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Automatisierung, UmformtechnikPionier der Globalisierung

Der Göppinger Pressen-Hersteller Schuler gilt seit vielen Jahrzehnten als Technologie- und Weltmarktführer in der Umformtechnik. Das Unternehmen liefert Maschinen, Anlagen, Werkzeuge, Verfahrens-Know-how und Dienstleistungen für alle Metall verarbeitenden Branchen. Seine Entwicklung ist ein gutes Stück deutsche Industriegeschichte und führt zurück bis ins Jahr 1839. SCOPE-Redakteur Michael Stöcker fasst die wichtigsten Etappen dieser beeindruckenden Firmenhistorie zusammen.
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Automatisierung: Pionier der Globalisierung

Vier Jahre nachdem in den Grenzen des Deutschen Bundes – einem losen Staatenbund aus 38 Fürstentümern, Herzogtümerchen, König- und Kaiserreichen – die erste Eisenbahnstrecke zwischen Nürnberg und Fürth eingeweiht wurde, erwarb der 25-jährige Schlossermeister Louis Schuler für 1550 Gulden eine Werkstatt in Göppingen. Dieses Ereignis gilt als die Geburtsstunde des Unternehmens Schuler. Es fällt in die Frühphase der industriellen Revolution in Deutschland, in der gewaltige Fabrik- landschaften entstehen, monströse Maschinen ans Werk gehen und Massen von Menschen mehr schlecht als recht in Lohn und Brot stehen. Krupp, Maffei, Borsig, Hanomag, Henschel und Kessler sind mächtige Namen dieser Jahre. In dieser Liga freilich spielt Louis Schuler zunächst noch nicht mit. Doch bereits ab 1845 stehen neben dem Schlosserhandwerk auch die Herstellung von Seilermaschinen und Werkzeugen auf dem Programm des Kleinbetriebs.

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Beeindruckt von den Exponaten der Weltausstellung in London beginnt Schuler nach 1851 mit dem Bau von Maschinen für die Blechbearbeitung. Er trifft damit den Nerv der Zeit. Bis 1871 – dem Gründungsjahr des Deutschen Kaiserreichs von Wilhelm I. und Reichskanzler Bismarck – wächst die Belegschaft auf 70 Mitarbeiter an. Und schon 1879 präsentiert das Unternehmen auf der Nürnberger Fachausstellung für die Blechindustrie als weltweit erster Hersteller Exzenter- und Ziehpressen für Kraftbetriebe. Die Maschinen sind ein durchschlagender Erfolg und das Unternehmen nimmt weiter Fahrt auf. In den Folgejahren produziert man Schraubenpressen, erwirbt Patente für Lochwerke und wird vom Verein deutscher Blecharbeiter für Innovationen auf dem Gebiet der Blechbearbeitung ausgezeichnet. 1884 beschäftigt Schuler 160 Menschen. Im gleichen Jahr wird die Fertigung erweitert und eine eigene Gießerei gebaut.

Danach geht alles Schlag auf Schlag. Weitere Schuler-Werke und Niederlassungen entstehen und das Unternehmen liefert hydraulische Pressen nach China, nach Russland und an das Ottomanische Reich. Auf der Weltausstellung in Paris (1900) präsentiert es die erste Transferpresse der Welt. Ab 1913 übernimmt die dritte Schuler-Generation – Adolf, Paul und Albert – die Geschäftsleitung und 1922 erfolgt die Umfirmierung in L. Schuler AG. Zwei Jahre später liefert das Unternehmen die erste Karosseriepresse für die Massenfertigung an Opel.

Im Jahr 1934 wird der Sohn von Paul Schuler in den Vorstand der AG berufen. Er wird das Unternehmen fast 50 Jahre leiten und sorgt dafür, dass der Pressenbauer nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs schnell wieder Fuß fasst. Schon 1951 zeigt sich Schuler in Paris auf der 1.Europäischen Werkzeugmaschinen-Ausstellung, und 1955 baut das Unternehmen eine Großmontage für Karosseriepressen. Wenige Jahre später (1961) schlägt es einen Kurs ein, den man heute Globalisierung nennt: Rund um die Welt gründet Schuler Tochterfirmen – in Frankreich, England, Brasilien, Spanien, in den USA. Später kommen weitere Standorte in China, Indien, Südamerika und Osteuropa hinzu. Heute hat der Konzern 29 Töchter in 40 Ländern und beschäftigt 5200 Menschen.

