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KompressorenLuftige Chancen genutzt

Luft komprimierten die ersten Boge-Maschinen bereits Anfang des letzten Jahrhunderts – in Ottomotoren für die eigenen Motorräder. Inzwischen ist das Bielefelder Familienunternehmen einer der führenden Kompressorenhersteller am Markt. Chefredakteur Hajo Stotz beschreibt die spannende Firmengeschichte.
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Kompressoren: Luftige Chancen                  genutzt

Was haben Motorräder, Türschliesser, Drehmaschinen und Kompressoren gemeinsam? Mit diesen und noch einer ganzen Reihe weiterer technischer Produkte hat sich Otto Boge im Lauf seiner Karriere intensiv beschäftigt. Boge, geboren 1878 als jüngster von fünf Söhnen, lernt in Bielefeld zunächst den Beruf des Schlossers bei dem Drehmaschinenhersteller Gildemeister. Mit seinem Bruder Adolf Boge entwickelt er nebenbei Zylinder- und Sicherheitsschlösser. Der Bruder macht sich 1903 mit der Firma BKS selbstständig. Otto Boge folgt seinem Beispiel und meldet am 7. November 1907 sein eigenes Unternehmen an

Es ist heute einer der führenden Kompressoren-Hersteller und weltweit aktiv. Zur Gruppe gehören Gesellschaften in USA, China, Singapur, Benelux, Großbritannien, Italien und Spanien. Mit 550 Mitarbeitern erzielt Boge einen Umsatz von rund 100 Mio. Euro. Dabei steht die gesamte Druckluftversorgung im Zentrum der Aktivitäten: Druckluftsystemlösungen und Services ergänzen die Produktion von Kolben-, Schrauben- und Turbokompressoren.

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Doch der Weg dahin verlief weder geradlinig noch frei von Umbrüchen. Nach einem erfolgreichen Start als Handelsunternehmen, wobei Otto Boge zunächst die Produkte seines Bruders vertreibt, beginnt er nach dem ersten Weltkrieg mit der Herstellung eigener Produkte. 1922 startet er mit der Produktion von Motoren und kompletten Motorrädern: „Ich will mit der neuen Motorradtype an die Spitze der deutschen Fabrikate“, schreibt er seinem Bruder selbstbewusst. Im Sommer 1924 beschäftigt das Unternehmen bereits über 120 Mitarbeiter. Doch trotz hochgelobter Qualität der Maschinen rutscht das Unternehmen in die Existenzkrise, als der Motorrad-Markt 1925 schlagartig einbricht, und Boge gerät in Zahlungsschwierigkeiten. Mit knapper Not gelingt es, den Konkurs abzuwenden, die Motorrad-Produktion wird 1926 eingestellt.

Stattdessen wird – zunächst in Lizenz – die Fertigung eines Produktes aufgenommen, das den bis dahin produzierten Motoren technisch sehr ähnlich ist und für die Produktionsumstellung keine hohe Hürde darstellt: Kolbenkompressoren.

Vor allem im Hinblick auf die starke Zunahme des Kfz-Bestandes in den 20-er Jahren um jährlich etwa 26 Prozent und die damit verbundene Entstehung des Tankstellennetzes seit 1922 ist das eine weitblickende Entscheidung von Otto Boge und seinem Schwiegersohn Ernst Thomas, der inzwischen im Unternehmen die kaufmännische Verantwortung trägt. Seit 1925 sind zudem Vollgummireifen verboten, die Autowerkstätten und Tankstellen brauchen also Druckluft, um Reifen aufzupumpen.

Ab 1927 werden bereits eigene, sogenannte Kraftluftpumpen gebaut: die Modelle Egob und Schnelldienst. Damit ist der richtige Weg gewählt. Trotz Weltwirtschaftkrise steigen die Umsätze stetig an, Mitarbeiterzahl und Händlernetz werden ausgebaut.

Nach Otto Boge´s Tod 1937 führt sein Schwiegersohn Ernst Thomas das Unternehmen durch zweiten Weltkrieg und Wiederaufbauphase erfolgreich weiter und übergibt ab Mitte der 60er Jahre das Boge-Ruder schrittweise an Wolfgang Meier-Scheuven, den Enkel Otto Boges.

Unter ihm fällt Anfang der 70er-Jahre die Entscheidung, Bielefeld zu verlassen. Denn trotz seines jahrelangen Drängens sieht sich die Stadt nicht in der Lage, dem expandierenden Unternehmen einen entsprechenden Standort zur Verfügung zu stellen. Im angrenzenden Jöllenbeck wird er dagegen sofort fündig. 1973 wird dort der Grundstein für den neuen Standort gelegt. Dass Boge letztendlich der Stadt Bielefeld doch erhalten bleibt, verdankt diese der Gemeindereform: Kaum ist Boge umgezogen, wird Jöllenbeck eingemeindet.

Auch auf technischem Gebiet stellen die 70er-Jahre einen Meilenstein für Boge dar: 1973 wird der erste Schraubenverdichter vorgestellt. Im Gegensatz zu Kolbenkompressoren, wo die Luft im Zylinder verdichtet wird, beruht das Prinzip von Schraubenkompressoren auf zwei gegenläufig arbeitenden, schraubenförmigen Drehkolben. Heute sind die weitaus meisten der Boge-Kompressoren Schraubenverdichter.

1995 folgt Wolf D. Meier-Scheuven seinem Vater in der Unternehmensleitung nach. Mit dem Finanzfachmann Rolf Struppek holt er sich 1996 Verstärkung an die Spitze. Das gemeinsame Ziel des Führungsduos: kontrolliertes Wachstum durch Innovationen, Qualität, Marktstrategie und Ausbau des Auslandsgeschäftes. 1999 wird eine Niederlassung in China eingerichtet, seit 2004 gibt es dort auch eine Produktionsstätte. In den USA und Singapur sind die Druckluftspezialisten ebenfalls vor Ort, in Australien seit 2006. Im Jubiläumsjahr 2007 kommen Indien und Russland hinzu. Sind es 1995 rund 25 Prozent, so erzielt das Unternehmen, das noch immer in den Händen der Nachkommen von Otto Boge liegt, inzwischen 60 Prozent des Umsatzes im Ausland. Und wenn es nach seinem Ur-Enkel geht, könnten es bald 70 Prozent sein. Wolf D. Meier-Scheuven resümiert anlässlich des Jubiläums: „Auch mit 100 Jahren sind wir ein agiles mittelständisches Familienunternehmen. Unsere Philosophie ist seit Jahrzehnten dieselbe: Verlässlichkeit der technischen Lösungen, konsequente Kundenorientierung und persönliche Beziehungen zu den Kunden. Das hat uns zu einem der führenden Unternehmen der Branche gemacht.“ hs

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