Abdichten unterirdischer

Unterirdisch wasserdicht Auskleiden

Das neue atomare Zwischenlager Neckarwestheim bekommt derzeit eine wasserdichte Innenauskleidung. Zwei große Kavernen, alle Verbindungstunnel und Schächte werden durch eine mehrlagige Abdichtung vollflächig gegen Grund- und Niederschlagswasser abgeschottet. Dabei muss der eingebaute Wasserschutz aus Geotextil und Kunststofffolie selbst bei permanent herrschenden 80°C dicht halten.

Das Abdichten unterirdischer Inge­nieur-Bauwerke gegen drückendes und nicht drückendes Wasser ist eine Spezialaufgabe, die in Europa nur wenige Unternehmen beherrschen. Thyssen-Krupp Xervon bietet seinen Kunden ein Verfahren, mit dem umweltneutrale Kunststoffdichtungsbahnen wie eine wasserdichte Haut an der Tunnelröhre angebracht werden. Weil dieses Verfahren die für Neckarwestheim zunächst angedachte Lösung in punkto Sicherheit sogar noch übertraf, konnten die Spezialisten diesen Auftrag reinholen.

“Jede Abdichtungsaufgabe ist anders und erfordert eine Anpassung unseres mehrschichtigen Verfahrens an die spezifischen geologischen und hydrologischen Bedingungen“, sagt Abdichtungsexperte Per König. In Neckarwestheim stelle insbesondere die erforderliche Temperaturbeständigkeit besondere Ansprüche. Hingegen sei der sorgfältige Einbau der Abdichtung für seine Männer alltägliche Herausforderung. Zu einem echten Prestigeeinsatz wird das atomare Zwischenlager aber durch die extreme Platznot und enge Zeitvorgaben für die einzelnen Arbeitsschritte.

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Das Prinzip der wasserdichten Auskleidung ist stets gleich. Auf die mit Spritzbeton ausgekleidete Tunnelröhre wird zunächst eine Schutzlage aus Geo­textil aufgebracht. In Neckarwestheim verwendet man dazu ein 1000 g/m2 starkes Material. Es schützt die nachfolgend eingebaute Kunststoffdichtungsbahn, eine zwei Millimeter starke PVC-Folie, der 80 Grad Betriebstemperatur nichts anhaben. Damit die Abdichtung ohne Hohlräume wie eine Haut an ­Kavernenwand und -decke anliegt, wird sie über zuvor montierte Rondellen punktuell am Untergrund befestigt. Dazu werden Rondelle und Folie mit Heißluft in einem speziellen Verfahren formschlüssig miteinander verbunden. Anschließend werden die überlappenden Kunststoffbahnen dicht miteinander verschweißt; diverse Prüfungen belegen die Qualität der Schweißnähte. Nur geschulte Bahnenschweißer nach DVS-Richtlinie 2225 (Deutscher Verband für Schweißtechnik) dürfen das Abdichtungsverfahren und die Dichtigkeits-Prüfverfahren durchführen. Erst nach erfolgreicher Qualitätsprüfung erfolgt in einem letzten Arbeitsschritt der Einbau einer Schutzlage aus selbstklebender Folie. Diese Kaschierlage wird vollflächig mit der PVC-Abdichtung verklebt. Zudem ist sie mit einer lösbaren Signalschicht versehen. So lassen sich eventuelle Beschädigungen am Abdichtungssystem leicht erkennen. Um den Tunnelrohbau zu vollenden, fehlt dann nur noch der Einbau der bewehrten Innenschale aus Beton. ms

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