PLM-Software

Passendes Product Lifecycle Management für die 3D-Konstruktion

Seit mehr als 60 Jahren entwerfen die Konstrukteure von StrikoWestofen Industrieöfen für Kunden aus aller Welt. Nach der Einführung der 3D-Konstruktion benötigte das Unternehmen in Instrument mit Funktionen, über die das bisherige 2D-PLM nicht mehr verfügte. Der Einsatz der neuen PLM-Lösung Pro.File vereinfacht die Konstruktion nun sichtlich. 

Die StrikoWestofen Group ist ein global agierender Hersteller thermischer Prozesstechnik für die Leichtmetall-Gussindustrie und liefert energieeffiziente Lösungen für den Druckguss, Schwerkraftguss, Sandguss, Niederdruckguss und Strangguss.

Die Zusammenarbeit zwischen Konstrukteuren wurde erleichtert, Änderungskonflikte treten nicht mehr auf

Die Modernisierung von CAD- und PLM-Infrastrukturen sollte dazu genutzt werden, die Zusammenarbeit prozesssicherer und nachvollziehbar zu gestalten. 

2008 führte das Unternehmen 3D-Konstruktion mit Inventor ein, parallel zur bisherigen 2D-Konstruktion mit AutoCAD Mechanical. Ziel war es, im Laufe der nächsten Jahre ganz auf 3D umzustellen. Für die elektrische Konstruktion kommt die E-CAD-Software von EPLAN zum Einsatz.

Dosierofen Westomat Plus+

Die Hinzunahme der 3D-Konstruktion bedeutete für das Unternehmen ein Umdenken im Produktdatenmanagement. Das bisherige PDM-Tool (KLIO) war im 2D-Umfeld ausreichend, für die 3D-Konstruktion benötigte StrikoWestofen jedoch ein Instrument mit weiterreichenden Funktionen. Baugruppen sollten nachvollziehbar ein- und ausgescheckt sowie komplexe Produktionsworkflows abgebildet werden. Zum Zuge kam Pro.File der Procad GmbH, implementiert vom Autodesk-Partner Cideon, der die AutoCAD-Landschaft bei StrikoWestofen seit langem betreut.

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Christian Müller, Auftragskonstrukteur bei StrikoWestofen: „Sobald man eine Inventor-Baugruppe aus dem PLM-System öffnet, werden alle Teile der Gruppe gesperrt und auf die lokale Festplatte ausgecheckt. Dort arbeitet der CAD-Key-User dann mit allen Funktionen von Inventor in der oberen Baugruppe. Änderungen werden anschließend im PLM gespeichert. Arbeitet ein anderer Konstrukteur an der Baugruppe, ist ein ‚Check-out‘ nicht möglich.“

Intelligente Abbildung kundenspezifischer Aufträge durch Verbindung von PLM mit CAD und ERP-Systemen

Dies verhindert das Entstehen von Änderungskonflikten. Bislang nämlich gab es diese Sperrung inklusive Schreibschutz nicht und die Konstrukteure arbeiteten direkt auf der Datenbank. Wer eine Unterbaugruppe öffnete, konnte sie nach Belieben ändern, obwohl sie im PDM-Tool freigegeben war. So kam es immer wieder zu Bearbeitungskonflikten, Dateistände wurden unwissentlich überschrieben – im 2D-Umfeld kein Problem, weil es dort nur oberflächliche Dateien gibt: eine Zeichnung gleich eine Datei. „In Inventor hingegen ist jedes Teil ein eigenständiges Dokument“, erklärt Müller, „dafür braucht man ein 3D-fähiges PDM/PLM-System.“

Teilen und Baugruppen wiederverwenden

Eine besondere Rolle in der Konstruktion von neuen Öfen spielt für Christian Müller das Pro.File Modul ‚Managed Copy‘ für die Wiederverwendung von Teilen und Baugruppen. Bei einem neuen Ofen geht man von einer vorhandenen Konstruktion aus und erstellt eine Kopie eines bereits fertigen Ofens. Alle unveränderten Teile werden einfach wiederverwendet. Es wird also, wann immer möglich, auf bestehende Konstruktionen zurückgegriffen. Nur Teile oder Komponenten, die tatsächlich verändert werden, sind anzupassen. Das Modul kopiert hier nur die CAD-Struktur, sondern auch alle Zeichnungen und passt dabei die Schriftfelder an – angesichts der zum Teil sehr großen Baugruppen bei StrikoWestofen erspart dies viel Routinearbeit.

