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Investitions-Standort USA: Wachstumsmotor USA-Niederlassung

Zwar gehen Investitionen aus Deutschland weltweit zurück, sie erhöhen sich aber in den USA. Dort führt Deutschland mit 100 Projekten im letzten Jahr die Rangliste der Europäischen Union an, aus der die meisten Direktinvestitionen in den USA kommen. Deutsche Unternehmen haben im Vergleich zu 2006 ihre Investitionen jenseits des Atlantiks um 15 % erhöht, so eine Untersuchung von OCOMonitor, London.

Ganz aktuell wurde als bester Investitions-Standort innerhalb der USA erneut der Bundesstaat Ohio mit dem Governor's Cup ausgezeichnet, die US-weit begehrte Auszeichnung für industrielle Investitionen. Bereits 2006 errang Ohio den "Governor's Cup" und belegte in den beiden Jahren zuvor die zweiten Plätze. Jüngste Zahlen zeigen, dass zum Beispiel allein ein Viertel aller Automotive-Direktinvestitionen aus Deutschland in die Dreiländer-Region Ohio, Indiana, Kentucky gehen, an dessen Schnittstelle der Staatsgrenzen die Großstadt Cincinnati liegt. Die Region Cincinnati USA hat mit 111 Projekten erheblich zum Erringen des Governor's Cup beigetragen. Innerhalb des Wettbewerbs der Metro-Regionen rückte die Stadt auf Platz 2 vor.

Deutsche Unternehmen wählen Cincinnati USA

Jüngste Ansiedlungen aus Deutschland sind zum Beispiel das Logistik-Unternehmen Dachser, das in seiner Niederlassung am internationalen Flughafen Cincinnati/Northern Kentucky auch die Erledigung von Zollformalitäten bietet. Rotek, ein Geschäftsbereich von ThyssenKrupp, verdreifacht seine Fläche in Cincinnati durch die Errichtung eines neuen Gebäudes. 2007 starteten drei Mittelständler aus Deutschland ihre Aktivitäten in Cincinnati: die Mauer AG aus Ubstadt-Weiher bei Heidelberg, das Unternehmen Flottweg AG aus dem niederbayrischen Vilsbiburg sowie ARKU Maschinenbau GmbH mit Mutterhaus in Baden-Baden. Auf mehrere erfolgreiche Jahre USA-Erfahrung blickt bereits das Werkzeugtechnik-Unternehmen ECOROLL aus Celle zurück. 2003 hat ECOROLL nach sorgfältiger Planung und Standortauswahl eine eigene Niederlassung in Cincinnati eröffnet. "Mit unserer Präsenz vor Ort können wir unsere amerikanischen Kunden sowie die deutschen Kunden in den USA besser bedienen", erläutert Dr. Karsten Röttger, Vorstand von ECOROLL.

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Standortwahl im industriellen Kernland

Die Werkzeuge von ECOROLL werden zum Glattwalzen, Festwalzen und zur Umformung der Randschichten metallischer Werkstücke genutzt. Dadurch erhöhen sich Festigkeit und Lebensdauer der Bauteile. "Typische Einsatzgebiete sind das Festwalzen von Kurbelwellen für die Autoindustrie, von Strukturbauteilen für die Luftfahrt oder von Implantaten in der Medizintechnik", so Röttger weiter. Bei der Standortwahl legte ECOROLL großen Wert auf die räumliche Nähe zu Unternehmen aus der Automobil-Industrie, aus Luft- und Raumfahrt und dem Werkzeugbau. Cincinnati, als Tor zum industriereichen Mittleren Westen, bietet innerhalb einer Lkw-Tagestour Zugang zu über 40 % aller US-Produktionsstätten und 70 Kfz-Montagewerken. Über 200 Unternehmen und Einrichtungen der Kfz-Branche haben in der Großregion ihren Sitz. Der Mittlere Westen ist bekannt für seine Stärke im Maschinen- und Anlagenbau, in der Mess-, Steuer- und Regeltechnik sowie der Automobil-Industrie, die über die Hälfte ihres US-Wirtschaftsbeitrags in dieser Region erzielt.

ARKU Coil-Systems verlegt USA-Zentrale nach Cincinnati USA

OEMs sowie so genannte Tier-1 und ¿2-Zulieferer der Automobil-Industrie zählen zu den Schlüsselkunden von Arku Coil-Systems. Das Vertriebs- und Servicebüro für Nordamerika, zuvor in Detroit/Michigan ansässig, hat seine Niederlassung nach Cincinnati verlegt. Albert Reiss, Geschäftsführer von ARKU: "Gerade in den USA erwarten die Kunden eine schnelle Reaktion. Da im Umkreis von 500 Meilen um Cincinnati 80 Prozent unserer Kunden sind, haben wir unseren Unternehmenssitz hierhin verlegt. Die Kunden sind somit in kürzester Zeit zu erreichen." Mit dem Umzug nach Cincinnati ist ARKU seinen Automobilkunden gefolgt. Die Region liegt in der strategischen Mitte der Automobilzentren Michigan im Norden und den Südstaaten. Vom neuen Standort in Cincinnati werden die Zielmärkte Automotive mit Press- und Stanzwerken bedient, aber auch Laser- und Brennschneidbetriebe sowie Profilierwerke.

