Interview mit Olf Clausen

„Frühzeitige Klärung der Ziele“

Eine höhere Sensibilität zu hohen Kosten unterscheide KMUs von Großunternehmen, so die Erfahrung von Olf Clausen, dem geschäftsführenden Gesellschafter der m+p Gruppe. SCOPE-Redakteurin Evelin Eitelmann erfuhr im Interview, welche Schwerpunkte die international tätige technische Unternehmensberatungsgesellschaft bei ihrer Arbeit im Bereich Energie setzt.

Olf Clausen

SCOPE: Herr Clausen, Sie beraten Unternehmen in Fragen der Energieeffizienz. Was raten Sie den Unternehmen zuerst, die sich an Sie wenden?

Olf Clausen: Für eine optimale Beratung zur Steigerung der Energieeffizienz ist es zwingend erforderlich, den zu betrachtenden Systembereich einzugrenzen. Je komplexer und umfangreicher der Analyseansatz gewählt wird, desto interdisziplinärer ist ein Optimierungsprojekt inhaltlich zu bearbeiten. Dies hat Auswirkungen auf die Projektmethodik, den Projektplan und das Staffing des Projektes.

Darüber hinaus ist die frühzeitige Klärung der zu verfolgenden Ziele erforderlich, um die Erfolgsfaktoren des Projektes von vornherein sicher anzusteuern.

SCOPE: Welche Schwerpunkte setzen Sie bei Ihrer Arbeit? Und wie gehen Sie bei der Beratung vor?

Clausen: Wir versuchen, einem in der Regel anzutreffenden „bottom-up“-Ansatz, der von der Einzelmaßnahme zum Summeneffekt führt, einem „top-down“-Ansatz im Sinne einer gesamtsystemischen Ansatzes entgegenzusetzen. Hierdurch ergeben sich zusätzliche Potenziale und zudem wird die strategische Ausrichtung des Projektes sichergestellt.

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Unser Beratungsansatz beruht auf 3 Säulen: Einerseits werden definierte Methodiken, Standards und Tools zum Einsatz gebracht. Das Projektteam ist darüber hinaus mit den Mitarbeitern und Skills besetzt, die für die aufgeworfene Fragestellung erforderlich sind. Zudem hat das Projektteam Zugriff auf eine „best practice“-Datenbank, in der unsere seit mehr als 30 Jahren gesammelten Erfahrungen verfügbar sind.

SCOPE: Welche Rolle spielt das Contracting in Ihrer Beratungstätigkeit?

Clausen: Das Contracting spielt in unseren Beratungsmandaten insofern eine signifikante Rolle, als dass wir uns – von unseren Kunden getrieben – aus der Beratung kommend zum Energieeffizienzpartner entwickelt haben. Dies äußert sich dann in Investitionen zur Steigerung der Energieeffizienz, die wir auf eigenes Risiko beim Kunden realisiert haben und über die Effizienzgewinne refinanzieren.

SCOPE: Worin besteht Ihrer Ansicht nach der Unterschied im Bedarf von Energieeffizienzlösungen bei kleineren und mittleren Unternehmen gegenüber Großunternehmen?

Clausen: Fachlich und methodisch stellen sich meiner Meinung nach in allen betroffenen Unternehmen die gleichen Fragen und Lösungsansätze, können demnach methodisch und inhaltlich gleich oder ähnlich erarbeitet werden. Der grundsätzliche Unterschied besteht in der Quantität. Eine ingenieurmäßige Bearbeitung erfordert entsprechende Größenordnungen an Energieverbrauch, technischer Infrastruktur und auch Potenzialen, da immer ein Mindestaufwand für ein Projekt – unabhängig von dessen Größe – zu leisten ist. In KMUs sind die Hebel für eine ingenieurmäßige Projektbearbeitung in der Regel zu klein, um diesen Mindestaufwand zu tragen.

SCOPE: Müssen Sie bei den KMUs noch viel Aufklärungsarbeit leisten?

Clausen: Kleine und mittlere Unternehmen sind meistens eigentümergeführt. Hier besteht in der Regel eine hohe Sensibilität für zu hohe Kosten und schlechte Wirkungsgrade. Die Motivation ist dadurch für Energieeffizienzansätze gegeben. Die Lösungsmethodik mag mangels Erfahrung nicht ausreichend ausgeprägt sein und könnte ein sinnvolles Ziel für Aufklärungsinitiativen sein.

SCOPE: Ihr Unternehmen ist Mitglied der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz (DENEFF). Was ist das Ziel der DENEFF und welche Vorteile sehen Sie in der Mitgliedschaft?

Clausen: Die DENEFF-Mitgliedschaft bietet uns die Teilhabe an einem branchenübergreifenden Netzwerk von Energiefachleuten und den Austausch mit denselben. Die Arbeit der DENEFF auf der politischen Bühne liefert die Möglichkeit der aktiven Einflussnahme und zudem aktuelle Informationen zur Energiepolitik und -gesetzgebung. All dies wäre für uns in der Form nicht leistbar. Somit freuen wir uns sehr über unsere DENEFF-Mitgliedschaft.

SCOPE: Die m+p Gruppe ist eine der führenden technischen Unternehmensberatungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Wie haben sich die Anzahl Ihrer Mitarbeiter und Ihr Umsatz in den letzten Jahren entwickelt?

Clausen: In den vergangenen 5 Jahren konnte die m+p Gruppe ein Umsatzwachstum von circa 100 Prozent verzeichnen. Im gleichen Zeitraum wurde die Mitarbeiterzahl um ca. 50 % vergrößert.

SCOPE: Welchen Anteil haben Ihre unterschiedlichen Geschäftsbereiche prozentual am Umsatz?

Clausen: In den Unternehmensbereichen Engineering, Consulting und IT-Lösungen subsummieren wir unsere Beratungskompetenzen. Diese Bereiche erwirtschaften ca. 50 % unserer Gesamtleistung. Die andere Hälfte entfällt auf den Unternehmensbereich Energie.

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