CAM-Software, Spanntechnik

Auf Spannung programmiert

Je kleiner die Losgrößen sind, die ein Unternehmen fertigt, desto stärker wirken sich bei komplexen Produkten die Rüstzeiten auf die Produktionskosten aus. Um die NC-Programme auf ihrem neuen Drehfräszentrum Index G250 schneller zum Laufen zu bringen, hat die Firma AMF das CAM-System Top Solid Cam von Missler Software eingeführt. Im Schnitt haben sich die Einfahrzeiten dadurch um 30 Prozent verkürzt.

Nicht nur Zeit und Geld spart AMF durch den Einsatz von Top Solid Cam. Dadurch, dass sich der manuelle Programmieraufwand beim Einfahren der Programme reduziert hat, ist man in der Fertigung flexibler geworden und kann kundenbezogen auch kleinere Losgrößen zu vertretbaren Kosten anbieten.

Vom bewährten Spanneisen sowie manuellen und pneumatischen Schnellspanner, über moderne hydraulische und magnetische Spannsysteme, bis hin zum Nullpunktspannsystem „Zero-Point“ und der Vakuumspanntechnik präsentiert sich AMF als Anbieter mit einer der größten Produktpaletten in diesem Bereich. Zur Komplettbearbeitung seiner Spanner setzt das Unternehmen schon länger mehrere Index-Maschinen ein. Mit der Anschaffung der Index G250 führte die Firma also keine grundsätzlich neue Technologie ein, sondern erweiterte nur das Teilespektrum, das komplett bearbeitet werden kann. Die Maschine ist für die Komplettbearbeitung mit Haupt- und Gegenspindel sowie einer leistungsfähigen Fräseinheit ausgestattet. Ihre neu entwickelte Frässpindel bietet 27 kW Dauerleistung, 103 Nm Drehmoment und Drehzahlen von 12.000 bis 18.000 Umdrehungen pro Minute. Programmiert wird sie mit der Software Top Solid Cam. Dass Missler-Vertriebspartner Adequate Solutions GmbH einen funktionierenden Postprozessor und zahlreiche Referenzkunden mit Index-Maschinen vorweisen konnte, war entscheidend für die Wahl der Software. Bedient wird die Software von CAM-Programmierer Frank Berberich und einem Stellvertreter, der normalerweise an der Maschine steht. „In Top Solid’ Cam sind Dreh- und Fräsbearbeitung sehr gut integriert, so dass ich nicht zwischen verschiedenen Fenstern hin und her schalten muss, was bei mehreren Bearbeitungen leicht unübersichtlich wird“, erläutert Berberich die Vorzüge der Software. Er programmiert die Dreh- und Fräsoperationen in einer einheitlichen Programmierumgebung und in beliebiger Reihenfolge. Gerade bei größeren Absätzen oder Flächen kann es zweckmäßig sein, erst nach der Fräs- oder Bohrbearbeitung zu drehen, um das Teil möglichst gratfrei zu halten. Die Drehoperationen lassen sich nachträglich flexibel ändern. Er kann beispielsweise definieren, dass die Bewegungsrichtung ab einem bestimmten Winkel umgekehrt ausgeführt wird und das System rechnet die Kontur entsprechend um.

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Automatische Anpassung

Die CAD-Modelle der Bauteile erhält der CAM-Programmierer von seinen Kollegen aus der Betriebsmittelkonstruktion, die mit der CAD-Software Solid Works arbeiten. Normalerweise wird die Geometrie im nativen Format und im Nennmaß an die CAM-Software übergeben, mit der Rohteilgeometrie umhüllt und fertigungsgerecht aufbereitet. Adequate Solutions bietet ein leistungsfähiges Zusatzmodul, das auch fertigungsrelevante Parameter wie zum Beispiel die Maßtoleranzen aus der CAD-Software ausliest, so dass sie für die automatische Anpassung der Geometrie genutzt werden können. Es wird aber zur Zeit noch nicht eingesetzt. Die CAM-Software bietet zudem die Möglichkeit, die Bearbeitung von häufig in ähnlicher Form wiederkehrenden Geometrien zu vereinheitlichen und in wieder verwendbaren Zyklen abzubilden. Berberich macht von dieser Funktionalität allerdings nur punktuell Gebrauch, weil er meist die Sonderprodukte programmiert. „Ich schätze, dass die Automatismen in Zukunft in der Dreh- und Fräsbearbeitung mehr Verwendung finden werden.“

Im Unterschied zu anderen CAM-Lösungen erzeugt der Anwender seine Verfahrwege mit Top Solid Cam nicht im leeren Raum, sondern in einer virtuellen Maschinenumgebung mit aufgespanntem Bauteil. „So erkenne ich Kollisionen schon im Vorfeld und nicht erst, wenn ich das fertige Programm simuliere“ erläutert Berberich. Das kinematisch aufbereitete 3D-Maschinenmodell hat der Vertriebspartner zusammen mit dem Postprozessor geliefert, während der CAM-Programmierer die Werkzeuge und Aufnahmen in Ermangelung von 3D-Herstellerkatalogen selbst modelliert und in der integrierten Werkzeugverwaltung abgelegt hat. Bei den Spannsystemen konnte man auf die 3D-Daten aus dem eigenen Haus zugreifen, die AMF übrigens auch allen Kunden über ein Online-Portal zur Verfügung stellt. ee

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