Wichtig für den Mittelstand: Chambers of Commerce helfen

Umfragen zeigen, dass Unternehmen neben der zentralen Lage und dem Marktumfeld noch weitere drei Kriterien bei der Standortsuche anlegen: Human Resources, Infrastruktur und Verkehr sowie wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Die einzelnen Chambers of Commerce in den USA unterstützen den Weg über den Atlantik mit Analysen, Know-how, Beratung und Vernetzung. So fällt mittelständischen Unternehmen mit finanziell überschaubaren Ressourcen die Einarbeitung in einen neuen Markt leichter mit anderem Steuersystem, Arbeitsrecht und anderer Sozialversicherung. "Ein Steuerberater half ECOROLL detailliert in Steuerfragen, Anwälte unterstützten bei der Firmengründung, und die Handelskammer half bei der Personalsuche", führt Karsten Röttger aus.

Human Resources und Ausbildung

Von den 250 Colleges und Universitäten im 300-km-Umkreis ist die Universität Cincinnati (UC) besonders hervorzuheben; sie zählt zu den Top 20% der 151 Forschungsstätten der USA. An der UC ist das DAAP-Institut für Design, Kunst, Architektur und Planung eine wichtige Quelle für den Ingenieur-Nachwuchs. Große Teile des Studiums sind Praktika bei internationalen Unternehmen - auch in Deutschland, zum Beispiel bei Siemens, VW oder BMW. Das International Design Magazine hat 2002 das DAAP-Institut zur besten öffentlichen Designhochschule der Welt gekürt.

Direktflug nach Deutschland

Zwar war für ARKU die zentrale Lage zu Kunden und potentiellen Kunden ein wichtiger Grund für die Standortentscheidung, aber der tägliche Direktflug nach Deutschland ist auch ein Vorteil. Mit 400 Direktflügen täglich in 120 Städte rund um den Globus ist der Flughafen Cincinnati / Northern Kentucky bestens vernetzt, auch mit Frankfurt. Führende Kurierdienste sind rund um den Flughafen vertreten. Interstate-Autobahnen, Bahnhöfe und der Binnenhafen binden für den Gütertransport das gesamte Land in alle Richtungen an.

Steuererleichterung verbessert Rahmenbedingungen weiter

Das fortschrittliche Steuergesetz von Ohio fördert neue Investitionen und begünstigt Unternehmen wie Steuerzahler. Vor allem Unternehmen profitieren, die Produkte von Ohio exportieren oder größere Summen in Maschinen, Anlagen oder Lagerbestände investieren. Ohio gehört zu den Top-25% der Bundesstaaten mit den niedrigsten Steuern.

Zwischenbilanz des Engagements auf dem US-Markt?

ARKU ist absolut zufrieden mit seiner Entscheidung, in den USA direkt investiert zu haben. Zuerst gewann das Unternehmen deutsche bzw. europäische Kunden mit eigener US-Produktion, in den letzten 12 Monaten aber auch amerikanische Kunden sowie Aufträge aus Kanada und Mexiko. ARKU erwartet für 2008 moderate Umsatzsteigerungen, wobei auf die Kunden aus dem NAFTA-Wirtschaftsraum 10 - 20 % des Umsatzes entfallen. ECOROLL hat seit Beginn seines Engagements wichtige strategische Kunden gewonnen. "Deren Service-Erwartungen sind von unseren Mitarbeitern vor Ort einfach besser zu bedienen", so Karsten Röttger. Die Werkzeuge von ECOROLL werden kundenspezifisch, maschinen- und werkstückspezifisch gefertigt, sind also beratungsintensiv. Ein gemeinsames Zeitfenster mit dem Arbeitstag in Deutschland ist sehr hilfreich, um sich über Produktdetails auszutauschen. Karsten Röttger: "Hinsichtlich Standortwahl, Wachstum und Neukundengeschäft sind wir sehr zufrieden." Kontakt Handelskammer Cincinnati USA: Mr. Neil Hensley, Senior Director of Economic Development, Cincinnati USA Regional Chamber, 300 Carew Tower, 441 Vine Street, Cincinnati, OH 45202-2182, Tel.: 001-513-579-3120, nhensley@gccc.com, http://CincinnatiUSA.de

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