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Diamant-WerkzeugVom Geschmeide zum Werkzeug

In den Goldenen Zwanzigern, genauer gesagt 1922, gründete Jakob Lach eine Schleiferei für Diamanten mit Brillantschliff. 90 Jahre später ist das Familienunternehmen nicht mehr mit dem Schmuckköfferchen unterwegs. Seine Hauptmessen heißen jetzt AMB, EMO und Euromold und präsentiert werden Diamant-Werkzeuge für die wirtschaftliche PKD-Zerspanung. Wie es dazu kam, beschreibt dieses Porträt.

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Diamant-Werkzeug: Vom Geschmeide zum Werkzeug

Die Goldenen Zwanziger brachten eine Revolution in Gange. Jedenfalls was die Mode der Damenwelt betraf: Der Garconne-Stil wurde erfunden, dessen Ideal die herbe Schönheit einer Greta Garbo oder einer Marlene Dietrich war. Das Gegenbild bot Anita Loos, die erste bedeutende Drehbuchautorin Hollywoods. 1926 entstand ihre Erzählung „Gentleman prefer Blondes“, uns bestens bekannt durch die gleichnamige Verfilmung im Jahr 1953 mit Marilyn Monroe in der Hauptrolle. Der Filmhit „Diamonds are a girls best friend“ wird noch heute beim Stichwort Diamant-Werkzeug auch in unserer SCOPE gerne angeführt. Und wirklich startete einer der führenden Diamant-Werkzeug-Hersteller als Werkstätte für das Schleifen von Diamanten zu Brillanten: Lach Diamant.

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Als Jakob Lach im Jahre 1922 das gleichnamige Unternehmen im hessischen Hanau gründete, hätte er sich nicht träumen lassen, dass dieses Unternehmen eines Tages weltweit als Pionier für die Entwicklung und Herstellung von Diamant-Werkzeugen stehen würde. Dabei wurden die Weichen weg vom Schmuckstein hin zum Industrie-Diamanten – einem Diamant-Werkzeug – schon früh gestellt. Mitte der 30er Jahre kam Jakob Lach nämlich über Kompensationsgeschäfte zu Industrie-Diamanten. Um deren Verkauf zu forcieren, gründete er seinerzeit die Firma „Deutscher Industrie-Diamanten-Vertrieb Jakob Lach“, die bis zum Ausbruch des 2. Weltkrieges im deutschen Maschinenbau-Dreieck Leipzig – Magdeburg – Chemnitz, im heutigen Hessen und im Saargebiet mit eigenen Vertriebsleuten tätig war. Noch heute bekannte Firmen wie AEG, BMW, Index-Werke, Junkers Motorenbau, Kugelfischer, Opel, Waldrich, Carl Zeiss und mehr gehörten damals zum Kundenkreis. Bis zum Beginn des 2. Weltkrieges wurden 600 Diamant-Schleifer beschäftigt. 300 in Eigenbetrieben in Hanau und Umgebung sowie 300 in Betrieben entlang des Kinzigtales, im Odenwald, in der Pfalz bis nach Idar-Oberstein.

Die Nachkriegszeit brachte die Schmuckdiamant-Schleiferei in Hanau und ganz Deutschland auch durch die neue starke D-Mark zum Erliegen. Mitte der 50er Jahre begann Jakob Lach – nunmehr bereits über 60 Jahre alt – den Geschäftszweig Industriediamanten – Diamant als Werkzeug – neu zu beleben. Am 1. Oktober 1960 kam sein Sohn Horst Lach, ein ausgebildeter Industriekaufmann, um ihm bei der Verwirklichung des heutigen Namens Lach Diamant zu assistieren.

