Tag der Rückengesundheit bei Opel

Wider der ergonomischen Verschwendung

Glaubt man den Gesundheitsreporten, war der größte Auslöser für Arbeitsunfähigkeitstage 2015 die Erkrankung am Muskel-Skelett-System. Damit ist das Thema Ergonomie am Arbeitsplatz mehr als ein Wellness-Thema. Item, Waldmann, Dauphin HumanDesign Group und Wiha zeigten am „Tag der Rückengesundheit“ bei Opel vor Ort, wie ein ausgezeichneter Montagearbeitsplatz aussehen kann.  

Große Reichweiten in Bückhaltung zählen zu den typischen Belastungen in der Automobilproduktion (Foto: Adam Opel AG).

Die ergonomische Verschwendung ist, geht es nach Dr. Martin Schmauder, den sieben Verschwendungsarten der klassischen Lean-Production-Lehre als achte Art hinzuzufügen. Denn wie der Professor für Arbeitswissenschaft an der TU Dresden im Rahmen seins Vortrages „Ergonomie am Montagearbeitsplatz“ erklärte, sei ein Mitarbeiter produktiver, wenn er sein Leistungspotential an einem ergonomischen Arbeitsplatz ausschöpfen könne.

Erst die richtige Kombination aus Stuhl, Tisch und Beleuchtung ergeben einen systemergonomischen Arbeitsplatz. (Bild: AGR

Was sich für die Unternehmen gewinnbringend in einer höheren Qualität und geringeren Nacharbeit sowie in einer höheren Produktivität und Reduzierung von Fehltagen und Ausfallkosten niederschlägt, bedeutet für die Mitarbeiter Erleichterung der Arbeit, höhere Motivation und die Reduzierung von Verletzungen und Erkrankungen. Das klingt nach einer klaren Win-win-Situation, die allerdings nur durch eine Kombination verhaltens- und verhältnispräventiver Maßnahmen erreicht werden kann. Während sich die Verhaltensprävention auf das individuelle Verhalten von Personen konzentriert, beleuchtet die Verhältnisprävention das ergonomische und organisatorische Umfeld.
Wie sollte also eine ergonomisch korrekte Umgebung – sprich ein Arbeitsplatz – in der Produktion aussehen? Für den Verein Aktion Gesunder Rücken (AGR), unter deren Schirmherrschaft die Veranstaltung zur Rückengesundheit stand, ist das Gesamtkonzept entscheidend, das im Wesentlichen drei Bereiche zusammenbringt: den Sitzplatz, den Arbeitstisch und die Beleuchtung. Bezüglich des Arbeitsstuhles gilt, dass dieser, wie auch am Büroarbeitsplatz, maximal flexibel sein und wechselnde Sitzhaltungen unterstützen sollte. 

Anzeige

Tischlein stell dich

Der Tisch ist idealerweise leicht höheneinstellbar und je nach Tätigkeit höhenverstellbar, sodass ein Wechsel zwischen stehender und sitzender Arbeitshaltung möglich ist. Wichtig ist auch der so genannte Greifraum: Alle benötigten Teile, Werkzeuge und sämtliches Zubehör müssen so angeordnet sein, dass sie sich in unmittelbarer Reichweite des Mitarbeiters befinden. Praktisch sind außerdem verschiedene Stauregale, Halterungen und Werkzeugaufhängungen, die den Tischaufbau ergänzen. Der dritte Bereich – die Beleuchtung – wirkt sich direkt auf die Arbeitsleistung und Konzentration aus und kann sogar indirekt die Haltung mit beeinflussen. Wer nämlich nicht richtig sieht, wird unterbewusst seine Haltung auf bessere Sichtverhältnisse ausrichten, auch wenn diese schlecht für den Rücken ist. Für einen optimal ausgeleuchteten Arbeitsplatz muss die Beleuchtung gleichmäßig sein. Dabei sollte sie weder blenden noch Schatten verursachen, um so eine stetige „Korrektur“ der Haltung auf der Suche nach den besten Lichtverhältnissen zu verhindern.
Ein entsprechend dem aktuellen Stand von Forschung und Technik aufgebauter Montagearbeitsplatz konnte am „Tag der Rückengesundheit“ bei Opel direkt unter die Lupe genommen werden: Das mit dem AGR-Gütesiegel „geprüft & empfohlen“ ausgezeichnete Arbeitsplatzsystem von Item. Zur Ausstattung gehören unter anderem individuell anpassbare Stühle von Dauphin und einer für den Einsatz im industriellen Umfeld optimierten Beleuchtung von Waldmann. Werkzeuge mit ergonomischem Griffkonzept von Wiha ergänzen den Arbeitsplatz optimal.

