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AntriebsystemeKompetenz im Verzahnen

Von der Zahnradtechnik über Antriebssysteme bis hin zu Schneckenradsätzen – das ist das Portfolio von Framo Morat. Ein Unternehmen mit Sitz im Eisenbacher „Gear Valley“ im Hochschwarzwald. Der Beitrag zeigt den erfolgreichen Weg von der Gründung der Stammfirma im Jahre 1863 zu einem der Marktführer in Europa.

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Das Porträt: Kompetenz im Verzahnen

Potzblitz! Nur wenige Firmen, die wir in dieser Rubrik bislang vorgestellt haben, können auf eine Firmentradition von fast 150 Jahren zurückblicken. Framo Morat gehört zu diesem auserwählten Kreis. Der Ursprung des Unternehmens liegt in der Gründung der Stammfirma durch Johann Morat im fernen Jahre 1863. Dessen jüngster Sohn Franz übernahm das Gebäude und gründete 1912 einen eigenständigen Betrieb, die Franz Morat GmbH & Co. KG in Eisenbach.

Eisenbach ist ein Ort im Hochschwarzwald, der auf den ersten Blick durch seine einzigartige Naturlandschaft begeistert. Auf den zweiten Blick erschließt sich eine ebenso einzigartige und über Jahrhunderte gewachsene Industriekultur mit einer Vielzahl mittelständischer Unternehmen; darunter nicht wenige Weltmarktführer und „Hidden Champions“ auf ihrem Gebiet.

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Bereits seit dem 15. Jahrhundert ein Bergwerksort, entwickelte sich Eisenbach im 18. Jahrhundert zu einem blühenden Zentrum der Uhrenindustrie. Diese prägte die gesamte Region über zwei Jahrhunderte hinweg und ebnete den Weg für viele der heute im Eisenbacher „Gear Valley“ ansässigen Hersteller von Feinmechanik, Präzisionsdrehteilen, Antrieben oder Armaturen.

Zurück zur Entwicklung von Framo Morat. Die harten Zeiten während der Kriegsjahre meisterte Franz Morat dank unnachgiebiger Energie und großen Führungsgeschickes mit maßgeblicher Unterstützung seines Sohnes Franz Morat Junior, der in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden wäre. Er begann nach dem Abitur zunächst ein Studium des Maschinenbaus an der Technischen Hochschule in Karlsruhe, brach dann aber ab, um neue Absatzmärkte für das Unternehmen zu erschließen.

In Paris gründete er 1932 die Firma Framex und schon vier Jahre später ein weiteres Unternehmen im Bereich Kfz-Zubehör. Im Sommer 1945 folgte dann die Übernahme der Firma Fritz Hellige & Co. GmbH in Freiburg, einem Hersteller elektromedizinischer Geräte.

Sein Wissen auf dem Gebiet der damals noch jungen Elektronikbranche brachte Franz Morat Junior auf die Idee, diese Technologie auf den Bereich des Maschinenbaus zu übertragen – zweifelsfrei eine Pioniertat. Nach 15-jähriger Entwicklungsarbeit in Kooperation mit dem Ingenieur Dr. Jan Friedrich Tönnies und dem Neurologen Professor Richard Jung, konnte schließlich auf der 4. Internationalen Textilmaschinen-Ausstellung in Hannover die erste vollelektronisch gesteuerte Rundstrickmaschine der Welt, die „Moratronic“, vorgestellt werden. Der weltweite Durchbruch erfolgte vier Jahre später auf den Textilmessen in Basel und Paris.

Der große Erfolg dieser Entwicklung machte es erforderlich, in den Folgejahren ein neues Werk in Bonlanden und in Kenzingen einen Zweigbetrieb zur Herstellung von Fournisseur-Motoren für die Rundstrickmaschinen zu errichten.

Stetig steigende Investitionen, ausgelöst durch die Zunahme der Beschäftigtenzahl und des Umsatzvolumens, waren letztlich nur durch Anlehnung an den Schweizer Maschinenbaukonzern Sulzer möglich. Von dieser Expansion partizipierte auch das Stammhaus in Eisenbach. Das seinem Vetter Josef Morat im Jahre 1948 zur Leitung übergebene Stammwerk wurde zunächst im Jahre 1963 durch ein neues Gebäude vergrößert. Notwendige Erweiterungen erfolgten in den Jahren 1972 und 1985. In dem freigewordenen Altbau gründete Oskar Haberstroh am 01.04.1963 mit seinem Vetter Franz Morat jun. die Kunststoff-Spritzgießerei F. Morat & Co. GmbH, inzwischen zu 100 Prozent die Schwester der Framo Morat GmbH & Co. KG.
Heute, ein Jahr vor dem 100-jährigen Jubiläum, beschäftigt Framo Morat am Standort Eisenbach rund 370 Mitarbeiter auf einer Produktionsfläche von 18.000 m². Die internationale Ausrichtung des Unternehmens wird durch die Gründung des Tochterunternehmens in den Niederlanden im Jahr 2009 sowie zahlreicher weltweiter Vertretungen deutlich.

Das Produktspektrum von Framo Morat lässt sich in drei ineinander greifende Geschäftsfelder gliedern: Das Geschäftsfeld Zahnradtechnik bietet Lösungen für komplexe Bearbeitungsaufgaben: Weichbearbeitung, Härten und Hartbearbeitung – vom Rohteil bis zum Endprodukt – egal ob Außen- oder Innenverzahnungen, gerade-, schräg- oder auch ballig verzahnt. Bekannt ist das Unternehmen außerdem für seine Schneckenradsätze. Hier bietet Framo Morat sowohl eine Normbaureihe als auch kundenspezifische Lösungen an, die mittlerweile deutlich an Bedeutung zunehmen. Mit mehr als 60 Millionen Schneckenradsätzen seit 1952 ist Framo Morat einer der Marktführer in Europa. Je nach Anforderung bestehen sie aus Stahl, Bronze, Hartgewebe oder Kunststoff. Die Durchmesser reichen von 20 bis 250 mm und die Achsabstände von 17 bis 125 mm.

Getriebe aus dem Baukasten

Das dritte Geschäftsfeld sind die Antriebssysteme. Sie umfassen Aufsteck-Getriebemotoren, Hubspindelantriebe und Schubketten, die nach einem Baukastenprinzip individuell dem Anforderungsprofil des Kunden angepasst werden. Darüber hinaus gibt es Antriebslösungen, die nach Kundenanforderungen und Branchenspezifikation entwickelt und konstruiert werden. Das Unternehmen verfügt dazu über einen eigenen Prototypenbau, um die entwickelten Antriebe in Kleinserien zu produzieren sowie in Zusammenarbeit mit dem Kunden zu testen und für die Serienproduktion zu optimieren. Egal in welcher Branche, ob Maschinenbau, Medizin- und Rehagerätetechnik, Automotive oder Regenerative Energietechnik, die Wahrscheinlichkeit, auf Antriebe oder Komponenten von Framo Morat zu treffen, ist sehr hoch.

Von großem Nutzen für die Kunden ist auch die hohe Fertigungstiefe. Denn Arbeitsschritte wie Drehen, Verzahnen, Außenrundschleifen, Profilschleifen, Wälzschleifen, Wälzfräsen und Wälzstoßen werden im eigenen Unternehmen durchgeführt. Darüber hinaus verfügt Framo Morat als einer der wenigen Hersteller über eigene Verfahren zur Wärmebehandlung. st

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