Datenanalyse

»Sind wir so gut wie wir glauben?«

Ute Zimmermann, Wiesbaden

Nolte produziert bis zu 95.000 Möbel-Varianten, was anspruchsvolle Logistik-, Auftrags- und Produktionsprozesse mit sich bringt.
Nie war der Wettbewerb so hart wie heute. Gerade im Bereich Investitionsgüter müssen die Hersteller täglich ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen. Wie gut dies gelingt, muss anhand von Kennzahlen permanent überprüfbar sein. Dabei unterstützten Business Intelligence Werkzeuge. Absolut notwendig ist dabei die Transparenz in den Daten, denn nur so können Verantwortliche produktionstechnische Entscheidungen treffen. Beim Möbelhersteller Nolte sorgt Qlikview für den Durchblick, das Analyse- und Reportingtool des schwedischen Business Intelligence (BI) Anbieters QlikTech.

Auf 160.000 Quadratmetern produzieren 850 Mitarbeiter jeden Tag 240 Tonnen Möbel. Das sind ca. 14.000–17.000 Packstücke oder anders ausgedrückt: rund zwei Kilometer Schrankwand täglich, die verladen werden. Bei der Nolte-Möbel GmbH & Co. KG aus Germersheim wird ausnahmslos individuell nach Kundenauftrag gefertigt, direkt in den LKW hinein. Ein Fertigmöbellager gibt es nicht. Über die gesamte Bandbreite der Produktpalette entstehen hier bis zu 95.000 Möbel-Varianten. Die anspruchsvollen Logistik-, Auftrags- und Produktionsprozesse können nur dann funktionieren, wenn sie ineinander verzahnt und optimal aufeinander abgestimmt sind.

Um die sich täglich stellende logistische Herausforderung in der individuellen Möbelfertigung zu meistern, müssen große Datenbestände in kürzester Zeit schnell und zuverlässig ausgewertet werden. »Wir hatten früher Unmengen an Statistiken in Form endloser Excel-Listen, deren Aussagekraft sehr zu wünschen übrig ließ; aufschlussreich war meist nur eine Seite«, denkt Nolte IT-Leiter Uwe Hohl an die Zeit vor Qlikview zurück. Fast unmöglich wurden die Auswertungen, wenn Aussagen über Umsätze unter Berücksichtigung von Verbandsmitgliedschaften getroffen werden sollten; denn der Möbelhandel in Deutschland ist in einer Möbelverbandsstruktur organisiert. »Unterjährige Verbandswechsel oder Zusammenschlüsse von Möbelhäusern aus verschiedenen Verbänden stellten für Data Cubes besondere Herausforderungen dar. Traditionelle Olap-Lösungen waren unseren Anforderungen einfach nicht gewachsen, von zeitnahen Ergebnisse ganz zu schweigen«, so Hohl.

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Nach einer umfassenden Marktanalyse habe man den Anwendern aus Produktion, Vertrieb, Controlling und Geschäftsleitung zwei alternative BI-Lösungen vorgestellt; der langjährige Partner Swing hatte dabei Qlikview, das BI-Tool des schwedischen Anbieters Qliktech ins Spiel gebracht. Die Wahl war eindeutig – und fiel nicht nur wegen der einfachen Bedienbarkeit unisono auf Qlikview. »Die Software berücksichtigt das Wechseldatum und macht die Analysen unter wesentlich intelligenteren Gesichtspunkten als vergleichbare Systeme«, erläutert Hohl. Umfangreiche Schulungen auf das neue System waren nicht erforderlich.

Bessere Nutzung des Arbeitsspeichers

Der zukunftsweisende Ansatz der BI-Lösung liegt in der In-Memory-Technologie. Moderne BI-Werkzeug verzichten auf eine aufwändige und starre Definition des Datenmodells und laden alle erforderlichen Daten von Anfang an direkt in den Arbeitsspeicher. Anschließend finden hier alle Berechnungen und logischen Verknüpfungen statt. Das ermöglicht einerseits Abfragen und Analysen mit kürzesten Antwortzeiten, selbst umfangreiche Massendaten lassen sich nahezu in Echtzeit analysieren. Andererseits bietet die permanente Verfügbarkeit aller Daten im Arbeitsspeicher eine bislang unbekannte Flexibilität im Hinblick auf den Analyse-Blickwinkel. Aus dem Tagesgeschäft heraus können die Fragestellungen somit jederzeit per Hinzufügen oder Kennzahlen beliebig variiert werden. Erst so wird eine echte Interaktion mit aktuellen Daten aus den operativen Prozessen möglich. Und das wiederum ist eine elementare Voraussetzung dafür, dass Unternehmen ihre Prozesse proaktiv steuern und optimieren können.

Diese Fortschritte in Sachen Schnelligkeit und Flexibilität basieren auf verschiedenen technischen Innovationen. Zum einen auf 64-Bit-Plattformen und die erweiterte Adressierung des Arbeitsspeichers – das ermöglicht Analysen, Berechnungen und logische Verknüpfungen jeder Größenordnung im Moment der Datenabfrage bis hin zu mehreren Milliarden Datensätzen bis auf Transaktionsebene in ein- und derselben Anwendung. Zum anderen erlauben neueste Verfahren extrem hohe Laderaten von mehreren Millionen Datensätzen pro Sekunde, da sie die Daten nur noch inkrementell laden. Nach dem Laden kommen intelligente Rechenalgorithmen respektive statistische Funktionen zum Zuge, mit denen die Metadaten extrahiert und in separaten Dateien gespeichert werden. Dabei werden alle Redundanzen ausgemerzt. Die originalen Daten legt das BI-System anschließend in einer assoziativen Datenbank im Arbeitsspeicher in stark komprimierter Form ab.

