Joint-Implementation

Einer der „flexiblen“ Mechanismen

die das Kyoto-Protokoll zur Reduzierung der Treibhausgase vorsieht, ist der Emissionshandel. Er soll Unternehmen dazu bewegen, ihre eigenen Energieanlagen klimafreundlich umzurüsten. Wer seine CO2-Emissionen senkt, kann seine Emissionsberechtigungszertifikate verkaufen. Wer den Ausstoß erhöht, muss Zertifikate kaufen.

Am Emissionshandel nehmen nur Unternehmen teil, deren Energiezentralen eine Leistung von mindestens 20 MW bringen. Viele kleine und mittelständische Unternehmen erreichen diesen Wert nicht – verursachen in der Summe aber gewaltige Emissionen. Deshalb sollen diese Unternehmen im Sinne des Kyoto-Protokolls etwas für die Umwelt tun – und dabei Geld verdienen. Das Stichwort heißt: Joint Implementation (JI). Oder auf gut Deutsch: Gemeinschaftliche Umsetzung. Das Gemeinsame daran ist, dass zwei Industrieländer etwas für die CO2-Reduktion tun: Das eine Land investiert in klimafreundliche Energietechnik (Investorland), die in einem anderen Land (Gastland) durch ein nicht emissionshandelspflichtiges Unternehmen betrieben wird. Das Konzept strebt eine Win-Win-Konstellation an: Dem Investorland werden zusätzliche Emissionsrechte zugesprochen, während das betreffende Unternehmen im Gastland Emissionszertifikate (sogenannte ERU-Zertifikate) in den EU-Emissionshandel einbringen kann, obwohl es selbst nicht handelspflichtig ist.
Das ist aber keineswegs so unübersichtlich, dass sich die kleinen und mittelständischen Unternehmen abwenden. Das Gegenteil ist der Fall, wie die AGO AG Energie und Anlagen (Kulmbach) bei einer Informationsveranstaltung zum Thema Joint Implementation feststellen konnte. Dazu AGO-Vorstandsmitglied Hans Ulrich Gruber: „Die Unternehmen wissen, dass sie mit Klimaschutzmaßnahmen erstens etwas für die Umwelt tun und daraus zweitens wirtschaftliche Vorteile ziehen können.“ Mit ihrem Klimaschutzprogramm will die AGO deutsche mittelständische Unternehmen dazu bewegen, ihre Energieversorgung im Rahmen einer Joint Implementation von fossilen Brennstoffen auf regenerative Alternativen umzustellen. Das funktioniert allerdings nur, wenn das Unternehmen nicht bereits aufgrund behördlicher Auflagen gezwungen ist, den Betrieb seiner alten Energiezentrale einzustellen. Angesprochen fühlen sich alle Unternehmen, die nicht unter das Treibhausemissionshandelsgesetz fallen und ihre bestehende, mit Öl oder Gas betriebene Anlage auf einen regenerativen Energieträger umstellen möchten. Die alten Anlagen brauchen im Zuge der Neuausrichtung nicht unbedingt abgerissen zu werden. Vielmehr bietet es sich in vielen Fällen an, die vorhandenen Kessel für die Notfallversorgung oder als redundante Aggregate vorzuhalten.

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Als JI-Gastland fungiert Deutschland. Das heißt, die AGO AG richtet sich an Unternehmen, die ihren Firmensitz und ihre Energiezentralen in Deutschland haben. Für das Investorland kommen laut Kyoto-Protokoll nur Staaten infrage, die auf ihrem Gebiet die Durchführung von JI-Projekten zulassen. Derzeit sind das die osteuropäischen Länder sowie Frankreich, Dänemark und Schweden. Um die völkerrechtlichen Anforderungen an ein JI-Projekt zu erfüllen, wird die AGO AG in einem dieser Länder eine Niederlassung gründen, von der aus sie die Klimaschutzinvestition nach Deutschland trägt. Sie bündelt die CO2-Reduktionen der Teilnehmer, bringt die eingesparten Emissionen in den Emissionshandel ein und vergütet die Erlöse an die deutschen Firmen.

Seit Ende Juli 2008 akquiriert die AGO Interessenten für ihr Klimaschutzprogramm. Um offiziell an den Start gehen zu dürfen, musste das Unternehmen einige Grundbedingungen erfüllen – zum Beispiel die Präsentation eines Partners, der sich entschieden hat, an dem Projekt teilzunehmen. Wie etwa die Brauerei Gebr. Maisel in Bayreuth. Derzeit setzt das Unternehmen eine Schwerölanlage ein, ist aber bereits seit drei Jahren auf der Suche nach einer für die Brauerei passenden umweltschonenden Alternative. „Die bestehende Anlage wollten wir maximal bis 2012 nutzen. Das JI-Projekt der AGO AG lieferte uns aber gute Argumente, schon jetzt umzustellen – und zwar auf regenerative Energie“, sagt Brauerei-Geschäftsführer Jeff Maisel. ms

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