Aber noch einmal zurück nach 1983. In diesem Jahr nämlich geht bei Ford in Köln die erste Großteil-Transferpresse von Schuler in Betrieb. Und es dauert nicht allzu lange, bis das Unternehmen 1990 die erste Großteil-Transferpresse mit Saugerbrücken-Transfer auf den Markt bringt. Kurz vor der Jahrtausendwende (1999) geht die Schuler AG an die Börse. Etwa zum gleichen Zeitpunkt steigt man in die Lasertechnik ein. Vier Jahre später erfolgt die Inbetriebnahme der weltweit ersten Compact Crossbar-Transferpresse. Ein weiterer technologischer Meilenstein ist die Markteinführung der ersten Pressenbaureihe mit Servodirekt-Antrieb im Jahr 2007, in dem auch die Übernahme der Müller Weingarten AG erfolgt.

Heute gilt der Schuler Konzern als Technologie- und Weltmarktführer der Umformtechnik. Zu seinem aktuellen Angebot gehören Maschinen, Anlagen und Werkzeuge zur Herstellung von Karosserieteilen, Blechdosen, Senftuben, Duschwannen, Elektroherden und vielem mehr. Wichtige Kunden sind der Automobilbau sowie Energie-, Elektro- und Schmiedeindustrie. Außerdem ist das Unternehmen führend im Münzprägen. Jede Euro-Münze stammt von einer Schuler-Presse.

Die Vorreiterrolle des Unternehmens in der Welt der Umformtechnik begründet sich seit jeher mit hohen Investitionen in Forschung und Entwicklung. „Die traditionsreiche Geschichte von Schuler war immer von der Idee geprägt, Spitzentechnologie höchster Qualität zu entwickeln und herzustellen“, sagt Stefan Klebert, Vorstandsvorsitzender der Schuler AG. Ein Beispiel dafür sind die Servopressen, mit denen sich pro Minute über 20 Prozent mehr Teile fertigen lassen als mit konventionellen Anlagen. Im BMW-Werk Regensburg steht seit 2009 eine der weltweit schnellsten Pressenlinien mit Servodirekt-Technologie. Die Anlage ist 85 Meter lang und besteht aus fünf Servopressen. Ein Platinenlader führt die Blechtafeln zu; Roboter transportieren die Teile zur nächsten Pressenstufe. Die Pressenlinien haben eine Gesamtpresskraft von rund 9.000 Tonnen. In bis zu sechs Arbeitsschritten ziehen, biegen und stanzen die Pressen bis zu 2,5 mm dickes Stahlblech und erreichen einen Durchsatz von rund 600 Tonnen Stahl am Tag.

Und wohin geht die Reise aktuell? Nach dem Rekordjahr 2010/11 spricht die Konzernspitze von einem „glänzenden Ausblick für 2012“. „Die Zeichen für profitables Wachstum stehen auf Grün“, sagt Stefan Klebert. Zugleich zeigt er sich erfreut über die Aufnahme des Unternehmens in den Aktienindex SDax der Deutschen Börse AG

Auf Konzernebene erwartet der Hersteller für das Geschäftsjahr 2011/12 ein Umsatzplus von etwa 15 Prozent auf 1,1 Mrd. Euro. Der Rekordauftragsbestand des Vorjahres (ca. 1,0 Mrd. Euro) und aussichtsreiche Projekte bilden dafür die Grundlage. Ein Abbrechen der Konjunktur sieht Schuler derzeit nicht. Beim operativen Geschäft wird für 2011/12 mit einem Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von etwa 100 Mio. Euro gerechnet. Dies entspricht einer EBITDA-Marge von neun Prozent.

Im abgeschlossenen Geschäftsjahr 2010/11 konnte die Schuler AG das EBITDA-Ergebnis auf über 80 Mio. Euro fast verdreifachen. Die EBITDA-Quote erhöhte sich auf 8,5 Prozent, so die vorläufigen Unternehmenszahlen. Nach einem starken Geschäftsverlauf erreichte der Auftragseingang mit über 1,3 Mrd. Euro einen bislang historischen Rekordwert.

Michael Stöcker

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