Qlikview integriert, verknüpft und analysiert Daten aus nahezu allen üblichen Formaten. Unter anderem gilt das für Daten aus ERP-Systemen wie etwa SAP oder Navision, Datenbanken wie Oracle, AS/400 oder Access und anderen Quellen wie Excel-Tabellen oder dem Internet. Zusätzliche ETL-Werkzeuge (Extract, Transform, Load) oder Data Warehouses sind nicht erforderlich, lassen sich aber flexibel in die Analysen einbeziehen, falls sie bereits vorhanden sind.

Keine Datenmodellierung notwendig

Ein weiterer Vorteil moderner BI-Werkzeuge ist, dass die Daten, egal woher sie geladen werden, vorher nicht zeitraubend aufbereitet werden. Konventionelle Systeme arbeiteten dagegen häufig mit aggregierten Datenbeständen und Cubes, die eine aufwändige Modellierung und Definition aller Dimensionen und Hierarchien voraussetzen. Aufgaben, bei denen sowohl das Management als auch die Fachabteilungen in aller Regel auf die Hilfe der IT-Experten angewiesen waren.

IT-Leiter Hohl, der in der Zwischenzeit das ganze Unternehmen auf das Analyse- und Reporting-Tool auf die neue BI-Software umgestellt hat, erklärt nicht ohne Stolz: »Wir unterscheiden zwischen historischen und aktuellen Daten. Die historischen Daten sind unsere Statistiken, Fertigungs- und Vertriebskennzahlen, die aktuellen die Auftragseingangs-, Auftragsbestands- und Produktionsdaten.« Im Vertrieb können sie heute sehr genau sagen, welcher Kunde mit welchen Modellen wie viel Umsatz mache oder welche Modelle in welchen Ländern besonders gut laufen. Alle Daten werden grafisch dargestellt, mit so genannten Temperaturmessern, intern auch ›Fieberkurve‹ genannt.

Fertigungs-Komplexitätsanalysen

Modernes Supply Chain Management bedingt eine sehr hohe Datentransparenz, von der Kundenbestellung bis zur Auslieferung. Diese Transparenz wird heute weitestgehend BI-Programm unterstützt. Der Auftragseingang wird bis in die kleinste Zeiteinheit und bis zur letzten Schraube aufgelöst; die Ergebnisse werden dann der Beschaffungs- und Fertigungslogistik zur Planung ihrer Prozesse zur Verfügung gestellt. Faszinierend sei für ihn, dass er sich anschauen könne, wie die Auftragseingänge die Fertigungssysteme belegen, welche Arbeitssysteme ausgelastet seien oder nicht: »Wir steuern unser gesamtes Kapazitätsmanagement mit der BI-Software. Die Produktionsdaten geben mir halbstündlich Auskunft über den Stand der Dinge. 125.000 Werksaufträge pro Tag werden abgearbeitet, täglich werden Millionen von Datensätzen analysiert. Qlikview sagt mir, welche Kommoden gerade produziert werden, zu wie viel Prozent die Tagesproduktion abgearbeitet ist, wie viele Colli für den LKW bereits fertig sind und wann dieser beladen werden kann. Die Transparenz, die wir heute in allen Bereichen haben, ist einzigartig.« Außerdem könne man Fertigungs-Komplexitätsanalysen durchführen, so Hohl: »Ich kann feststellen, über welche Arbeitssysteme die Möbel produziert werden und wie viel Zeit die Mitarbeiter dafür benötigen, da sehen wir auch gleich, wie produktiv wir eigentlich arbeiten«. Die Software führe die Daten aus den unterschiedlichsten Systemen und Datenbanken zusammen, auch für Soll/Ist-Vergleiche. Das Ganze geschehe ohne hohen Programmieraufwand. »Früher brauchten wir dafür aufwendige Query-Abfragen. Heute kann jeder berechtigte Anwender selbst die Analysen per Knopfdruck aufrufen und bei Bedarf auch alle Analyseinformationen einfach nach Excel laden und dort weiterbearbeiten.« Alle Applikationen werden bei Nolte zentral erstellt und den Anwendern über ein Portal verfügbar gemacht. Die Sicht auf die Daten wird hierbei individuell auf jeden einzelnen Anwender abgestimmt. »Qlikview ist bei uns zum Synonym für statistische Auswertungen und Transparenz geworden; im Vergleich zu früher sind wir mit unseren Analysen um mindestens 50 Prozent schneller«. Und noch etwas sei klar geworden: »Wir haben uns früher immer gefragt, ob wir wirklich so gut sind, wie wir glauben. Die Antwort auf diese Frage ist heute eindeutig«, resümiert Hohl. Und schmunzelt. -sg-

QlikTech GmbH, Düsseldorf Tel. 0211/58668-0, http://www.Qlikview.com

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