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AntriebselementeStets mit Antrieb

Seit Beginn der Firmengeschichte vor mehr als 80 Jahren ist Atlanta auf die Herstellung von Zahnstangen, Zahnräder sowie Stirnräder spezialisiert. Was mit einem Sechs-Mann-Betrieb begann, wuchs zu einem Weltmarktführer auf dem Gebiet qualitativ hochwertiger Zahnstangen und Systemlieferant für entsprechende Zahnstangentriebe mit Ritzel und spielarmen Getrieben.

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Antriebselemente: Stets mit Antrieb

Es war in der Zeit der Weltwirtschaftskrise 1929, als ein junger schwäbischer Ingenieur mit Mut, Können und Enthusiasmus den Grundstein der heutigen Atlanta Antriebssysteme legte. Eugen Seidenspinner wurde 1903 als viertes Kind eines Stuttgarter Landschaftsgärtners geboren und absolvierte nach einer Mechanikerlehre die Höhere Maschinenbauschule in Esslingen. 1927 trat er als Konstrukteur in das in Heilbronn ansässige Unternehmen Atlanta ein.

1929 gründete Eugen Seidenspinner in wirtschaftlich sehr schwierigen Zeiten die Firma ESCO (Eugen Seidenspinner und Co.) in Ludwigsburg. Mit fünf Mechanikern wurden Zahnräder und Getriebe hergestellt, hauptsächlich für die Motorrad-Industrie. Fleiß und Einfallsreichtum trugen Früchte, bereits im Jahr 1931 war die Zahl der Angestellten auf 15 angestiegen, die Räumlichkeiten wurden zu klein – es erfolgte der Umzug nach Bissingen, wo ein größeres Areal mit Produktions- und Lagergebäude bezogen wurde. 1932 erschien der erste Katalog für ab Lager lieferbare Motorradersatzteile. Um das Miteinander der Betriebsangehörigen zu fördern, wurden Betriebsausflüge veranstaltet (Bild).

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Sein ehemaliger Arbeitgeber überantwortete Eugen Seidenspinner 1933 das Unternehmen Atlanta, das nun mit dem Bissinger Unternehmen zur Atlanta Zahnrad- und Werkzeugfabrik Eugen Seidenspinner verschmolz. Das Produktprogramm erweiterte sich um Höhenanreißinstrumente und Vertikal-Revolverköpfe für Drehbänke. Kundenbesuche des Chefs erfolgten damals zumeist mit dem Motorrad, was nicht immer unproblematisch war. Um einen im wahrsten Sinne des Wortes „sauberen“ Auftritt zu gewährleisten musste die Motorradkleidung dezent draußen ab- und wieder angelegt werden.

Erfinderisch

Mit Beginn des 2. Weltkrieges musste die Produktion auf Flugzeugteile umgestellt werden. 1944 brannte ein Großteil der Fabrik in Bissingen nieder. Auf höhere Weisung sollte die Produktion ins Sudetenland verlagert werden, durch den tatkräftigen und entschlossenen Wiederaufbau in Bissingen konnte dies verhindert werden. Not macht erfinderisch – als 1945 der Krieg beendet war, herrschte praktisch Mangel an allem, insbesondere Rohstoffen für die Wiederaufnahme des ursprünglichen Lieferprogramms. So gehörten zunächst Feuerzeuge, Tabakschneidemaschinen, Handwagen und Radelrutschen zum Produktionsprogramm. Bald nach der Währungsreform 1948 war es dann soweit: Zahn- und Kettenräder für Motorräder der Vorkriegsjahre standen als Ersatzteile wieder auf dem Programm.

1954 wurde der erste Katalog mit genormten Ketten- und Zahnrädern für den allgemeinen Maschinenbau vorgestellt, welche ab Lager lieferbar waren. Der Grundstein für das umfassende Sortiment ab Lager lieferbarer Antriebselemente war gelegt, bis heute umfasst dieses Programm mehr als 7.000 Artikel. Der rasch wachsende Anstieg von Produktion und Umsatz machte 1955 die Errichtung eines neuen Fabrikgebäudes am heutigen Standort Carl-Benz-Straße in Bissingen notwendig, welches bereits 1959 erweitert werden musste. Die Beschäftigtenzahl erreichte die Marke 100.
Eugen Seidenspinner war nicht nur eine im unternehmerischen Sinne bedeutende Persönlichkeit, sondern auch geprägt von Menschlichkeit und Bürgersinn. Die allgemeine Wohnungsnot jener Jahre veranlasste ihn, für wohnungssuchende Mitarbeiter Wohnraum zu schaffen. So entstanden Firmenwohnungen für zwölf Familien.

