PARTNER, Dienstleistungen, Zeitarbeit

50 Jahre Zeitarbeit in Deutschland

Vor 50 Jahren wurde ein neues Kapitel der deutschen Wirtschaftsgeschichte aufgeschlagen. Im Oktober 1960 ging der Bremer Unternehmer Günter Bindan mit einer Dienstleistung an den Markt, die heute unter dem Begriff "Zeitarbeit" allgemein bekannt ist. Heute ist dieses Instrument für die deutsche Wirtschaft unentbehrlich, und weit über 1.000 Zeitarbeitsunternehmen leistet einen wichtigen Beitrag für das Funktionieren unseres Arbeitsmarktes. Allerdings musste sich die Branche ihre heutige Anerkennung erst mühsam erkämpfen.
Wirtschaftspionier Günter Bindan gründete 1960 das erste deutsche Zeitarbeitsunternehmen, das zur Keimzelle für die heutige Partner-Gruppe wurde.

So manche Barriere haben Bindan und andere professionelle Anbieter dieser Dienstleistung in den zurückliegenden 50 Jahren aus dem Weg räumen müssen, um sich mit 710.000 in der Zeitarbeit beschäftigten Frauen und Männern (Stichtag: 31. Januar 2010) einen im Vergleich zu anderen Ländern noch immer bescheidenen Anteil von weniger als zwei Prozent auf dem Arbeitsmarkt zu erarbeiten. Als Günter Bindan seine Firma gründet und eigene Mitarbeiter vorübergehend anderen Unternehmen zur Verfügung stellt, ist das Wort "Arbeitnehmerüberlassung" noch völlig unbekannt. Auch die bald gegründeten weiteren Zeitarbeitsunternehmen operieren anfangs in einer gewissen gesetzlichen Grauzone. Das ändert sich erst 1967, als das Bundesverfassungsgericht bekräftigt, dass "die Ausdehnung des Arbeitsvermittlungsmonopols auf Arbeitnehmerüberlassungs-Verträge" mit dem Grundrecht der freien Berufswahl nicht vereinbar ist. So wird der Weg frei für die legale und konzessionierte Zeitarbeit. Bereits 1970 kommt es zu einem ersten Tarifvertrag zwischen dem damaligen Unternehmensverband für Zeitarbeit (UZA) und den Deutschen Angestellten-Gewerkschaft (DAG). Im selben Jahr bestimmt das Bundessozialgericht, dass die Zeitarbeitsunternehmen das Arbeitgeberrisiko zu tragen haben und mit ihren Mitarbeitern Dauerarbeitsverhältnisse eingehen müssen, die während der Beschäftigung im Kundenbetrieb und auch anschließend fortbestehen. Und 1972 schließlich wird die Zeitarbeit durch das im Bundestag verabschiedete Gesetz zur Regelung der gewerbsmäßigen Arbeitnehmerüberlassung (AÜG) endlich auf eine solide Basis gestellt.

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Mitarbeiter sind fest angestellt