Ein Muss: Eigenmotivation

Die „Hardware“ in Form von Arbeitsplatzsystemen, Licht, Werkzeugen und Stühlen ist eine Sache. Eine andere ist, das Thema Rückengesundheit im Bewusstsein der Mitarbeiter positiv zu verankern. Denn ein ergonomischer Arbeitsplatz allein hält keinen Rücken gesund. Mangelnde Bewegung, monotone Köperhaltungen und Zwangshaltungen sowie eine ungünstige mentale Einstellungen beim Umgang mit Rückenschmerzen können trotz korrektem Stuhl und heller Lampe zu einem schmerzenden Rücken führen.
So legte der Sportwissenschaftler Ulrich Kuhnt, der auch Mitglied des Direktoriums des Bundesverbandes deutscher Rückenschulen (BdR) ist, in seinem Praxisvortrag „Ergonomie in der Produktion“ einen Schwerpunkt auf das Zusammenspiel von Verhaltens- und Verhältnisprävention und brachte damit die Dynamik ins Spiel. Indem Mitarbeitern individuelle Spielräume für Verhaltensweisen und die Arbeitsplatzgestaltung angeboten würden, könnten diese nach den Prinzipien der sogenannten Ergodynamik so viele natürliche Bewegungsabläufe wie möglich ausführen. Die Bewegung tut sowohl den Bandscheiben als auch der Skelettmuskulatur gut.
Das setzt natürlich auch ein gewisses Maß an Eigenmotivation voraus. So fordert die AGR dazu auf, auf ein bewegtes, ergonomisches Arbeits- und Freizeitumfeld zu achten und monotone Körperhaltungen zu vermeiden. Denn durch ausreichend Bewegung, ein rückenfreundliches Verhalten und eine enstprechende Umgebung, könnten Rückenbeschwerden verhindert und bereits bestehende Schmerzen gelindert werden. cs

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige

3D-Kameras

Keine falsche Bewegung!

„Achtung, diese Bewegung verursacht Rückenschmerzen“ – so könnte ein digitaler Assistent in Zukunft warnen. Wissenschaftler des Instituts für Integrierte Produktion aus Hannover entwickeln ein Kamerasystem, das Arbeitern bei der Montage über die...

mehr...

Ergonomischer Arbeitsplatz

Ergonomische Arbeitsplätze

und speziell höhenverstellbare Steh-Sitz-Arbeitsplätze sorgen nicht nur für mehr Abwechselung bei der täglichen Büroarbeit, sie beugen auch Rückenschäden vor. Das Unternehmen Leuwico bietet Büroeinrichtungssysteme mit fortschrittlichen und...

mehr...
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Manuelle Fertigung

Optimiertes Arbeitsplatzsystem

Zahlreiche neue Komponenten für das Arbeitsplatzsystem von Item sorgen für Struktur und individuelle Anpassung. Dazu gehören unter anderem der Thin Client Halter für die Computerbefestigung und der Werkzeughalter Flexhalter.

mehr...

Modische Arbeitskleidung

Was Profis sich wünschen

Die Erwartungen von Unternehmen und ihrer Mitarbeiter an Berufskleidung haben sich verändert. Es geht nicht mehr nur um Funktionalität, sondern immer mehr auch um Identität. Die Kleidung soll zeigen, wer man ist. Gerade das Handwerk drückt so seine...

mehr...
Anzeige
Anzeige
Anzeige

3D-Kamerasystem

Mehr Sicherheit für Mensch und Maschine

Das österreichische Start-up Tofmotion hat eine neue Möglichkeit der sicheren Raumüberwachung im Industrieumfeld zur Marktreife gebracht: Die Produktgruppe Tofguard ermöglicht es, das 3D-Kameraverfahren Time of Flight (ToF) erstmals auch mit...

mehr...