Thomas Witzler im Interview

„Der Wälzlagermarkt steht vor einem Umbruch“

Der österreichische Wälzlagerhersteller NKE wird in diesem Jahr vollständig vom spanischen Hersteller Fersa Bearings übernommen. Als Gruppe wollen beide Unternehmen gestärkt am Weltmarkt auftreten, der ebenfalls ständigen Entwicklungen und Veränderungen unterworfen ist. Thomas Witzler, Geschäftsführer von NKE, äußert sich im Interview über die strategische Ausrichtung und die Pläne des Steyrer Unternehmens für die kommenden Jahre.

SCOPE: Zwei Jahre sind seit der Fusion mit Fersa Bearings vergangen. Kann man bereits ein Resümee ziehen und wie wird sich die Zusammenarbeit in Zukunft entwickeln?

Thomas Witzler, Geschäftsführer der NKE Austria GmbH in Steyr

Thomas Witzler: In naher Zukunft werden NKE und Fersa Bearings noch näher zusammenrücken als bisher. Fersa wird im Laufe des Jahres 2018 seine Kaufoption ausüben, um die verbleibenden 51 Prozent von NKE zu übernehmen, wodurch NKE zu einem vollständigen Teil der Fersa Group werden wird. Als Gruppe ist man vorbereitet, sowohl Fertigungskapazitäten zu erweitern und gemeinsam zusätzliche Fabriken aufzubauen, als auch Synergien in allen Unternehmensbereichen gezielt zu nutzen. Weiterhin wird es von NKE eine gezieltere Ausrichtung auf unsere vier strategischen Branchen Mechanical Drives, Electrical Drives, Agri-tech und Fluid Technology geben. Das klare Ziel als Unternehmensgruppe ist es, bis 2020 die Umsatzgrenze von 100 Millionen Euro zu übertreffen.

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SCOPE: Wie sieht NKE die Entwicklung des globalen Wälzlagermarktes in den nächsten zwei Jahren?

Witzler: Wir sehen sehr positiv in die Zukunft. 2017 war ein ausgezeichnetes Jahr für NKE. Mit einem Umsatzwachstum von 20 Prozent wuchsen wir um 13 Prozentpunkte stärker als der globale Wälzlagermarkt. Auch der Auftragseingang 2017 lag 50 Prozent über dem des Vorjahres, weshalb wir im Augenblick keinen Grund sehen, an einem vergleichbaren Umsatz- und Marktwachstum 2018 und 2019 zu zweifeln.

Generell wird der Wälzlagermarkt in den nächsten fünf bis zehn Jahren vor einem Umbruch stehen. Vor allem der Automotive-Markt wird wegen des sich verstärkenden Trends hin zu Elektromobilität und dem daraus folgendem niedrigeren klassischen Lagerbedarf unter Druck geraten. Wir erwarten, dass die dadurch frei werdenden Kapazitäten sich vom Automotive- in den Industriebereich verschieben und für weiteren Preisdruck sorgen werden.

Ein weiterer Trend ist, dass klassische deutsche Automobilzulieferer sich immer mehr in Richtung Systemlieferant entwickeln. Die Zukunft geht weg von einzelnen mechanischen Komponenten und hin zu intelligenten, speziellen Systemen.

SCOPE: Welche Schritte muss ein mittelgroßer Wälzlagerhersteller tun, um von diesen Entwicklungen und Trends profitieren zu können?

Witzler: NKE investiert stark in die Technologien von morgen. Da die klassische Wälzlagertechnologie sich in relativ engen Bahnen bewegt, wird profitables Wachstum langfristig nur mehr in Nischen möglich sein. Deshalb fokussiert sich NKE auf die Entwicklung intelligenter Produkte wie zum Beispiel der des Sensorlagers.

SCOPE: Welche Ziele hat sich die Unternehmensgruppe selbst gesetzt?

Witzler: Wir planen eine Profitabilität von mindestens 10 Prozent. Das Ziel ist, neben Kundennähe auch Flexibilität und Schnelligkeit weiter zu erhöhen und 200 Millionen Euro Umsatz in der Gruppe zu erwirtschaften. Dies soll sowohl durch organisches als auch anorganisches Wachstum mittelfristig realisiert werden.

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