Korrosionsschutz

Schützendes Wachs

Unter der Bezeichnung CPX-Technologie präsentiert Schmier- stoff-Spezialist Fuchs Europe eine neue Methode der Wachs- konservierung. Ihre Vorteile reichen von der einfachen Appli- kation über die Wasser- und Lösemittelfreiheit bis hin zu ihrer Einsatzvielfalt im Rahmen des Korrosionsschutzes. Selbst bei extremen Bedingungen und als Lebensdauerschutz soll das Produkt einsetzbar sein.

Im UV-Licht gut sichtbar: Der neue Wachs-Schutzfilm zur Langzeit- konservierung

Beim temporären Korrosionsschutz gibt es heute eine Vielzahl zuverlässiger Möglichkeiten, um Werkstücke nach der finalen Bearbeitung zu behandeln - aber die Schutzdauer reicht selten über ein paar Jahre hinaus.

Lösemittelhaltige Produkte werden konventionell oder als High Solids eingesetzt. Sie haben einen Lösemittelanteil zwischen 10 und 30 Prozent. Wegen der Verdunstung des Lösemittels trocknen solche Systeme relativ gut; und auch die üblichen Sprüheinrichtungen können angewendet werden. Allerdings sind die Anforderungen des Umweltschutzes gemäß der 31. BImSchV gestiegen – was den Einsatz dieser Produkte in unveränderter Form problematisch macht.

Wässrige Produkte hingegen werden im Low-Tech-Bereich mit einem Wassergehalt von bis zu 70 Prozent oder als High-Tech-Produkte mit einem reduzierten Wassergehalt von bis zu 45 Prozent angeboten. Sie können ebenfalls gut appliziert werden und die Trocknungszeit ist kurz. Doch genau wie das lösemittelhaltige System hat auch das wasserbasierte den Nachteil, dass das vorhandene Lösungsmittel nach der Applikation komplett verdunsten muss. Andernfalls kann sich in den Hohlräumen ein Mikroklima bilden, das die Korrosion deutlich beschleunigt. Außerdem können bei Eintrocknung des Films Risse auftreten, falls das Lösemittel nicht vorschriftsmäßig entweicht.

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Aus all diesen Gründen hat ein führender Automobil-Hersteller seine Hohlraumkonservierung seit Jahren erfolgreich auf Flutwachs umgestellt. In der sogenannten Full Solid-Kategorie wird mit dispergierten Wachspartikeln ein ablaufgehemmter nicht-newtonscher Film erzeugt. Der Wachsfilm in den Hohlräumen schützt die Karosserien auch bei extremer Salzbelastung und wechselnden klimatischen Bedingungen. Diese Produkte für spezialisierte Produktionsstätten vertreibt Fuchs seit Jahren recht erfolgreich; die letzte Flutwachs-Generation mit Automobil-Freigabe heißt beispielsweise Anticorit CL 337 DE. Jedoch lassen sich nicht alle Bereiche fluten. Prekäre Stellen müssen vor der Karosserie-Vorwärmung mit einem Sprühwachs versehen werden. Nach dem Erkalten ist der Wachsfilm dann so ablaufgehemmt, dass kein längeres Nachtropfen auftritt (Drop Stop Effekt). Problematisch ist dabei, dass die zum Gelieren benötigte Zeit die Taktzeiten im Prozess begrenzt und die nötige Temperatur zur Ablaufhemmung nicht an allen Prozess-Standorten zur Verfügung steht.

Die Hemmung steuern

Diese Nachteile und die Erfahrung, die Ablaufhemmung mittels thixotroper Produkte zu steuern, haben das Haus Fuchs dazu veranlasst, eine neue Hohlraum-Konservierung zu entwickeln. Bereits Mitte der 1980er-Jahre hat das Unternehmen thixotrope Korrosionsschutz-Produkte in die Stahl- und Automobilindustrie eingeführt. Seitdem sind die daraus abgeleiteten Produkte Anticorit RP 4107 S und Anticorit PL 3802 39 S die Standard-Beölungen der Stahlhersteller und sichern den weltweiten Transport. Das Fachwissen um die Thixotropie (Stichwort „scherungsabhängige Viskosität“) hat Fuchs jetzt dazu genutzt, im Bereich der Langzeit-Konservierungen – hier sind Schutzzeiträume von fünf bis 30 Jahren gefordert – neue Lösungen zu finden. Die Denkanstöße dazu kamen nicht zuletzt von Kunden wie Volkswagen, Porsche und BMW. Es galt ein System zu schaffen, das sowohl bei erhöhter als auch bei normaler Umgebungstemperatur eine kontrollierte Ablaufhemmung sichert – und zwar so, dass sie die Penetration des Wachses in die Spalten und Flansche nicht beeinträchtigt. Außerdem wurde eine möglichst einfache Anwendung in verschiedenen Varianten angestrebt. Daneben waren die Langzeitkonservierung (zehn Jahre und mehr) sowie die leichte Entfernbarkeit des Wachses wesentliche Gesichtspunkte.

Diese Innovation trägt die Bezeichnung CPX Technologie und steht für thixotropen Korrosionsschutz. Sie zeichnet sich durch eine Viskosität aus, die mit handelsüblichen Sprühapplikationen handhabbar ist. Die standardmäßige niedrigviskose Einstellung (Auslaufzeit: Etwa 100 Sekunden bei 20°C bzw. etwa. 70 Sekunden im Vier-Millimeter-DIN Becher) lässt Spielraum in jeder Richtung. Das Produkt vereint den Drop Stop Effekt, der das sofortige Gelieren bei zusätzlicher Wärme zeigt, mit einer ausgeklügelten Thixotropie, die einen stabilen, ablaufgehemmten Schutzfilm bis zu 100 µm ohne jegliche Vorwärmung ermöglicht. Der Film trocknet dabei reaktiv mit seiner Umgebungsluft. Die oxidative Trocknung beträgt fünf bis sieben Tage; danach ist der Schutzfilm belastbar.

Einfach Wischen

Fehler in der Applikation lassen sich sofort korrigieren, denn man kann den Schutzfilm durch einfaches Wischen entfernen. Nach längerer Trocknungszeit reicht es zur Abreinigung, den Film kurz mit Renoclean CPX einzusprühen und anschließend mit dem Lappen abzuwischen. Der nach der Trocknung verbleibende Schutzfilm ist auch noch bei 60 µm hell beige, jedoch durchscheinend und kann auf Wunsch eingefärbt werden. Selbst bei Temperaturen bis 120 °C bleibt der Film stabil. Bei -35°C kann das zu schützende Blech um 180° gebogen werden, ohne dass Risse auftreten.

Der große Pluspunkt: Die Applikation ohne zusätzliche Vorwärmung ermöglicht den Einsatz auch in Werkstätten oder auf Baustellen, etwa per Spraydose und Applikationsschlauch. Das Produkt Anticorit DS 329 DE wird bereits bei einem Automobilhersteller im Serieneinsatz verwendet. Auch Landmaschinen- und Lkw-Hersteller, Verpackungsunternehmen, Maschinenhersteller und Werkstätten nutzen die CPX-Technologie. Dabei verwenden sie Anticorit CPX 3373 als Basis. Je nach Kundenwunsch können die einzelnen Parameter – beispielsweise die Filmflexibilität – angepasst werden. Die neue Technologie erfüllt die Anforderungen des Umweltschutzes. Ihre Einsatzmöglichkeiten, sei es für Hohlraumkonservierung, Einlagerung oder Transportschutz, sind laut Hersteller „noch längst nicht ausgeschöpft“. ms

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