Fünf Kompetenzfelder unter einem Dach

SKF im Porträt

Seit der Erfindung des zweireihigen Pendelkugellagers hat SKF die Grenzen des technisch Machbaren kontinuierlich ausgebaut. Heute vereint der traditionsreiche Technologiepionier fünf Kompetenzfelder unter seinem Dach: Lager und Lagereinheiten, Dichtungen, Mechatronik, Dienstleistungen und Schmiersysteme. Daraus ergeben sich Synergien, von denen inzwischen Anwender in über 40 Branchen profitieren.

Ernstzunehmende technische Schwierigkeiten plagten den schwedischen Wartungsingenieur Sven Wingquist zu Beginn 20. Jahrhunderts: In seiner Textilfabrik in Göteborg fielen ständig die Maschinen aus. Deren Antriebswellen gerieten nämlich wegen des instabilen Untergrunds der Produktionshallen immer wieder in „Schieflage“, was die seinerzeit verfügbaren Lager nicht verkrafteten. Daher tüftelte Wingquist nächtelang an einer Lösung, bis er sie schließlich im zweireihigen Pendelkugellager fand. Dieses – damals revolutionäre – winkelbewegliche Lager gilt heute als Keimzelle des SKF Konzerns.

Um neue Märkte zu erschließen, reiste Wingquist nach der Gründung der Svenska Kullagerfabriken im Februar 1907 rund um den Globus. Mit dem Ergebnis, dass das Unternehmen nach wenigen Jahren bereits Vertretungen und Vertriebsorganisationen in vielen Ländern Europas und sogar in Australien, Japan, Nord- und Südamerika sowie Südafrika hatte. „In nur zehn Jahren“, sagt Manfred E. Neubert, der derzeitige Vorsitzende der Geschäftsführung der SKF GmbH, „war SKF fast überall auf der Welt vertreten. Dadurch ist SKF zu einem der ersten wirklich globalen Unternehmen geworden.“

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In den Folgejahren realisierte Sven Wingquist für immer mehr Anwendungsfälle weitere neuartige Lagerlösungen. Sein Erfolgsrezept bestand daran, technische Fortschritte mit detaillierten Kunden- und Branchenkenntnissen zu kombinieren und daraus die nächste Generation innovativer und marktgerechter Produkte, Lösungen und Serviceleistungen zu entwickeln. Dieses Prinzip gilt für SKF auch heute noch. Auf Basis seiner historischen Wälzlager-Wurzeln und den wachsenden Erfahrungen aus immer mehr Industriezweigen ist das Unternehmen mittlerweile zu einem Technologieführer mit sehr weit reichenden Kompetenzbereichen herangewachsen. Mit dem plausiblen Ziel, sich zusätzliche Märkte zu erschließen und die eigenen Kompetenzen auszubauen, hat es sich in den vergangenen Jahren immer weiter verstärkt. Und zwar ganz gezielt in den jeweils angrenzenden Produktbereichen. Dafür gibt es eine ganze Reihe von Beispielen.

Im Jahr 1976 etwa startet das Unternehmen die Produktion eigener Lineartechnik (Linear-Wellenführungen); wenig später kommen Kugel- und Rollengewindetriebe sowie elektromechanische Hubzylinder hinzu. Auf diese Weise legt SKF bereits das Fundament für die Entwicklung seiner Mechatronik-Lösungen. Mehrheitlich beteiligt es sich dann 1989 am Zustandsüberwachungs-Spezialisten Palomar und erweitert dadurch seine Dienstleistungs-Kompetenzen. Im Jahr darauf übernimmt das Unternehmen den Dichtungsspezialisten Chicago Rawhide und baut auf diese Weise sein Portfolio auf dem Gebiet der Dichtungstechnik aus. 2004 schließlich erwirbt es mit der Willy Vogel AG einen der Weltmarktführer für Schmiersysteme. „Warum sich ein Wälzlager-Hersteller für Schmierung interessiert, liegt auf der Hand“, sagt Manfred E. Neubert, der selbst aus den ehemaligen Vogel-Reihen stammt: „Der häufigste Grund dafür, dass ein Lager ausfällt, ist mangelnde oder falsche Schmierung.“ Davon weiß jeder Instandhalter ein Lied zu singen.

