Entwicklungs- und Konstruktions­dienstleistungen

"Ziel ist die Markführerschaft in Deutschland"

SCOPE: Sie haben als ehemaliger Kaufmännischer Leiter des Technologiedienstleisters Brunel im Mai diesen Jahres das Ruder von Ihrem damaligen Chef Winfried Wexler übernommen. Welche Erwartungen verbindet das Amsterdamer Konzern-Management mit diesem Auftrag ?

Siebeneich: Für mich selbst kam diese Berufung überraschend. Sicher hatte ich Visionen, selbst einmal ein Unternehmen mit 200 oder 250 Mitarbeitern zu leiten. Jetzt sind es 863. Es ist eine Last, die drückt, aber gleichzeitig auch extrem motivierend ist. Natürlich verbindet man in Amsterdam Erwartungen mit meinem Einsatz. Dies sind aber Erwartungen, mit denen ich mich vollkommen identifiziere. Es gilt, die gute Brunel-Kultur zu bewahren und gleichzeitig grundsätzliche, inhaltliche Veränderungen umzusetzen. So müssen wir uns strukturellen Problemen stellen. Unsere Bereiche Automation, Engineering, IT, Communications, Excellence, Form und Technik sowie Railmotive bilden eine ausgezeichnete Basis, um das von unseren Kunden geforderte Projekt-Know-how mit der notwendigen Wirtschaftlichkeit zu verbinden. Wir sind gegenwärtig dabei, aus einzelnen schnell gewachsenen, schwierig managebaren Bereichen konsequent funktionierende effiziente Strukturen zu entwickeln.

SCOPE: Ist dies nicht eine enorme Forderung an das Engagement aller an diesem Prozess Beteiligten ?

Siebeneich: Ich bin da guter Dinge, diese Ziele auch zu erreichen. Ich bin ein Mensch, der mit großer Freude bei der Arbeit ist. Wenn nun diese Freude durch unsere Mitarbeiter zurückvermittelt wird, dann ist dies auch für mich motivierend. Ein Beispiel soll dies verdeutlichen: Es gab in den Anfängen von Brunel in jeder Niederlassung eine Glocke. Immer wenn etwas Positives zu vermelden war, wurde die Glocke geläutet und alle Niederlassungsmitarbeiter wussten, “es ist wieder etwas Schönes passiert“. Anstelle der Glocken sind nun Motivations-E-Mails getreten. Jetzt gibt es bei Brunel regen E-Mail-Verkehr...

Anzeige

SCOPE: Sie gingen bisher auf strukturelle Entwicklungen ein. Es gibt doch sicher auch Erwartungen zu künftiger Umsatzentwicklung.

Siebeneich: Es gibt natürlich sehr konkrete monetäre Erwartungen in den Niederlanden an uns. Ich freue mich aber heute einschätzen zu können, dass wir bereits zum 31.08. unser Jahresziel erreichten und es bis Jahresende deutlich überschreiten werden. Dass dies natürlich nicht nur für mich motivierend ist, versteht sich von selbst. Es gibt einen sehr unkomplizierten Umgang mit Amsterdam. Amsterdam erwartet, dass wir als Unternehmen wachsen. Die Wege dahin entscheiden wir. Wir entwickeln uns seit Jahren über dem Marktdurchschnitt. Vergleichbare Wettbewerber haben gerade veröffentlicht und wir liegen wieder sehr deutlich über deren Ergebnissen.

SCOPE: Deutschland hat gegenwärtig enorme beschäftigungspolitische Probleme. Diese machen auch vor der Engineering- und IT-Branche nicht halt. Was läuft bei Brunel anders?

Siebeneich: Dass wir überdurchschnittlich wachsen hat im Wesentlichen zwei Gründe. Erstens besitzen unsere Mitarbeiter ein überdurchschnittliches Engagement. Das hat etwas mit Mitarbeiterumgang zu tun. Sie begreifen und fühlen sich als „Unternehmer im Unternehmen“. Zweitens läuft unser Vertrieb anders als in vergleichbaren Unternehmen. Unsere Teamleiter sind ganz nah beim Kunden, sie stellen die Brücke zwischen den Kunden und dem Mitarbeiterstamm dar. Wir geben dem Kunden immer das Gefühl, das er Unterstützung durch Mitarbeiter von Brunel erhält, diese aber im ganz konkreten Fall oder Projekt nur für ihn, den Kunden, arbeiten und seine Interessen wahrnehmen. Dieser Spagat gelingt uns.

Unsere gegenwärtig über 522 offenen Stellen sind nichts anderes als eine realistische Abbildung der Situation in Deutschland. Die Qualifikation ist nicht immer dort zu finden, wo sie benötigt wird. Es wird auf politischer Ebene nicht genügend getan, um die notwendige Qualifikation mit der nötigen Zukunftsorientierung zu fördern. Deshalb bauen wir auch unsere engen Kontakte zu Universitäten und Fachhochschulen aus, um zumindest mit unseren bescheidenen Möglichkeiten einen gewissen Einfluss auf die Bildungszukunft auszuüben.

SCOPE: Sie haben im vergangenen Jahr mit ver.di in harten Verhandlungen einen Haustarif ausgehandelt. Wie schätzen Sie dessen Auswirkung heute ein?