Strukturierte Ablage und Workflows

Auftragskonstrukteure Christian Müller (links) und Georgios Petsidis.

Neben dem gesicherten Ein- und Auschecken ging es dem Unternehmen darum, seine Arbeitsabläufe sauber abzubilden. Für jedes Produkt haben die Konstrukteure entsprechend der in den Inventor-Baugruppen vorgegebenen Struktur Ordner im PLM-System angelegt und diese mit Zeichnungen und fertigungsbegleitenden Unterlagen gefüllt. Workflows starten in der Regel mit einem Auftragseingang. Für Aufträge zuständig sind die Projektleiter, die mit Einkauf und Kunden kommunizieren. Jeden neuen Auftrag legen sie im ERP Navision unter einer Fabriknummer an, die anschließend an das PLM-System übertragen wird. Mit ihr werden die Metadaten des Auftrags (Kunde, Produkttyp und -nummer) übermittelt. Die Fabriknummer stellt im PLM dann einen sog. „Auftragsordner“ dar.

Der Auftragskonstrukteur erhält mit Anlegen des Auftragsordners die Spezifikation zum Auftrag. Er kopiert er zunächst die Projektstruktur aus dem Produktordner und füllt anschließend den Auftragsordner mit Leben. Im Produktordner sind alle standardisierten technischen Unterlagen für ein bestimmtes Produkt von StrikoWestofen (StrikoMelter, Westomat usw.) verknüpft, wie Zeichnungen, Stücklisten, technische Unterlagen, Berechnungen usw. Der Produktordner dient somit als Kopie-Vorlage für den Auftragsordner. Daher müssen die Unterlagen im Produktordner immer auf dem neuesten Stand sein. Georgios Petsidis, Auftragskonstrukteur und CAD-Key-User für Dosier- und Niederdrucköfen: „Die Projektstruktur ist ein sehr mächtiges Tool. Dokumentationen und Betriebsanleitungen, Elektroschaltpläne der E-Konstruktion, Ersatzteilkataloge oder Hydraulik- und Pneumatikpläne von externen Lieferanten legen wir dort ab.“

Auftragsordner vom Produktordner getrennt

Im Produktordner sind also stets die neuesten Stände der Zeichnungen dokumentiert. Im Auftragsordner hingegen wird dargestellt, was tatsächlich gebaut wurde. Fast jeder Kunde hat zum Standardprodukt Extrawünsche. Diese gilt es dann in Inventor zu konstruieren und mit dem Auftragsordner zu verknüpfen. Georgios Petsidis: „Wenn im Produktordner eine Zeichnung revisioniert wurde, hat dies keine Auswirkungen auf die Fabriknummer.“

Ist der Auftrag fertig zusammengestellt, werden die Zeichnungen an die Fertigung übermittelt. Dies hält StrikoWestofen terminlich in dem so genannten „Zeichnungsverzeichnis“  fest: Einer Liste, welche die Fertigungsstände eines Produktes dokumentiert. Georgios Petsidis: „Über das Zeichnungsverzeichnis weisen wir nach, wann welche Zeichnung in welcher Version zum Kunden bzw. an die Fertigung geschickt wurde. Es dient damit der Beweisführung des gesamten Prozesses vom Auftragseingang über die Konstruktion bis hin zur Fertigung.“ So hat StrikoWestofen im PLM-System eine exakte Dokumentation dessen, wie jeder Auftrag abgewickelt wurde. Es dient in diesem Sinne als Product Data Backbone, welches Aufgaben und Versionsstände von Dokumenten zu jedem Zeitpunkt eines Auftrags nachvollziehbar macht und archiviert.

Nach und nach will StrikoWestofen alle Abteilungen auf die Software zugreifen lassen. Neben den Projektleitern und Konstrukteuren sind das zusätzlich der Vertrieb und der Einkauf. Auch diese benötigen mitunter Dokumente aus der Konstruktion wie Verkaufs- und Angebotszeichnungen sowie 3D-Daten. Zusätzlich können sie im System ihre eigenen Informationen organisieren, zum Beispiel kaufmännische Dokumente. Über Rollen werden dann die Zugriffsberechtigungen abgegrenzt. Der Vertrieb nutzt bereits die Dokumentenaustauschplattform Proom, eine Ergänzung von Pro.File. Frank Zscheile/kf

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