Additive Fertigung

Rapid.Tech 2012: „Um die Ecke denken“

Zum neunten Mal lädt die Rapid.Tech am 8. und 9. Mai in Erfurt Neueinsteiger und Experten der additiven Fertigung dazu ein, sich über die Fortschritte der Technologien zu informieren. Besonders dem Konstrukteurstag spricht Rapid.Tech-Initiator Professor Andreas Gebhardt eine Rückendeckungsfunktion zu, die es jüngeren Kollegen erlaubt, solch neuartige Möglichkeiten tatsächlich im eigenen Unternehmen umzusetzen.
Professor Andreas Gebhardt sieht die Bionik als eine Art Leitfaden für Konstrukteure, anhand dessen sie die neugewonnenen Freiheiten der Schichtbautechnologien tatsächlich an ihrem Arbeitsplatz umsetzen können. (Bild: Messe Erfurt)

CCR: Professor Gebhardt, langsam häufen sich die Beispiele, dass Additive Manufacturing – kurz AM – für immer mehr erfolgreiche Unternehmen zum Alltag gehört. Sie haben daher bei der diesjährigen Rapid.Tech einen Vortrag ins Programm aufgenommen, was das für künftige Geschäftsmodelle bedeutet.

Gebhardt: Wir sind sehr froh, dass wir als Vortragenden zu diesem Thema Dr. Phil Reeves von Econolyst gewinnen konnten, einer in Großbritannien ansässigen Beratungsfirma, die Forschungsarbeiten, Projektmanagement und Schulung auf dem Gebiet der generativen Fertigungstechnologien anbietet. Reeves ist vielen hier auf dem Kontinent noch gar kein Begriff, beschäftigt sich aber seit Längerem damit, wie man mit den Schicht-Technologien Geld verdienen kann. Eine Geschäftsidee ist sicherlich der internetbasierte 3D-Druck-Marktplatz Shapeways, aber eben nicht die einzige. Es geht auch um die Frage, ob es überhaupt noch Geschäfte geben wird. Dieser Vortrag spricht natürlich eher die mittlere und obere Geschäftsleitung an.

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CCR: Im Programm des Konstrukteurstages fällt eine starke Verknüpfung zwischen der additiven Fertigung und der Bionik auf. Wie kommt es dazu?

Gebhardt: Mit den durch die Technologie gewonnen Freiheiten können längst nicht alle umgehen. Sagt man Konstrukteuren oder auch Studenten, ‚ihr könnt jetzt das berühmte viereckige Loch, das um die Ecke geht konstruieren − jetzt müsst ihr euch nur noch freuen und loslegen‘, dann werden die Augen groß und viele wissen eigentlich immer noch nicht, wie sie die Möglichkeiten nutzen können. Hier kann die Bionik Konstrukteuren als eine Art Leitfaden dienen, wie sie einige der Ideen, die sie im Rahmen solch einer Konferenz hören, anschließend an ihrem eigenen Schreibtisch umsetzen können. Es wird auch einen Vortrag aus dem Hause FIT Fruth Innovative Technologies geben, denn Charly-Fruth-Leute denken immer etwas um die Ecke und geben Konstrukteuren gute Beispiele. In den Vorträgen werden übrigens auch nicht-additive Verfahren wie etwa das Gießen besprochen, weil es an bestimmten Stellen besser weiter hilft, etwa indem man sehr schnell an Gussprototypen kommt.

CCR: Worin sehen sie den Hauptvorteil des Konstrukteurstages?

Gebhardt: Aus meiner Sicht hat der Konstrukteurstag eine Rückendeckungsfunktion. Unterbreitet jemand in der Firma seine Ideen, kann er nach einem Besuch in Erfurt argumentieren, mit wem er alles über seine Ideen gesprochen hat und dass diese für gut befunden wurden. Er kann also belegen, dass er kein Phantast ist, sondern dass es da wirklich eine Bewegung gibt.