Siebeneich: Ich denke nicht, dass wir mit ver.di harte Verhandlungen geführt haben. Aber wir haben mit Sicherheit konsequente Verhandlungen geführt. Das, was wir in ausgesprochen konstruktiven Gesprächen erreicht haben, ist vernünftig und tragbar. Für meine Mitarbeiter bedeutet dies mehr Sicherheit. Wir haben einen Tarifvertrag, der die Basis unserer Gehaltsstrukturen darstellt. Da wir in der Mehrzahl noch außertarifliche Zulagen hatten, mussten wir keine Gehälter reduzieren. Nach diesem Haustarifvertrag werden unsere Mitarbeiter nicht nach Stundensätzen abgerechnet, sondern mit einem klar definierten Gehalt entlohnt. Gleichzeitig schufen wir aber auch die Planbarkeit von Gehaltserhöhungen. Da Personalkosten sich auf das Ergebnis direkt auswirkende Kosten sind, haben wir mit dem Haustarifvertrag eine hohe Planungssicherheit dieses Kostenblockes erhalten. Auch für unsere Kunden sind wir damit noch berechenbarer und verlässlicher geworden.

SCOPE: Brunel bietet die komplette Projektabwicklung in Form des Werkvertrages oder aber auch die Mitarbeit bei einzelnen Aufträgen als Arbeitnehmer­überlassung. Können Sie die Form der Arbeitnehmerüberlassung näher erläutern?

Siebeneich: Ein wesentlicher Schwerpunkt unseres Dienstleistungsspektrums ist die Projektunterstützung durch Ingenieure, Techniker und Informatiker im Rahmen der Arbeitnehmerüberlassung. Es handelt sich hierbei um ein zukunftsträchtiges Arbeitsmodell: So erfordern Aufträge mit hohem Forschungs- und Entwicklungspotenzial zuerst die Bildung einer internen Projektgruppe. In diese werden dann gern externe Spezialisten integriert, um deren Fachwissen zu nutzen und von dem frischen Wind der “neutralen Dritten“ zu profitieren. Dabei wird besonders auf den Wert des vernetzten Wissens geachtet. So können Synergien zwischen Fachbereichen genutzt werden.

SCOPE: Viele Unternehmen besinnen sich wieder auf Kernkompetenzen. Sie agieren jedoch noch konsequent auf vielen Feldern. Geht es auch bei Brunel zukünftig „back to the roots“?

Siebeneich: Das wäre ganz sicher der einfachere Weg. Dieses Vorgehen würde uns aber wieder mit Wettbewerbern vergleichbarer machen. Das bringt uns in ein Umfeld – oder wieder in ein Umfeld – in das wir gar nicht zurück wollen. Wir haben mit viel Kraft daran gearbeitet, uns vom Wettbewerb abzuheben. Unser Weg ist die weitere Stärkung und Entwicklung unserer Kompetenz-Center. Wir vermitteln damit nicht nur unsere Fachkompetenz, sondern demonstrieren auch die Fähigkeit, das Risiko für ganze Projekte zu übernehmen. Das setzt Vertrauen des Kunden in unsere Leistungsfähigkeit und fachliche Kompetenz voraus. Deshalb werden wir den Ausbau unserer Kompetenz-Center konsequent fortsetzen.

Erklärtes und beharrlich verfolgtes Ziel unseres Unternehmens ist die Marktführerschaft in Deutschland.

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige

Automobilbranche

Brunel reagiert auf steigende Nachfrage

Brunel richtet künftig seine werkvertraglichen Kompetenzen auf den Automobilbereich aus: Mit der Anfang 2016 vollzogenen Leistungsbündelung der Prüf-, Test- und Entwicklungszentren Brunel Communications (Hildesheim) und Brunel Car Synergies (Bochum)...

mehr...

Sechs Mal prämiert

Ingenieurdienstleister mit Bestnoten

Mit seinen mehr als 40 Standorten gehört Brunel zu den führenden Ingenieurdienstleistern in Deutschland. Seine im deutschsprachigen Raum etwa 3.000 Mitarbeiter lösen komplexe Aufgaben entlang der gesamten Prozesskette, von der Entwicklung über...

mehr...
Anzeige

Automationslösungen von item

Erweitern Sie Ihr Wissen innerhalb der Automation und erfahren Sie alles rund um Motoren, Getriebe und Steuerungen im Leitfaden von item Industrietechnik.

mehr...
Anzeige
Anzeige

Highlight der Woche

Interessenten können ab sofort auf der Homepage der ACE Stoßdämpfer GmbH die für Ihre Anwendung maßgeschneiderte Gasfeder berechnen und auslegen. Unter ‚Berechnungen' ist das Gasfeder-Berechnungstool auf der Website ace-ace.de zu finden.

Zum Highlight der Woche...
Anzeige
Anzeige

Highlight der Woche

MES macht Schluss mit Stillstand
Die MES-Software von PROXIA unterstützt die Kieselmann GmbH bei der Herstellung von umfangreichen Leitungs- und Ventilsystemen, den Überblick über eine äußerst komplexe Produktion zu behalten. Das MES ermöglicht, die Fertigung wirtschaftlich zu planen und zu organisieren sowie mit sicheren Kennzahlen Effizienzpotentiale aufzudecken und zu nutzen.
Bericht lesen

Zum Highlight der Woche...

Kreditvergabe

Ohne Kredite keine Wettbewerbsfähigkeit

Zur Finanzierung ihrer Investitionen in die digitale Transformation, aber auch zur Finanzierung des Tagesgeschäfts benötigen Unternehmen häufig kurzfristige Darlehen. Bürokratie sowie heterogene IT-Strukturen auf Bankenseite erschweren jedoch die...

mehr...