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Interview: „Appetit auf mehr“

RobotersteuerungenSchneider Electric: Barrieren auf Steuerungsebene müssen fallen

Integration von Robotersteuerungen

Mit Blick auf die Optimierung von Produktionsprozessen eröffnen Industrieroboter dem Maschinenbau in vielerlei Hinsicht interessante Perspektiven. Denn diese spielen zunehmend eine Schlüsselrolle auf dem Weg zur intelligenten Produktion. Das hat auch Automatisierungsspezialist Schneider Electric erkannt.

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Interview„Appetit auf mehr“

Dem digitalen Wandel muss eine hohe Priorität zugeschrieben werden. Rockwell Automation unterstützt Unternehmen bei diesem Wandel und hat sich strategische Allianzpartner mit ins Boot geholt. So arbeiten Rockwell Automation und Cisco gemeinsam an industriellen Netzwerk- und Sicherheitslösungen. Über Hürden, Ziele  und Zukunftstechnologien befragte SCOPE-Redakteurin Caterina Schröder Cliff Whitehead, Global Business Development bei Rockwell Automation, und Scot Wlodarczak, Industrial Marketing Manager bei Cisco.

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Digitalisierung

SCOPE: Welchen Mehrwert bietet die Partnerschaft zwischen Rockwell Automation und Cisco Ihren Kunden?

Scot Wlodarczak: Unsere Partnerschaft mit Rockwell Automation bringt eine operative Perspektive in Netzwerksysteme ein. So können wir die Netzwerkkomplexität mit einer Lösung reduzieren, die sowohl die Anforderungen der Automatisierungs- (OT) als auch der Informationsebene (IT) erfüllt und gleichzeitig die vollständige Konnektivität und Orchestrierung von Daten von der Fabrik bis ins Unternehmen bietet. Die Partnerschaft lässt uns zudem Raum, um uns auf wichtige Kundenbedürfnisse zu konzentrieren. Dies wären zum Beispiel die Wartungsfreundlichkeit der resultierenden Architektur, die Nutzung von offenen Standardprodukten, bewährte, reproduzierbare und zukunftssichere Lösungen, betriebsfreundliche Tools für das Netzwerkmanagement sowie Sicherheit und die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften.

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Cliff Whitehead, Global Business Development bei Rockwell Automation

Cliff Whitehead: Wie Cisco auch wollen wir unseren Kunden dabei helfen, ihre Produktion zu digitalisieren und die technischen und historisch bedingten Lücken zu den Geschäftssystemen zu schließen. Hierzu müssen isolierte Systeme und Prozesse angebunden werden, um Fortschritte beim IIoT (Industrial Internet of Things) umsetzen zu können. Wir nutzen Best Practices aus Produktions- und IT-Technologien mit gemeinsam entwickelten Ressourcen, Produkten und Schulungen. Das Ergebnis sind niedrigere Gesamtbetriebskosten sowie eine verkürzte Time-to-Market und verbesserte Geschäftsleistung. Informationsarchitekturen werden abgesichert und vereinheitlicht, um Echtzeit-Betriebsdaten zu nutzen und schnellere und intelligentere Entscheidungen in einem einzigen IP-Netzwerk zu ermöglichen.

SCOPE: Wie groß sind insbesondere bei kleinen und mittleren Unternehmen die Unterschiede zwischen Deutschland und Amerika im Hinblick auf den Stand der digitalen Transformation in der Industrie?

Whitehead: Aus meiner Sicht ist der Fokus der digitalen Transformation in Deutschland und Amerika der gleiche: den Wert und die Produktivität der lokalen Fertigung durch Verbesserungen und Optimierungen der Anlagennutzung, Produktqualität und Zykluszeit steigern und gleichzeitig das Unternehmensrisiko reduzieren. Dies unterstützt kleine und mittlere Unternehmen, die das Rückgrat der Volkswirtschaften in beiden Regionen sind. Der Unterschied liegt darin, wie die Chancen aufgegriffen werden. In Deutschland fördert die Regierung Initiativen wie die Plattform Industrie 4.0 und andere, während in den USA die Industrie mit Initiativen von Gruppen wie der Smart Manufacturing Leadership Coalition die Entwicklung vorantreibt. Wir gehen davon aus, dass sich ein gemeinsames Normen-Rahmenwerk herausbilden wird. 

