Interview mit Oliver Winzenried

Andreas Mühlbauer,

An die Spitze des Weltmarkts

Die Sicherheit von Soft- und Hardware sowie entsprechende Lizenzierungen sind das Kerngeschäft von Wibu-Systems in Karlsruhe. Mitbegründer, Vorstand und CEO Oliver Winzenried spricht mit Andreas Mühlbauer über die Anfänge und die Zukunft des Unternehmens und der Branche.

Oliver Winzenried, Mitgründer, CEO und Vorstand von Wibu-Systems. © Wibu-Systems

In diesem Jahr feiert Wibu-Systems sein 30. Firmenjubiläum. Unseren Glückwunsch dazu! Womit hat denn alles angefangen und was war der Auslöser?

Vielen Dank für Ihre Glückwünsche. In den letzten 30 Jahren hat sich technologisch gesehen doch viel getan und das kontinuierliche Wachstum hat dazu geführt, dass Wibu-Systems sich inzwischen zum weltweit anerkannten Technologieexperte entwickelt hat und in der Firmenzentrale und den Tochtergesellschaften 130 Mitarbeiter beschäftigt.

Während meines Elektrotechnik-Studiums in Karlsruhe habe ich Marcellus Buchheit, er hat Informatik studiert, kennen gelernt. Im Jahr 1987 hatten wir die Idee, einen Kopierschutz-Dongle für PC-Software zu entwickeln, denn damals gab es unseres Erachtens keinen sicheren, praxistauglichen Schutz. Bei der Entwicklung achteten wir darauf, dass unser Dongle konsequent kryptographische Verfahren nutzte und einen höheren Sicherheitslevel als den der Mitbewerber bot. Unser erstes Produkt, die Wibu-Box für die parallele Schnittstelle, enthielt unseren ersten Chip und kam 1989 auf den Markt. Im Folgejahr haben wir unsere Lösung erstmals auf der Messe CeBIT vorgestellt. Seitdem haben wir unsere Lösungen kontinuierlich erweitert, speziell für industrielle Anforderungen CodeMeter entwickelt und konnten auch kontinuierlich wachsen.

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Haben Lizenzierungstechniken und Security mit Beginn von Industrie 4.0 einen Boom erlebt, und gab es vorher eine vergleichbare Entwicklung in Ihrer Branche?

Es hat sich gezeigt, dass aufgrund der Digitalisierung die Vernetzung und der Einsatz von Software in jeder Art von Geräten immer stärker werden, und zwar branchenunabhängig. Zuvor hat sich Softwareschutz im PC-Bereich vom einfachen Kopierschutz zum Lizenzierungsinstrument für modulare Software mit Netzwerklizenzen, Lizenzausleihe und Aktivierung entwickelt.

Heute sehen wir eine Zunahme von Anwendungen in Embedded-Systemen und Geräten, Steuerungen bis zur Cloud, in Industrieautomation, IIoT und anderen Bereichen. Im Vordergrund steht bei den Herstellern der bedarfsgerechte Verkauf ihrer Produkte. Durch Lizenzierung können sie entscheiden, welche Funktionen ihrer Geräte der Anwender nutzen kann und wie er dafür bezahlt, also einen Einmalbetrag oder Pay-Per-Use oder ein Abomodell. Dies führt zu Zusatzgeschäft und regelmäßigen Einnahmen.

Im Jubiläumsjahr entsteht nun auch Ihr neues, größeres Firmengebäude. Parallel dazu sind Sie Initiator des benachbarten „House of IT Security“. Wie soll die Zusammenarbeit der Unternehmen in diesem Umfeld künftig aussehen?

Wir hatten gerade die Grundsteinlegung und bauen zwei Gebäude mit je 8400 m2 Bruttogeschossfläche. Eine riesige Investition von über 30 Mio. €. Wir schaffen damit die Voraussetzung für unser weiteres Wachstum und attraktive Arbeitsplätze in energieeffizienten Gebäuden mit modernster Haus- und Sicherheitstechnik.

Das zweite Gebäude, das House of IT-Security, soll die Zusammenarbeit von Forschung und Industrie fördern. In Karlsruhe gibt es ein außergewöhnliches Ecosystem mit dem Karlsruher Institut für Technologie, KIT, dem FZI Forschungszentrum Informatik, den Fraunhofer-Gesellschaften, dem Cyberforum, einer engagierten Stadt sowie etablierten Unternehmen und Startups. Wir wollen das Thema IT-Security weiter voranbringen, Kompetenzen bündeln und uns dazu intensiv selbst einbringen.

Wie wird sich das Geschäft von Wibu-Systems künftig entwickeln? Welche Technologien werden in der Security-Branche an Bedeutung gewinnen?

Unser Firmenslogan lautet „Perfection in Protection, Licensing and Security“. Alle drei Bereiche wachsen. Unter Protection verstehen wir den technischen Schutz des Know-hows, realisiert durch cleveren Einsatz von Verschlüsselungsverfahren, um das Reverse-Engineering und die Analyse der Software extrem zu erschweren. Licensing bietet ein enormes Potenzial in der Lizenzierung von Softwarefunktionen. Hersteller liefern ihre Produkte mit allen Funktionen aus und schalten den Kunden nur die gekauften frei. Wir bieten die Komponenten für den Einbau in das Produkt und in die Geschäftsprozesse, beispielsweise eine SAP- oder E-Commerce-Integration. Unter Security verstehen wir den Schutz vor Manipulation und Cyberangriffen, realisiert durch digital signierten Programmcode und Daten. Die zunehmende Vernetzung und Verbindung mit dem Internet machen Security zum Muss. Jedes vernetzte Gerät benötigt eine sichere Identität.

Industrie 4.0 bedeutet aber auch individualisierte Produktion in kleinen Stückzahlen. Dabei kommen immer mehr schützenswerte Daten in den Produktionsprozess. Der Designer und Urheber eines Objekts, das über den 3D-Druck erstellt wird, will dieses vor Diebstahl schützen und die Anzahl der gedruckten Teile überwachen, unabhängig davon, wann und wo auf der Welt diese gedruckt werden.

Mein Ziel ist es, bis 2025 unseren Umsatz zu verdreifachen und mit unserem Unternehmen die Spitze des Weltmarkts für den Schutz digitaler Produkte mit Mehrwert für Hersteller, Betreiber und Anwender zu erklimmen. Denn Software und schützenswertes Know-how sind in allen Anwendungen enthalten – beispielsweise in der Industrieautomatisierung, in CAD/CAM-Software, im Automobil- und Finanzwesen, in der Industrie, der Medizin und überall da, wo die Digitalisierung Einzug hält. Mit unseren Investitionen schaffen wir eine wichtige Voraussetzung.

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