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Technische BürstenAllzeit frisch gebürstet

Im Laufe seiner inzwischen 96-jährigen Firmengeschichte hat sich Kullen zu einem international agierenden Unternehmen mit Präsenzen in England, Asien und der Tschechischen Republik entwickelt. Der Bürsten-Hersteller beschäftigt heute über 500 Mitarbeiter und zählt zu den technischen Vorreitern der Branche.

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Das Porträt: Allzeit frisch gebürstet

Im gleichen Jahr, in dem in Essen die Handelsgruppe Aldi und in München die Rapp Motorenwerke (Vorläufer von BMW) ihren Betrieb aufnahmen, gründeten Paul Kullen und Wilhelm Epp in Reutlingen die Württembergische Bürsten- und Pinsel-Fabrik. Das war am 27. Februar 1913. Aus dem damaligen Fabrikanten handeingezogener und gepeschter Bürsten und Besen entstand im Laufe der Jahrzehnte einer der modernsten Produzenten technischer Bürsten: Die Firma Kullen zählt heute zu den führenden Herstellern auf diesem Gebiet - und sicher auch zu den Innovativen der Branche. Die ersten großen Sprünge macht das Unternehmen in der Zeit der Weimarer Republik: Die Fabrik wird erweitert, neue Bürstenstanzmaschinen kommen zum Einsatz, man präsentiert sich auf der Industriemesse in Leipzig, erste Patente für besondere Produktionstechniken werden angemeldet und der Export springt an. Ende der 1920er beginnt sich Paul Kullen - Wilhelm Epp war mittlerweile aus dem Unternehmen ausgeschieden - zu spezialisieren auf Maschinen-, Industrie- und Walzenbürsten. Anfang der 1930er beginnt die Spiralbürsten-Produktion. In diesem Zusammenhang erfolgen weitere Patentanmeldungen. Heinz Kullen, der Sohn des Firmengründers, steigt 1934 in die Firma ein, und in Schillingsfürst entsteht ein Zweigwerk für die Herstellung von Wagenwaschbürsten und Pferdekardätschen.

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Patente zeugen von Innovationskraft

Während er Kriegsjahre 1940 bis 1945 läuft die Produktion unter schwierigen Verhältnissen und unter dem Diktat von Gleichschaltung und Kriegswirtschaft. 1945 steht für den Neubeginn und - trotz Rohstoffknappheit und Zonengrenzen - für langsames Wiederanlaufen der Geschäfte. Fünf Jahre später wird das Patent für die noch heute angebotene Spiralbürste erteilt. Das Unternehmen liefert die erste Waschanlage für die Deutsche Bundesbahn. Firmengründer Paul Kullen stirbt 1954; sein Sohn Heinz verunglückt 1956 bei einem Autounfall tödlich. Dessen Frau Anneliese übernimmt die Leitung des Unternehmens und setzt Ernst Friedrich als Geschäftsführer ein. Die Fertigung wird ausgebaut, neue Zweigwerke entstehen; 1962 beschäftigt Kullen 240 Menschen. Die folgenden Jahre sind geprägt von einem starken Modernisierungsschub und einem massiven Ausbau des Produktprogramms, wobei die Werkzeugbürsten großen Raum einnehmen. 1970 entsteht die Kullen & Mez Verkaufsunion und 1975/76 wird die Produktion zentral in einem großen Neubau in Reutlingen zusammen gefasst; etwa zeitgleich erfolgt die Gründung einer Tochterfirma in England. Ebenfalls in diese Zeit fällt die Installation der ersten Bildschirme in Verbindung mit einer EDV-Anlage - damit gehört Kullen zu den Pionieren auf diesem Gebiet. Gegen Ende der 1970er Jahre übernimmt Dennis L. Hickmann die Geschäftsführung des Unternehmens. Die Produktion wird weiter modernisiert, die Innovationstätigkeit intensiviert, der Verkauf neu strukturiert. Kullen & Mez konzentriert sich nun voll auf die Herstellung technischer Bürsten und erweitert bis 1980 das Produktsortiment auf etwa 55.000 Bürstentypen. Als weiterer Geschäftsführer nimmt Dieter Kullen 1983 seine Arbeit auf; ab 1984 leitet er das Unternehmen alleine. Unter seiner Führung erhöht Kullen & Mez die internationale Messepräsenz, entwickelt sich zum bedeutensten europäischen Bürsten-Hersteller und kann gegen Ende der 80er-Jahre 75.000 verschiedenen Bürsten-Typen anbieten.

Fuß gefasst in Asien

Nach der weiteren Expansion und dem Erwerb der englischen Kleeneze Sealtech Ltd. scheidet die Gesellschaftergruppe Mez 1991 aus dem Unternehmen aus. Bald darauf werden Großkunden nach Just-in-Time-Kriterien beliefert und Kullen engagiert sich mit einem Joint Venture in China. Zu dieser Zeit besteht das Produktprogramm aus über 100.000 Bürsten-Typen. 1998 entsteht in Reutlingen ein neues Logistikzentrum. Ein Jahr später entfällt ¿Mez¿ aus der Firmierung und die neue Kullen GmbH und Co. KG gibt sich ein neues Erscheinungsbild (die Bürstenauswahl liegt inzwischen bei 130.000 Typen). Zur gleichen Zeit bringt das Unternehmen erstmals neben dem gedruckten Produktkatalog eine CD-ROM auf den Markt, die bereits mit moderner Webtechnologie umgesetzt wurde. Sie enthält weiterführende Produktinfos und Erklärungen zu Besatzmaterialien. Der Internetbrowser genügt, um die CD zu betrachten, und mit Hilfe eines ausgefüllten Formulars können Anfragen an das Unternehmen gestellt werden. Ins 21. Jahrhundert startet Kullen mit der Eröffnung einer Dependance in der Tschechischen Republik und der Eingliederung der HK-Entgrattechnik. 2003 wird ein neuer Online-Katalog frei geschaltet, 2006 führt man SAP ein und 2007 wird der Neubau des Tochterunternehmens in China eingeweiht. Derzeit beschäftigt Kullen über 500 Mitarbeiter und vertreibt mehr als 141.000 Bürstentypen in 74 Länder. Die Kullen-Geschichte ist ein Paradebeispiel für den gelungenen Wandel einer handwerklich geprägten Manufaktur zum einem international aufgestellten Industrieunternehmen. Neben einem breiten Produktspektrum kann das Unternehmen heute mit moderner Technologie im Bereich der Produktkommunikation bei seinen Kunden und Interessenten punkten. Michael Stöcker

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