Scope Online - Industriemagazin für Produktion und Technik
Sie befinden sich hier:
Home> Märkte + Unternehmen> Das Porträt> Werkzeug aus Tradition

WerkzeugeWerkzeug aus Tradition

In der Zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts schießen in Deutschland Unternehmen wie Pilze aus dem Boden. Eins davon ist die 1862 von Eduard Wille gegründete Gesenkschmiede. 2012 feiert der bergische Werkzeughersteller sein 150-jähriges Jubiläum. Der Name Stahlwille steht heute weltweit für hochwertige Schraubwerkzeuge und intelligente Drehmomenttechnik "Made in Germany".
sep
sep
sep
sep
Werkzeuge: Werkzeug aus Tradition

Seine Werkzeuge waren noch Hammer, Amboss, kleine Zangen und vor allen Dingen der sogenannte Nagelstock. Eduard Wille ging einem heute nahezu ausgestorbenen Handwerk nach. Er stellte Eisennägel her und war von Beruf Nagelschmied. Im Alter von gerade mal 25 Jahren beschloß er, sich selbständig zu machen. In Cronenberg (heute Wuppertal) gründete er 1862 eine Gesenkschmiede und spezialisierte sich bald auf die Herstellung von Werkzeugen aus geschmiedetem Stahl. Der Zeitpunkt der Firmengründung war außerordentlich günstig, denn in den territorialen Grenzen des damaligen Deutschen Bundes boomte die Industrie – ausgelöst und gefördert unter anderem durch den florierenden Eisenbahnbau.

Anzeige

Eduard Wille nutzt die rasante technische Entwicklung für sein Unternehmen. Überall werden Werkzeuge gebraucht – sei es für den Bau von Motoren, für die industrielle Herstellung von Aluminium oder die Fabrikation von Fahrrädern. Zur Jahrhundertwende gehört das Unternehmen zu den führenden Werkzeugherstellern Deutschlands, und Eduard Wille zieht sich mit 62 Jahren aus dem operativen Geschäft zurück. 1899 wird das Unternehmen als offene Handelsgesellschaft ins Handelsregister eingetragen und von seinen Söhnen Emil und Eduard übernommen. Wie umfangreich das Programm 1901 bereits war, zeigt ein 290-seitiger Katalog mit 150 Artikelgruppen. Als Schwerpunkte werden dort Werkzeuge für den Maschinen-, Schiffs- und Wagenbau, für Reparatur, Schlosserei und Schmiede genannt. Bereits damals wurden 80 Prozent der Produkte exportiert.

Bewegende Jahre

Die Jahre von 1912 bis 1945 sind von einem ständigen Auf und Ab geprägt: 1912 stirbt der Firmengründer, 1920 folgt ihm sein Sohn Emil. Bis 1914 wächst die Belegschaft der Eduard Wille oHG auf circa 500 Mitarbeiter. Doch der Ausbruch des Ersten Weltkrieges beendet schlagartig das Exportgeschäft. Das Unternehmen muss riesige Verluste hinnehmen. Nach dem Tod von Emil Wille firmiert das Unternehmen als Kommanditgesellschaft.

In den Folgejahren hinterlassen massive Arbeits- und Lohnkämpfe, die Besetzung des Ruhrgebietes durch die Siegermacht Frankreich und die Weltwirtschaftskrise deutliche Spuren. Trotz zeitweiliger Schließung wird das Unternehmen jedoch fortgeführt und beschäftigt 1938 wieder 410 Mitarbeiter, nachdem ihre Zahl 1933 auf 110 gesunken war.
Eduard und Waldemar Wille, die Enkel des Firmengründers, übernehmen dann 1938 das Unternehmen in dritter Generation. Unter ihrer Leitung wird die Entwicklung neuer Produkte vorangetrieben, so dass Stahlwille seinen Ruf als innovativer Werkzeugspezialist in Europa und auch in Übersee festigen kann.

Doch der Aufschwung ist nur von kurzer Dauer. Denn der Zweite Weltkrieg bringt unendliches Leid über Europa. Kurz vor Kriegsende nehmen die Alliierten auch den Wuppertaler Stadtbezirk Cronenberg unter Beschuss und zerstören einen Großteil der Firmengebäude. Wichtige Anlagenteile sollen nach Thüringen ausgelagert werden, gehen aber beim Transport verloren.