Im Jahr 2005 verkündet SKF offiziell seine Plattform-Strategie. Um seine Kompetenzen und Marktchancen entlang der fünf Plattformen Lager und Lagereinheiten, Dichtungen, Mechatronik, Dienstleistungen und Schmiersysteme zielgerichtet auszubauen, füllt das Unternehmen vorhandene Lücken in den einzelnen Kompetenzfeldern auch in der Folgezeit konsequent: 2006 integriert es den österreichischen Dichtungsspezialisten Economos in die SKF Familie, wodurch man Fertigungs- und Werkstoff-Know-how hinzugewinnt. Mit der Akquisition des Schmiersysteme-Herstellers Lincoln (2010) verfügt die Gruppe über das weltweit größte Schmiersystem-Angebot.

GEWALTIGES MARKTPOTENZIAL VOR AUGEN

Im vergangenen Jahr kam mit Blohm + Voss Industries ein renommierter Schiffszulieferer hinzu, womit der Konzern seine Position im Schiffbau stärkt, sein maritimes Produktportfolio erweitert und seine Präsenz rund um den Globus ausbaut. Außerdem wird im Herbst 2013 mit Kaydon ein diversifizierter Industriehersteller mit Geschäftsbereichen für Reibungskontrollprodukte (hauptsächlich Lager), Geschwindigkeitskontrollprodukte sowie für spezielle Produkte und Dienstleistungen (u. a. für den Umweltschutz) in die Gruppe aufgenommen. „Das alles hat dazu geführt, dass SKF heute über 40 verschiedene Industriezweige beliefert – längst nicht mehr nur mit maßgeschneiderten Lagern und Lagereinheiten, sondern auch mit Dichtungen, Mechatronik, Schmiersystemen und Dienstleistungen“, sagt Manfred E. Neubert.

Weltweit betrachtet spiegeln diese Tätigkeitsfelder ein riesiges Marktpotenzial wider: Das jährliche globale Volumen liegt im Bereich Lager und Lagereinheiten bei etwa 37 Milliarden Euro, 9 Milliarden sind es im Bereich Dichtungen, 5,6 Milliarden im Bereich Mechatronik und 3,4 Milliarden im Bereich Schmiersysteme. Hinzu kommt ein rasant wachsender Dienstleistungs-Markt, etwa für die Effizienzsteigerung von Maschinen und Anlagen aller Art (Asset Efficiency Optimization). „Um uns von dem gesamten Kuchen auch in Zukunft ein möglichst großes Stück abschneiden zu können, haben wir allein im letzten Jahr rund 207 Millionen Euro in Forschung und Entwicklung investiert“, berichtet Neubert. Daraus seien 468 Patenteinreichungen hervorgegangen.

Die Vielzahl von Patentanmeldungen ist ein Ergebnis der Plattform-Strategie. Denn die fünf Kompetenzfelder versetzen das Unternehmen in die Lage, einmal realisierte Lösungsansätze für den einen Industriezweig schnell auf einen anderen Anwendungsbereich zu übertragen. „Im

Prinzip erwartet jeder Kunde von einer neuen Lösung immer auch eine weitere Effizienzsteigerung“, berichtet Manfred E. Neubert. „Um eine solche Effizienzsteigerung in Zeiten verhältnismäßig reifer Technologien noch realisieren zu können, kommt es immer mehr darauf an, das tribologische Gesamtsystem zu optimieren. Es gilt also, das dynamische Zusammenspiel aller beteiligten Komponenten zu verbessern.“ Die damit verbundene Themenbandbreite reicht von der Materialauswahl bis hin zur geometrischen Anordnung und Oberflächenbehandlung. Hinzu kommt die Spezifizierung von Schmierstoffen bzw. -systemen und Dichtungen. „Zu diesem Zweck nutzen wir unser gebündeltes Experten-Wissen über alle fünf Kompetenzfelder hinweg“, betont der Chef der deutschen SKF. ms

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