CCR: Kennen Sie diese Problematik aus Ihrem Dienstleistungszentrum?

Gebhardt: Ja, aber das ist ein grundsätzliches Problem, weil die operativen Geschäftsleitungen immer am Ergebnis interessiert sind – und das kann man umso besser abschätzen, je mehr man sich auf festem Boden befindet. Das darf man denen auch nicht übel nehmen, denn um nicht den ganzen Laden zu gefährden, dürfen sie nicht – wie Merkel neulich sagte – Risiko mit Abenteuer verwechseln. Möchte jemand neue Methoden ausprobieren, ohne direkt beweisen zu können, wie viel Geld er damit verdient, ist er immer in einer schlechten Position. Hier helfen gute Beispiele weiter − siehe Festo. Wenn eine Firma, die unabhängig vom additiven Fertigen erfolgreich ist, auf diesem Gebiet jetzt erfolgreiche Produkte präsentiert, die auch noch einen Aha-Effekt erzielen, kann man im eigenen Unternehmen eher eine Idee durchsetzen. Genau in diesem Schnittfeld befinden wir uns mit solchen Tagungen, auf denen absolute Anhänger, Interessenten aber auch Kritiker zusammen treffen.

CCR: Dieses Jahr widmen Sie dem Thema Medizintechnik erstmals ein ganzes Fachforum. Wie kam es dazu?

Gebhardt: Mit dem Fachforum Medizintechnik wollen wir noch tiefgehendere Diskussionen ermöglichen, als das vor zwei Jahren im Rahmen der Sonderschau möglich war. Je näher man nämlich an einem Thema dran ist, umso unterschiedlicher sind doch die Einsatzfälle. Die Fachforen ermöglichen es den jeweiligen Fachbesuchern, nicht nur über additive Fertigung zu sprechen, sondern auch andere Themen im Umfeld aufzugreifen. Schwerpunktmäßig kommen die Vorträge aus der eigentlichen Medizin, speziell der Implantattechnik. Das hat auch damit zu tun, dass die Schnittmenge zwischen Konstruktion, Maschinenbau und Medizintechnik eben genau so ein Implantat ist. Aber wir haben auch einige Vorträge zur Medizintechnik, in denen die additiven Verfahren mehr und mehr eingesetzt werden. Es gibt Sessions zur medizinischen Modellierung – also wie komme ich überhaupt an die Daten. Während in der normalen Produktentwicklung alles auf einem 3D-CAD-Datensatz aufsetzt, definiert in der Medizin ja der Patient individuell die Daten. Andere Vorträge widmen sich der Frage, wie wir diese Daten im Bauraum orientieren und die Oberfläche gestalten müssen. Und wir kommen zunehmend in Randbereiche wie die Zulassung rein, die besonders in der Medizintechnik aber auch in der Luftfahrt sehr wichtig sind.

CCR: Ihre letztes Jahr eingeführte Einführungsveranstaltung am Vortag haben 34 Neulinge besucht. Geht Ihr Konzept auf, die Vorträge so zu gestalten, dass Einsteiger und Experten sie gleichermaßen interessant finden?

Gebhardt: Ich war bei der Premiere letztes Jahr überwältigt, wie viele Zuhörer sich diese vier Stunden angetan haben. Das hat uns darin bestätigt, wie wichtig diese Einführungsveranstaltung ist, denn es tut sich eine große Schere auf zwischen denen, für die das noch Neuland ist und jenen, für die es bereits Alltagsgeschäft geworden ist.

CCR: Professor Gebhardt, herzlichen Dank für Ihre Zeit und gutes Gelingen für die Rapid.Tech.


Interview: Monika Corban, freie Mitarbeiterin, CAD-CAM REPORT

Messe Erfurt, http://www.rapidtech.de Centrum für Prototypenbau GmbH, Erkelenz Tel. 02431/9635-0, http://www.cp-gmbh.de

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