Grundlage jeder Anstellung in einer Zeitarbeitsfirma ist demnach immer ein schriftlicher Arbeitsvertrag, der eine Festanstellung mit durchgängigen und geregelten wöchentlichen Arbeitszeiten, Lohnfortzahlung bei Krankheit und bei eventuellen einsatzfreien Tagen, voll bezahlten Jahresurlaub und vermögenswirksame Leistungen beinhaltet. Nicht zuletzt durch solche Leistungen hat sich auch das Image der Branche im Laufe der Jahre kontinuierlich verbessert. Auch für die Kunden liegen die Vorzüge auf der Hand. Immer mehr Unternehmen erkennen in der Zeitarbeit ein effektives Instrument zur Anpassung ihrer Personalkapazität an Auslastungsschwankungen ohne Beschäftigungs- und Kostenrisiken - denn die übernimmt stets das Zeitarbeitsunternehmen als durchgängiger Arbeitgeber. Zugleich hat sich Zeitarbeit als ein wirksames Mittel im Kampf gegen Arbeitslosigkeit erwiesen. Zeitarbeitnehmer haben beste Möglichkeiten, in ein herkömmliches Beschäftigungsverhältnis bei einem Kundenbetrieb zu wechseln. Dass dies viele Mitarbeiter seriöser Personaldienstleister, die ein entsprechendes Übernahmeangebot bekommen haben, gar nicht wollen, unterstreicht die Zufriedenheit nur umso mehr. Um die beschäftigungswirksamen Impulse für den Arbeitsmarkt weiter zu verbessern, sind schrittweise die rechtlichen Rahmenbedingungen für ein weiteres Wachstum der Branche geschaffen worden. Die höchstzulässige Einsatzdauer eines Arbeitnehmers bei einem Zeitarbeitskunden wird kontinuierlich von drei Monaten (bis 1985) auf zunächst sechs (bis 1994), dann neun (bis 1997) auf heute zwölf Monate ausgedehnt. Und am 1. Juli 1994 fällt das Arbeitsvermittlungsmonopol der Bundesanstalt für Arbeit: Die private Arbeitsvermittlung wird bundesweit zugelassen. Die dafür autorisierten Zeitarbeitsunternehmen dürfen nun also auch direkt mit Vermittlungsangeboten an potenzielle Kunden herantreten. Im Sinne weiterer Flexibilität beschließt das Bundeskabinett im Juni 1996 eine umfassende Reform des AÜG, die am 1. April 1997 in Kraft tritt. Seither ist eine zeitliche Deckungsgleichheit von Ersteinsatz und Arbeitsvertrag (Synchronisation) ebenso zugelassen wie die wiederholte und lückenlose Aufeinanderfolge befristeter Arbeitsverträge. Ausgeschiedene Mitarbeiter können ohne Beachtung der bis dahin gültigen dreimonatigen Wiedereinstellungssperre wieder eingestellt werden.

Temp-to-Hire sorgt für Bewegung auf dem Arbeitsmarkt

Parallel zur sich wandelnden Gesetzlage sorgt auch der Ausbau der Dienstleistungspalette für weiteres Wachstum der Branche. War Zeitarbeit zunächst nahezu ausschließlich dann gefragt, wenn es galt, kurzfristig auftretenden Personalbedarf zu decken, um Auftragsspitzen zu bewältigen und Ausfallzeiten zu überbrücken, entwickelten die Unternehmen weiter gehende Angebote wie den On-Site-Service (Vor-Ort-Management bei besonders hohen oder betreuungsintensiven Personaleinsätzen), das Outplacement (Übernahme gekündigter Kundenmitarbeiter in Festanstellung mit einer Optionsvereinbarung zum Wechsel in einen Kundenbetrieb) und das Outsourcing (Übernahme und verantwortliche Abwicklung von ausgliederbaren betrieblichen Teilaufgaben im Rahmen von Dienstverträgen). Immer bedeutender wird in Deutschland vor allem eine Dienstleistung, die in den USA unter dem Schlagwort Temp-to-Hire bereits seit Jahrzehnten für Bewegung auf dem Arbeitsmarkt sorgt: die Arbeitnehmerüberlassung mit Optionsvereinbarung auf eine Festübernahme.

Großer Nachholbedarf

Doch so sehr sich die Erfolge der Zeitarbeit in Deutschland auch sehen lassen können, so groß ist noch immer der Nachholbedarf. Während der Anteil der Zeitarbeitnehmer in Deutschland noch immer unter zwei Prozent liegt, rangierte er beispielsweise in den Niederlanden mit annähernd fünf oder in Großbritannien mit fast vier Prozent deutlich höher. Ein Grund für diese Diskrepanz ist, dass es auf dem deutschen Zeitarbeitsmarkt immer noch Barrieren gibt, wie etwa das Verbot der Arbeitnehmerüberlassung im Bauhauptgewerbe. Angesichts des gegenwärtigen Zeitarbeitsbooms gehen Experten gleichwohl davon aus, dass die bisherige Rekordmarke von gut 820.000 deutschen Zeitarbeitern aus dem Juli 2008 im bevorstehenden Sommer überschritten werden kann. lg

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