Scot Wlodarczak, Industrial Marketing Manager bei Cisco

Wlodarczak: Ich glaube, dass amerikanische Unternehmen in der Regel eher bereit sind, bei der digitalen Transformation Risiken einzugehen und dass die dortigen IT-Organisationen ganz allgemein schon weiter sind. Mittelständische Unternehmen in Deutschland brauchen vielleicht etwas mehr Zeit, um ihr Digitalisierungspotenzial zu analysieren und ihre Strategie zu entwickeln, aber dann ist alles auch absolut sicher. Letzten Endes ist der Unterschied gar nicht so groß. Wenn man größere Unternehmen betrachtet, verfügen diese in beiden Regionen über die erforderliche IT-Infrastruktur, um die Daten zu verarbeiten, die in einer intelligenten Fabrik erzeugt werden. Außerdem sind sie in der Regel auch stärker automatisiert als kleine und mittlere Unternehmen. Aus diesen Gründen sind größere Unternehmen insgesamt bei der digitalen Transformation schon etwas weiter. Aber das bedeutet nicht, dass kleinere Unternehmen ihren Geschäftsbetrieb nicht ebenso durch Digitalisierung verbessern könnten.

SCOPE: Die digitale Transformation ist für kleine und mittlere Unternehmen besonders schwierig. Was sind die größten Hindernisse und Bedenken, denen Sie begegnen?

Wlodarczak: Die größten Hindernisse sind der Mangel an einheitlicher Ausrichtung von IT und Betrieb im Unternehmen, potenzielle Sicherheitsrisiken und disparate Netzwerke. Die Tage, in denen der Betrieb ein Netzwerkprojekt ohne die IT implementieren konnte, sind vorbei. Wenn zum Beispiel die Datenanalyse neue Berechnungsanforderungen ergibt, ist die Unterstützung der IT durchaus hilfreich. Neue Sicherheitsrisiken sind beim IIoT ebenfalls ein Thema und ein wichtiger Bereich, in dem die IT helfen kann. Dies kann sie jedoch nur, wenn sie die betrieblichen Anforderungen umfassend versteht. Die Fertigung wiederum muss die verschiedenen vorhandenen Netzwerke und Protokolle verstehen, bis hin zu den Daten, die sie für die Analyse erfassen möchten. Auf lange Sicht kann es zum Beispiel kostengünstiger sein, alte Maschinensteuerungen für die Datensammlung durch neue zu ersetzen.

Whitehead: Wir sind uns einig: Das größte Hindernis ist der Beginn an sich und die größte Angst gilt der Cybersicherheit. Kleine und mittlere Unternehmen betreiben häufig einzelne Fertigungs- oder Verarbeitungsanlagen. Diese natürliche Trennung ist einerseits gut, weil Prioritäten und die Durchführung autonom festgelegt werden können, und andererseits schlecht, weil nur wenige Mitarbeiter und Ressourcen jeweils zur Verfügung stehen. „Nichts tun“ führt jedoch zu Wettbewerbsnachteilen gegenüber größeren Unternehmen und ist für kleinere und mittlere Unternehmen keine sinnvolle Lösung. Wie sehen es als unsere Pflicht, gemeinsam mit unseren Kunden Lösungen zu entwickeln, die auf die Größe des jeweiligen Unternehmens abgestimmt sind und gleichzeitig die Herausforderungen adressieren, die alle Hersteller betreffen.

SCOPE: Und wie überwinden Sie die Herausforderungen?

Whitehead: Wir haben drei Schlüsselbereiche identifiziert, auf die wir uns zusammen mit Cisco konzentrieren, um für unsere Kunden zielführende Ergebnisse zu erreichen. Unsere gemeinsame Expertise und die Basis unserer langjährigen Zusammenarbeit liegt in der Automatisierungsinfrastruktur. Ergänzend kommt unser Know-how im Bereich Security – Produkte, Lösungen und Dienstleistungen – hinzu, um Unternehmen bei der Risikobekämpfung zu helfen. Außerdem erfüllen wir auch die Anforderungen unserer Kunden hinsichtlich Produktivität und Optimierung, indem wir bei skalierbaren Lösungen für Computing und Analysen zusammenarbeiten. Diese drei Bereiche helfen unseren Kunden, die Digitalisierung ihres Betriebs in einer integrierten Informationsinfrastruktur umzusetzen.

