Arbeitsschutz + Arbeitssicherheit

Niedrige Löhne, gut ­ausgebildetes Personal

Große und kleine Unternehmen entdecken die Vorzüge der Tschechischen und der Slowakischen Republik. Niedrige Löhne bei vergleichsweise hohem Ausbildungsniveau sind aber nur die eine Seite der Pro-Argumente, einige Zuliefererfirmen lockt die Nähe zu neuen Kunden.

Jeder zweite Automobilzulieferer plant derzeit eine Verlagerung nach Osteuropa oder China, so das Ergebnis einer Befragung der Unternehmensberatung Ernst & Young bei 200 deutschen Zuliefererbetrieben. Jeder Dritte ist schon in Osteuropa, jeder sechste in China. Die Argumente klingen vertraut: Niedrige Löhne kombiniert mit gut ausgebildeten und flexiblen Arbeitskräften.

Die Hauptargumente für den Standort Tschechische Republik: eine gute Infrastruktur sowie gut ausgebildetes Personal. Beide Länder, ­Tschechien und ­Slowakei, haben gemäß der OECD-Studie „Bildung auf einen Blick“ ­(„Education at a glance“) einen höheren Bevölkerungsanteil mit mindestens Abitur oder Berufsausbildung bei den 25 bis 64-Jährigen als Deutschland (siehe Tabelle). Diese als Sekundarstufe II bezeichnete Größe gilt als Maßstab für das Bildungsniveau einer Volkswirtschaft.

Holzkisten aus Civkov

Seit zehn Jahren produziert die Moser Verpackungsmanufaktur GmbH aus Waiblingen in Tschechien. Doch erst die hohen Lagerkosten haben das schwäbische Unternehmen dazu bewogen, vor Ort eine eigene Tochter zu gründen. Der Betrieb mit zwölf Mitarbeitern handelt mit Geschenkkartonagen für Weine und produziert für hochwertige Weinpräsente Holzverpackungen, auf denen die Namen der Schenkenden eingebrannt oder per Siebdruck aufgedruckt werden. Das Problem: Der Verkauf dieser Kisten findet hauptsächlich zum Jahresende statt. Produziert werden die Kisten jedoch über das ganze Jahr, also müssen die von Januar bis September hergestellten Verpackungen vergleichsweise lange zwischengelagert werden.

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„Wir standen vor vier Jahren am Scheideweg. Die Lagerkapazitäten in Deutschland waren ausgereizt, eine Erweiterung wäre sehr teuer geworden“, erklärt Bertram Haak, geschäftsführender Gesellschafter. So beschloss die ­Moser im Jahr 2000 eine alte Möbelfabrik in Civkov/Nordböhmen mit einem 3,5 Hektar großen Grundstück zu erwerben und dort eine eigene Tochtergesellschaft zu gründen, die nicht nur die Holzverpackungen produziert, sondern auch ein Großteil der Lagerung übernimmt. Insgesamt arbeiten in Tschechien 30 Mitarbeiter, davon zwei in der Verwaltung. 15 Prozent der Holzkisten werden sogar direkt an tschechische Kunden verkauft. Insgesamt erzielt Moser einen Jahresumsatz von vier Millionen Euro.

Nah beim Kunden

Nicht nur die niedrigen Personalkosten, sondern auch die Nähe zum Kunden waren für Storopack der Grund im vergangenen Jahr eine Niederlassung in ­Telnice, ebenfalls in Tschechien, zu gründen. Dort produziert der Hersteller von Verpackungsmaterial mit zwölf Mitarbeitern vor Ort Formteile aus Styropor und beliefert von dort aus Kunden wie Sony, Matsushita-Panasonic oder Pfaff, die in Tschechien und der Slowakei Standorte betreiben. Aus Sicht des Unternehmens sichern kurze Transportwege zu den Fertigungsstätten der Kunden und damit auch kurze Lieferfristen Preis- und Wettbewerbsvorteile. Die Investitionssumme beträgt weniger als eine Million Euro und lässt damit Luft für weitere osteuropäische Niederlassungen. Die Vorgehensweise des Unternehmens besteht grundsätzlich darin, seinen Kunden zu folgen und vor Ort präsent zu sein.

Dennoch ist nach Angaben von Ernst & Young eine Produktionsverlagerung ins Ausland immer auch mit hohem Zeitaufwand und hohen Kosten verbunden. Peter Fuß, Leiter des Bereichs Automotive: „Viele Unternehmen haben sich bei Produktionsverlagerungen schon eine blutige Nase geholt. Hohe Verlagerungskosten, Anlaufschwierigkeiten bei der Produktion, Produktions- und Lieferausfälle, eine oft schwierig und teure Personalbeschaffung – die zahlreichen Probleme werden gerade von kleineren Unternehmen leicht unterschätzt.“

Ein Argument gegen die Verlagerung ins Ausland vergessen Unternehmen hin und wieder: Zwar tritt die Zulieferindustrie gegenüber dem normalen Verbraucher nicht in Erscheinung, aber bei deutschen Konsumenten kann die Produktionsverlagerung ins Ausland angesichts der hohen Arbeitslosigkeit ein schlechtes Image erzeugen. Geraldine Friedrich/sg

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