Handlungsagenda TUM.Additive

Mara Hofacker,

TU München: Kräfte bündeln zur Additiven Fertigung

Mit der Handlungsagenda TUM.Additive initiiert die Technische Universität München einen umfassenden Forschungsschwerpunkt zur Additiven Fertigung. Gemeinsam mit High-Tech-Partnern aus der Wirtschaft gründet die TUM den „Bavarian Additive Manufacturing Cluster“ mit dem Ziel, Bayern als führende Wirtschaftsregion für digitale Fertigungstechnologien zu etablieren.

Lichtbogen- und drahtbasierte additive Fertigung (WAAM). © iwb / TUM

Damit setzt die TU München (TUM) den ersten Meilenstein ihrer Zukunftsstrategie der aktuellen Exzellenzinitiative, TUM Agenda 2030, um.

Durch Einsatz neuer Rohstoffe, innovativer Materialien und intelligenter Kombinationen lassen sich durch neue Verfahrenstechnologien auf Basis digitaler 3D-Konstruktionen verschiedenste Bauteile maximal komplexer Geometrien last- und funktionsorientiert gestalten und schichtweise (additiv) aufbauen. Aufgrund von Energie- und Ressourceneinsparung kann die additive Fertigung einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele leisten. Die in hohem Maße digitalisierbaren Prozesse der additiven Fertigung versprechen zudem eine Rückverlagerung von Produktionskapazitäten und damit von hochqualifizierten Arbeitsplätzen nach Deutschland.

Mit der Additiven Fertigung lassen sich neue Produkte und Funktionalitäten erstellen, die auf die individuellen Bedürfnisse von Nutzern ausgerichtet sind. „Das ist ganz im Einklang mit dem Ansatz eines Human-centered Engineering als Leitstrahl der strategischen Entwicklung der TUM. Die Additive Fertigung hat das höchste Potential, die produzierenden Industriesektoren grundlegend zu revolutionieren“, sagt Thomas F. Hofmann, Präsident der TUM, auf der Munich Technology Conference on Additive Manufacturing (MTC3). Die Fachkonferenz mit Fokus auf die industrielle Anwendung der additiven Fertigung findet derzeit bereits zum dritten Mal an der TUM statt.

Fachübergreifende Expertise der TUM

„Die nachhaltige industrielle Nutzung der Additiven Fertigung erfordert die Erforschung und Optimierung der gesamten Prozesskette in den Kernbereichen Materialien und Werkstoffe, Prozesstechnologien und Digitalisierung“, erklärt Hofmann. Nun bündelt die TUM mit der Handlungsagenda TUM.Additive ihre Kompetenzen von über 30 Professuren in Forschung, Innovation und Lehre in einem interdisziplinären Ansatz zur Materialforschung von Feststoffen, Fluiden und Biomaterialien bis hin zu ihrer Anwendung in Maschinenbau, Automobilindustrie, Luft- und Raumfahrt, Bau, Medizintechnik und im Lebensmittel-Bereich.

Potenzial für den Wirtschaftsstandort Bayern

„Die Voraussetzung für eine Industrialisierung additiver Fertigungsverfahren ist die integrative Zusammenarbeit kraftvoller Partner aus Industrie und Wissenschaft“, erklärt Hofmann. „Nur so können wir technologische Hürden überwinden und offene Fragen der Standardisierung beantworten.“ In Erweiterung ihrer „Industry-on-Campus“-Strategie initiiert die TUM deshalb gemeinsam mit den Gründungspartnern Oerlikon, GE Additive und Linde den Forschungsverbund „Bavarian Additive Manufacturing Cluster“. Damit soll sich Bayern zu einer der führenden Wirtschaftsregionen im Bereich der Additiven Fertigung entwickeln. „Die Ausgangsbedingungen dafür sind ideal und das Potential groß. Deshalb erweitern wir unsere Zusammenarbeit mit Technologieunternehmen wie Airbus/Ariane Group, SAP, Clariant, Siemens und TÜV Süd“, erklärt Hofmann.

Erfolgreiche Start-ups im Bereich Additive Fertigung

Durch innovative Angebote soll eine neue Generation an Spezialisten für das Zukunftsfeld des Additive Manufacturing ausgebildet und eine nachhaltige Breitenimplementierung von Technologien der Additiven Fertigung im produzierenden Gewerbe erreicht werden. Zahlreiche erfolgreiche Unternehmensausgründungen belegen die Qualität der TUM-Ausbildungsangebote: Voxeljet entwickelt industrielle Drucksysteme für Kunststoff und Sand, Vectoflow fertigt mithilfe von 3D-Druck individuell konzipierte Strömungssonden und Kumovis entwickelt 3D-Drucker, die speziell auf medizintechnische Anforderungen zugeschnitten sind und zum Beispiel Schädelplatten- oder Wirbelsäulenimplantate herstellen können.

Durch internationale Kooperationen will die TUM ihren Aktionsradius zum Schwerpunkt Additive Fertigung erweitern. So werden neue Impulse durch die Zusammenarbeit mit der Deutsch-Französische Akademie für die Industrie der Zukunft, dem TUM-Flagschiffpartner Imperial College London und dem Skolkovo Institute of Science and Technology (Moskau) erwartet.

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