Das kontinuierliche Wachstum beruht bis heute zu einem wesentlichen Teil auf der Ausweitung des Produktportfolios. So kamen in den 60iger Jahren Schnecken und –wellen hinzu, das erste Norm-Schneckengetriebe im für damalige Verhältnisse revolutionärem Design wurde entwickelt. Der Katalog des Unternehmens wuchs nicht nur mit dem Umfang der Produktpalette, sondern wurde ergänzt durch detaillierte Berechnungs- und Auswahlthemen, die ihn zu einem wichtigen Nachschlagewerk sowohl in Industrie und Handwerk als auch in Lehre an Hochschulen und Universitäten machten.
Als weiteres Standbein entwickelte sich in dieser Zeit die Konstruktion und Fertigung von Sonderteilen nach spezifischem Kundenwunsch. Die Erfahrung in der Fertigung von Normteilen geht dabei einher mit der Entwicklung neuer technischer Lösungen und Fertigungsverfahren. Die notwendige Erweiterung des Maschineparks führte 1970 zu einem weiteren Neubau am Standort Carl-Benz-Straße. 1979 wurde in der Adolf-Heim-Straße mit der Errichtung eines modernen Versandgebäudes mit Hochregallager der Grundstein für das Werk 2 in Bietigheim-Bissingen gelegt.

Fortschrittlich

1984 übernimmt Rolf Seidenspinner, Sohn von Eugen Seidenspinner, die alleinige Geschäftsführung bei Atlanta. Das Produktprogramm wird 1987 erweitert um neuentwickelte spielarme Servogetriebe, ein Meilenstein für industrielle Anwendungen. Ebenfalls neu im Programm: Hubgetriebe. Das Wachstum erfordert weitere Produktions- und Bürofläche, 1992 wird Werk 2 mit neuerrichteten Gebäuden entsprechend erweitert. Die Krise des Jahres 1993 macht auch vor diesem Unternehmen nicht Halt, Kurzarbeit ist an der Tagesordnung, Entlassungen aber werden vermieden – ganz in der Tradition sozialer Verantwortung für die Mitarbeiter.

Auch aus dieser Erfahrung heraus wird 1994 der Aufbau eines internationalen Vertriebes mit der Gründung von Vertretungen in Frankreich, Großbritannien, Spanien und den USA begonnen. Weitere Vertretungen in west- und nordeuropäischen Ländern folgen. Bereits 1997 folgt der Schritt nach Asien mit dem Aufbau einer Vertriebsorganisation gemeinsam mit anderen Unternehmen der Antriebsbranche. Daraus entstehen in der Folgezeit Vertretungen in Südkorea, Singapur, Taiwan und China. 2004 wird die Tochterfirma Atlanta Drive Systems in den USA gegründet, es folgen 2005 ANF in Frankreich und 2011 ADT in China als eigene Unternehmen. Der Exportanteil beträgt aktuell fast 40 Prozent am Gesamtumsatz.
Heute beschäftigt das Unternehmen 300 Mitarbeiter, das Werk 2 musste 1997 und 2008 erweitert werden. Unter dem Motto Tradition, Innovation, Fortschritt ist Atlanta Antriebssysteme heute Weltmarktführer auf dem Gebiet qualitativ hochwertiger Zahnstangen und Systemlieferant für entsprechende Zahnstangentriebe mit Ritzel und spielarmen Getrieben. Elektrische Hubzylinder, Hochleistungs-Hubgetriebe und anspruchsvolle Sondergetriebe wie zum Beispiel die Handachse eines Lackierroboters belegen die Wandlung von einer Zahnrad- und Werkzeugfabrik zu einem leistungsfähigen Anbieter moderner Antriebsysteme. ee

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