Interview mit Hans-Jürgen Büchner

„Genug Luft zum Wachsen“

Das Produkt-Portfolio von Iscar Germany umfasst die ganze Welt der Dreh-, Bohr-, Fräs- und Feinbearbeitungswerkzeuge sowie der Spannaufnahmen und vor allem auch der begleitenden Dienstleistungen. So gut wie keinen Anwendungsbereich, und sei er noch so speziell, hat das Unternehmen ausgelassen. SCOPE-Chefredakteur Hajo Stotz sprach mit Hans-Jürgen Büchner, Geschäftsführer der Iscar Germany GmbH, über die Marktanteile des Unternehmens, dessen Spezialität das Stechen ist.

Hans-Jürgen Büchner, Geschäftsführer der Iscar Germany GmbH

SCOPE: Herr Büchner, weltweit ist Iscar die Nummer Zwei unter den Werkzeugherstellern. In Deutschland sind Sie davon aber noch ein Stück entfernt. Wie kommt‘s?

Büchner: Wir haben in Deutschland einen Marktanteil von 12 bis 14 Prozent, je nach Quelle. Das ist eine Position unter den ersten Zehn. Da ist tatsächlich noch genug Luft zum Wachsen. Aber das können wir nur schaffen, wenn wir breit aufgestellt sind. Im Bereich Stechen sind wir das, und in den Bereichen Fräsen, Drehen und Bohren wachsen wir stark. Auch im Vollhartmetall-Fräsen bieten wir heute ein Programm, das 90 Prozent des Marktbedarfs abdeckt.

SCOPE: Und beim VHM-Bohren?

Büchner: In diesem Bereich arbeiten wir noch an der Programmerweiterung.

SCOPE: Wie hat sich denn das Unternehmen in den letzten jahren umsatzseitig entwickelt und wie wird 2014?

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Büchner: 2011 hatten wir beim Umsatzwachstum ein Rekordjahr mit einem Wachstumssprung von circa 25 Prozent. Wobei man sagen muss, dass nach 2009 und 2010 ein immenser Nachholbedarf in der Industrie bestand. In den beiden Folgejahren sind wir moderat gewachsen, jedoch schneller als der Markt. Wie übrigens auch bereits die Jahre zuvor. Doch wir hatten in den Jahren 2012 und 2013 mit mehr Wachstum gerechnet. Für 2014 lag die Prognose des VDMA zu Jahresanfang bei einem Wachstum von vier Prozent für die Branche. Wir hatten mit acht Prozent geplant, gehen derzeit aber davon aus, auf Grund der relativ stabilen Inlandsnachfrage in 2014 ein zweistelliges Umsatzplus gegenüber 2013 zu erzielen. Die AMB hat uns hier noch einen guten Schub gegeben.

SCOPE: Verteilt sich das Umsatzwachstum über die Produktfamilien Fräsen, Bohren, Drehen und Stechen gleichmäßig?

Büchner: Der Bohrbereich ist um 21 Prozent gewachsen, Fräsen um 15 Prozent. Dies sind Segmente, in denen wir vor einigen Jahren noch relativ unbekannt waren. Im Bereich Drehen haben wir ein zweistelliges Wachstum nicht ganz erreicht, nachdem wir hier im Jahr 2013 noch ein Umsatzplus von 20 Prozent hatten. Iscar kommt traditionell aus dem Bereich Stechen. Hier sind wir ebenfalls gut gewachsen, spüren aber auch, dass der Wettbewerb stark zunimmt.

SCOPE: Auf welcher Position sehen Sie sich denn im Bereich Stechen?

Büchner: Hier sind wir Marktführer. Unser Marktanteil liegt in diesem Segment sicherlich bei über 30 Prozent.

SCOPE: Sie gehen über verschiedene Wege in den Markt. Wie haben sich diese Vertriebskanäle entwickelt?

Büchner: 69 Prozent unseres gesamten Umsatzes erzielen wir mit dem Endverbraucher direkt. 23 Prozent erzielen wir über unser Händlernetz und acht Prozent mit Automotive und Maschinenbau. Wir sehen hier noch erhebliches Potential, um in einigen Bereichen kräftig zuzulegen.

SCOPE: Wie wollen Sie das erreichen?

Büchner: Unsere Strategie sieht folgendermaßen aus: Wir wollen im Bereich Stechen Marktführer bleiben und in den anderen Bereichen Marktanteile gewinnen. Das kann natürlich nur funktionieren, wenn man die richtigen Produkte, den richtigen Service und die richtigen Mitarbeiter hat. In 2013 haben wir das neue Produktprogramm High IQ Line vorgestellt, mit bisher 1.350 neuen Produkten in den Bereichen Drehen, Stechen, Bohren und Fräsen. Kein anderer Hersteller hat ein so breites Produktportfolio wie Iscar. Der Standort Ettlingen beschäftigt mehr als 300 Mitarbeiter, davon wurden über 40 in den letzten drei Jahren eingestellt. Das Wachstum über unser Händlernetz war mit fünf Prozent unterdurchschnittlich. Hier ist weit mehr Potenzial. Das sehen wir ebenso in den Bereichen der Autohersteller und Top-Tier-Zulieferer. In diesem Markt waren wir vor wenigen Jahren noch kaum vertreten. Zudem bauen wir hier am Standort unsere Kapazitäten für Sonderwerkzeuge aus.

SCOPE: Fertigen Sie denn am Standort Ettlingen nur Sonderwerkzeuge?

Büchner: Ja, von PKD über Vollhartmetall bis zu Wendeschneidplatten. Innerhalb von zwei Wochen können wir dem Kunden beschichtete Platten liefern. Doch manchen ist dies immer noch zu lang. Das ist der Grund, weshalb Iscar in Ettlingen massiv investiert, und auf einem zugekauften Nachbargrundstück eine neue Fertigungshalle für Sonderwerkzeuge baut.

SCOPE: In welcher Höhe liegt der Anteil an Sonderwerkzeugen bei Iscar?

Büchner: Weltweit liegt das Verhältnis von Standard- zu Sonderwerkzeuge bei 85 : 15. In Deutschland liegt der Anteil der Sonderwerkzeuge aber bei fast 25 Prozent, mit steigender Tendenz.

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