Wlodarczak: Aktuell machen wir viel Basisarbeit, um mittelständische Unternehmen zu überzeugen, überhaupt mit der Digitalisierung zu beginnen. Das können kleine einfache Projekte sein. Wenn sie erfolgreich sind, ergibt sich eigentlich automatisch der Appetit auf mehr. Da Cisco langjährige Erfahrungen mit IT hat und heute Nr. 1 in Industrial Managed Switches ist, können wir unseren Wert auf der Fertigungsebene mit unserem Connected Factory Network und unserem Connected-Factory-Wireless-Angebot belegen. Diese Position versetzt uns in die Lage, die Fragen und Bedenken von IT und Betrieb gleichermaßen anzusprechen und so die Zusammenarbeit zwischen beiden Lagern zu erleichtern. Im Hinblick auf die Sicherheitssicht bevorzugen wir das Konzept „Defense in Depth“. Wir verfügen über eine umfassende Palette mit Sicherheitsprodukten und Softwarelösungen für den Schutz von Unternehmen und Fabrik. Cisco setzt außerdem auf Edge Computing, um isolierte Daten-Silos in älteren Anlagen aufzubrechen.

SCOPE: Sobald ein Netzwerk aktiviert ist, kann es angegriffen werden. Was sind die größten Sicherheitslücken und Gefahren, die mit der Digitalisierung einhergehen?

Whitehead: Eine der größten Sicherheitslücken oder Gefahren ist die Tatsache, dass die Sicherheit über das Netzwerk hinaus geht und dass keine Schutzmaßnahmen vorhanden sind. Ein Defense-in-depth-Sicherheitskonzept beginnt mit einer umfassenden Risikobewertung, also der Einschätzung der Risikotoleranz eines Unternehmens. Der koordinierte Einsatz von Mitigationsstechniken kann dazu beitragen, das Risiko zu minimieren. Dazu zählen das Härten von Geräten, der Zugriff sowie das Härten und Überwachen von Anwendungen, das Härten der Computersysteme, die Einschränkung des Zugangs sowie das Härten und die Traffic-Überwachung bei Netzwerken, physikalische Sicherheitstechniken sowie Schulungen zur Erhöhung des Sicherheitsbewusstseins.

Wlodarczak: Genau. Eine der größten Schwachstellen des Internets der Dinge ist der Mangel an Transparenz. Die Hersteller sind sich vielfach gar nicht bewusst, welche IoT-Geräte mit ihrem Netzwerk verbunden sind. Die Anbindung von Systemen, bei denen Sicherheit nie eine Rolle spielte, öffnet quasi alle Tore. Fertigungsdaten sind ebenfalls häufig isoliert und nicht mit dem externen Unternehmen verbunden. Ein Angriff in einer Fabrik könnte allerdings viel schlimmer sein als der Verlust von Kreditkarten oder persönlichen Daten. Maschinen könnten potenziell manipuliert werden, was gefährliche Betriebszustände oder einen vollständigen Ausfall zur Folge hätte. Auch hier ist das Verfolgen eines Defense-in-depth-Ansatzes entscheidend ebenso wie das Aufdecken der wahrscheinlichsten Angriffsvektoren und die Minderung dieser Risiken.

SCOPE: Welche Rolle wird Blockchain zukünftig für die Branche spielen?

Wlodarczak: Die Blockchain-Technologie kann mehrere Technologien revolutionieren, wie Cybersecurity, Digital Rights Management und Supply Chain Management, um nur einige zu nennen. Blockchain kann helfen, DDoS-Angriffe zu verhindern, da die Transaktionen auf mehreren Computern oder Servern gespeichert werden. So wird es schwierig, die gesamte Kette mit einem gezielten Angriff auf einen einzigen Ort stillzulegen. Aber Blockchain ist immer noch eine sehr neue Technologie. Sie birgt eine ganze Reihe von Herausforderungen, die überwunden werden müssen, bevor sie allgemein eingesetzt werden kann. Da sie sich noch in der Entstehungsphase befindet, fehlt aus auch noch entsprechender Regulierung. Rechtliche Vorschriften werden daher ebenfalls noch Auswirkungen auf die Einführung und Verbreitung von Blockchain haben.

Whitehead: Ja, deshalb ist die Zukunft von Blockchain in den be- und verarbeitenden Branchen noch relativ offen. Die niedrigen Latenzanforderungen an die Kommunikation in der industriellen Automatisierung schließen den Einsatz von Blockchain für die Sicherheitskontrolle aus. Die wahrscheinlichsten Anwendungsfälle sind Supply-Chain-Anwendungen. Die Stärke von Blockchain liegt in Transaktionen – und Transaktionen zwischen Partnern, intern oder extern, sind die Basis der Lieferkette. Die Serialisierung von Produkten, Fälschungssicherung und andere auftragsbezogene Transaktionen werden am stärksten von dieser aufkommenden Technologie profitieren.

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