Die Welt des Diamanten und der für die Industrie zur Bearbeitung und weiterer Innovation bereitstehenden Materialien war im Umbruch. Allein der 1957 von General Electric erstmals hergestellte synthetische Diamant – Man-Made – menschgemachter Diamant – schuf eine Quelle der Fantasien und Möglichkeiten, die bis heute noch nicht ausgeschöpft ist. Der Zeitraffer zeigt viele Entwicklungen und Technologien, die der Diamant als präzises Arbeitsmittel beflügelte und erst möglich machte: Der erste Sputnik und die Raumfahrt, die heutige Luftfahrt-, Automobil- und Kommunikations-Technik, Haus- und Straßenbau, Möbelindustrie, um nur einige herauszugreifen. Diamanten haben unser Leben verändert. Das Unternehmen aus Hanau hat – global gesehen – daran einen großen Anteil.

1973 präsentierte Lach Diamant auf der Hannover Messe zum ersten Mal Werkzeuge, die auf dem von General Electric erstmals zur Verfügung gestellten polykristallinen synthetischen Diamanten basierten. Auf der damals erstmals stattfindenden Productronica 1977 demonstrierte das Unternehmen als Weltneuheit Werkzeuge zum Trennen, Fräsen, Ritzen von glasfaserverstärktem Material für die Leiterplattenherstellung. Ein Jahr später entdeckten die Entwickler die Funken-Elektro-Erosion für die Bearbeitung und Formen von PKD. Sie sollte die wirtschaftliche Herstellung umlaufender PKD-Werkzeuge wie Fräser, Sägen und Bohrer unter anderem für die Holzwerkstoff- und Kunststoff-Industrie möglich machen. Für das Hanauer Unternehmen war dies übrigens auch der Moment, mit dem Bau von auf dieser Grundlage entwickelten so genannten EDG-Rotations-Schleifmaschinen (EDG = Electrical Discharge Grinding) für Eigenbedarf und Know-how-Transfer zu beginnen. Ohne die Entdeckung dieser neuen Technologie wären die folgenden schnellen Entwicklungssprünge in der Möbel- und Kunststoff-, Holz-Industrie bis hin zur GFK - CFK-Bearbeitung in der Flugzeug-Industrie und im Bau von Windkraftanlagen nicht denkbar gewesen. Gleiches gilt für die Automobilindustrie bei der Präsentation von immer mehr Kraftstoff sparenden und umweltfreundlicheren Motoren und Antrieben - ein Erfolg der Präzision durch Diamant bei der Bearbeitung von Leichtmetallen - wie Aluminium.

Heiße Wirkzone

Im 90. Jahr nach der Firmengründung fertigt das Unternehmen seine Werkzeuge mit mehr als 150 Mitarbeitern im Stammhaus Hanau und dem Zweigwerk in Lichtenau bei Chemnitz sowie, autark für den amerikanischen Markt, in Grand Rapids/MI. Das Familienunternehmen unter der Leitung von Horst Lach und seinem Sohn Robert erzielte im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben einen Umsatz von 16 Millionen Euro. Es hat etwa 100 Patente.
Die jüngste Neuentwicklung der Hanauer heißt Cool Injection. Sie sig- nalisiert neue Strategien für die wirtschaftlichere PKD-Zerspanung – nicht nur von NE-Metallen, sondern auch von Gusswerkstoffen, Sonderlegierungen, zum Beispiel auf Nickelbasis, und selbst von Titan. Die Mündungsöffnung des Kühlmittelstrahles befindet sich direkt in der PKD-Spanfläche. Die sogenannte „heiße Wirkzone“ wird so mit Hilfe des neuen Prinzips direkt erreicht. Der gerade entstehende „thermoplastische“ Span erstarrt und bricht vor dem ersten Kontakt mit dem Bauteil – ein idealer Spanbrecher. Die Spanfläche der PKD-Schneide bleibt gleitfähig und sorgt somit für optimale Spanabfuhr. Die PKD-Schneide selbst wird bei der Zerspanung von Aluminium und Einsatz traditioneller Kühlmittelemulsionen – auch MMS – weitestgehend unter der für Diamanten kritischen Temperatur von 720°C gehalten. Evelin Eitelmann

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