument weitere Kundengruppen. CI-Kleidung, noch vor wenigen Jahren nur für große Konzerne und Handelsketten interessant, ist inzwischen auch für den Mittelstand wichtig. Außerdem nehmen die gesetzlichen Auflagen im Bereich Arbeitsschutz zu. Das heißt, dass der Arbeitgeber für eine entsprechende Ausstattung seiner Mitarbeiter stärker Sorge zu tragen hat. Beide Trends bewirken eine erhöhte Nachfrage nach Service und Know-How von Textil-Dienstleistern. Wer hier nicht nur die passende Kleidung, sondern auch eine kompetente Beratung bieten kann, sichert sich Marktanteile.

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SCOPE: Derzeit werden Nutzer und potenzielle Nutzer des Berufskleiderleasings verstärkt von zum Teil aggressiven Anbietern beworben. Offenbar versuchen einige Unternehmen mit Kampfpreisen in den Markt zu kommen. Werden die Kunden davon auch auf Dauer profitieren?

Gerdum: Es stimmt, der Markt befindet sich in einem starken Wettbewerb. Die Kunden profitieren momentan davon durch niedrige Preise. Auf Dauer werden Billiganbieter jedoch ihr Qualitätsniveau nicht halten können – und dann wird es für ihre Kunden eher teurer. Bevor man sich für einen Anbieter entschließt, sollte ein Unternehmer ganz genau vergleichen, welche Leistungen „unter dem Strich“ im Preis enthalten sind. Ist eine kompetente Beratung im Preis enthalten, so dass er genau die Kleidung bekommt, die für die Anforderungen in seinem Unternehmen passt? Sichert der Anbieter dauerhafte Qualität zu und werden beschädigte Kleidungsteile wieder in Stand gesetzt beziehungsweise aussortiert und ersetzt? Und wie sieht der Service bei Veränderungen im Mitarbeiterstamm aus? Kann die Kleidung dann umgehend angepasst werden? Solche Details sind die wahren Pluspunkte beim Outsourcing von Berufskleidung. Sie sparen dem Unternehmer Zeit und damit mittelfristig Geld. Daher kann es sein, dass ein „Billig-Anbieter“ nur auf den ersten Blick das günstigste Angebot macht.

SCOPE: Womit müssen die Kunden in Zukunft hinsichtlich Anbietermarkt und Angeboten rechnen? Werden Dienstleister Ihrer Branche den Markt verlassen? Wird es neue Finanzierungskonzepte geben? Und können noch neue Marktnischen besetzt werden?

Gerdum: Der Markt richtet sich natürlich nach dem, was Kunden nachfragen. Hier zeigt sich folgendes Bild: In Zukunft haben Textil-Dienstleister noch stärker als bisher auf zwei Aspekte zu achten. Sie müssen hohe Qualitätsstandards zu einem für den Kunden finanzierbaren Preis bieten. Das lohnt sich für den Dienstleister aber nur, wenn sein Unternehmen die nötige Größe hat, um ein umfassendes Qualitätsmanagement zu etablieren. Deshalb dürfte die langsam fortschreitende Konzentration auf Anbieterseite weder in Deutschland noch im europäischen Maßstab abgeschlossen sein. Außerdem wollen Kunden nach wie vor persönlich betreut werden. Und zwar buchstäblich persönlich, also von Beratern, die sie kennen, die sich dauerhaft um sie kümmern. Wer beide Aspekte erfüllt – überregional immer die gleichen Top-Standards und Kundennähe vor Ort – wird auch in Zukunft im Markt bestehen. Dazu bedarf es meines Erachtens keiner neuen Finanzierungskonzepte. Natürlich wird es auch weiterhin Nischenprodukte und darauf spezialisierte Anbieter geben. Aber wie der Begriff Nische schon sagt: Die Marktbedeutung solcher Anbieter ist immer äußerst begrenzt.

Textildienstleistung in Zahlen

685.000 Personen in unterschiedlichen Branchen versorgt Mewa regelmäßig mit sauberer und vorschriftsmäßiger Berufskleidung. Dazu addieren sich mehr als eine halbe Milliarde Putztücher, 600.000 Handtuchrollen und 1,2 Millionen Fußmatten. Täglich durchlaufen 260 Tonnen Wäsche die Reinigungs- und Pflegestationen.

Auch in den letzten Jahren wuchs das Unternehmen regelmäßig. Im Jahr 2003 erzielten 3.500 Mitarbeiter an 30 europäischen Standorten etwa 317 Mio. Euro Umsatz.

Hauptzielgruppen sind Industrie, Handel, Handwerk, Gewerbe, Gesundheitswesen und öffentliche Institutionen. Der Service umfasst das Bereitstellen, Bringen, Holen und Pflegen der Textilien sowie deren Instandhaltung und Ersatz. Neben der Berufskleidung bedient das Unternehmen die Bereiche Putztücher, Handtuchrollen, Textilien für das Gesundheitswesen sowie Hotel- und Gastronomiewäsche. Zudem werden Produkte für den Arbeitsschutz und den technischen Bedarf angeboten.

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