Die Bilanz bei Kriegsende ist geradezu verheerend: 64 Mitarbeiter sind gefallen und die Gebäude weitgehend zerstört. Der Überlebensdrang des Unternehmens ist jedoch stärker als alle Verluste. Nachdem Stahlwille – der Markenname wird inzwischen als Synonym für den Firmennamen gebraucht – von der Demontageliste der Alliierten gestrichen wurde, wird das Produktprogramm erweitert, erste Exporte gehen in die Niederlande, ein neuer Katalog und Verkaufshilfen unterstützen den Vertrieb, eine neue Lagerhalle wird gebaut. Auf der Hannover-Messe 1959 erläutert Waldemar Wille Wirtschaftsminister Ludwig Erhard die Vorteile von Stahlwille-Werkzeug (großes Bild).
Nach dem Tod des Enkels Waldemar wird Stahlwille in eine Familiengesellschaft umgewandelt, von einem externen Management geleitet und von einem Beirat kontrolliert. Die offizielle Firmierung: Eduard Wille GmbH & Co. KG.

Unbeeindruckt vom Wechsel der Eigentumsverhältnisse expandiert das Unternehmen weiter: 1963 entsteht ein neues Verwaltungsgebäude; 1980/81 folgt der Bau einer neuen Produktionshalle. Entsprechend den weltweiten Veränderungen des Marktes formiert sich seit Anfang der 90er Jahren die Stahlwille-Gruppe. Im Jahre 1991 wird die R. Jung Zangenfabrik aus Dierdorf übernommen. Es folgen 1999 Bertool aus Emmerich, 2001 VBW Werkzeuge und 2002 Alarm Werkzeuge, beide aus Remscheid. 1996 eröffnet Stahlwille in Steinbach-Hallenberg die SMW Werkzeugfabrik.

Gut aufgestellt

Für die Zukunft ist das Unternehmen gut aufgestellt: Die Werkzeuge aus Wuppertal sind in über 100 Ländern im Einsatz, in allen Branchen, in denen geschmiedete Präzision aus Deutschland gefragt ist. Das aktuelle Portfolio umfasst mehr als 4.000 Artikel. Der Schwerpunkt liegt auf hochwertigen Schraubwerkzeugen und intelligenter Drehmomenttechnik. In den Kernmärkten Automotive, Aerospace, Energie und Industrie hat längst die Elektronik in den Werkzeugen Einzug gehalten. Hier ist das Unternehmen einer der führenden Anbieter. 14 Tochtergesellschaften sorgen weltweit für den Vertrieb von circa 4.000 Produkten. Der aktuelle Katalog liegt in 14 Sprachen vor und kann online in der jeweiligen Landessprache genutzt werden. Am Stammsitz in Wuppertal arbeiten derzeit über 300 Mitarbeiter; weltweit sind es rund 650 Beschäftigte.

Als Nachweis seiner Kompetenz im Drehmomentbereich erhält das Kalibrierlabor bereits 1997 die Akkreditierung des Deutschen Kalibrierdienstes für den Messbereich Drehmoment. Im November 2011 wird die Akkreditierung entsprechend den neuen europäischen Richtlinien durch die Deutsche Akkreditierungsstelle bestätigt. Eine weitere Stärke: Die gesamte Gruppe konstruiert und fertigt sämtliche Produkte in Deutschland. ee

Anzeige
Diesen Artikel …
sep
sep
sep
sep
sep

Weitere Beiträge zum Thema

Wiha Wilhelm Hahn

Wiha und der iF Design AwardSeit 25 Jahren regelmäßig ausgezeichnet

Seit 1992 wird Wiha regelmäßig mit dem iF Design Award für seine Werkzeug-Innovationen ausgezeichnet. Aktuell wurde das Unternehmen für seinen Magazin-Bithalter LiftUp 26one gekürt.

…mehr

Digitalisierungskompetenz stärkenHoffmann SE übernimmt Contorion

Hoffmann SE und Contorion haben einen Vertrag zur Übernahme von Contorion durch Hoffmann unterzeichnet.

…mehr
Optisches Messsystem

MesssystemeAutomatisierte Vermessung

Das Jenaer High-Tech-Unternehmen Confovis hat ein neues optisches Messsystem zur schnellen und automatisierten Vermessung von Werkzeugen und Mikro-Komponenten im Programm.

…mehr
Hochregallager bei Hahn+Kolb

Jahresergebnis 2016Hahn+Kolb setzt weiter auf Digitalisierung

Der Werkzeug-Dienstleister und Systemlieferant Hahn+Kolb erzielte im abgelaufenen Jahr 2016 ein Wachstum von 5,8 Prozent und steigerte den Umsatz auf 251 Millionen Euro.

…mehr
Wiha-Taschenlampe für Profis

Mit LED, Laser & UV-LichtWiha-Taschenlampe für Profis

Es werde Licht… Dachte sich Wiha nach ausführlichen Markt- und Bedarfsanalysen und präsentiert dem Handwerkzeugmarkt die neue Wiha Taschenlampe. Mit praktischen Funktionen ausgestattet – sehr starke LED-Leuchte mit zwei Leuchtstufen, Laser & UV-Licht - bietet das neue Handwerkzeug verschiedene Anwendungsmöglichkeiten.

…mehr

Neue Stellenanzeigen