Automatisierungs- und Fördertechnik, Betriebswirtschaftliche Software, Dienstleistungen, Konstruktionssoftware

Clever organisiert

Beim Fördertechnikhersteller AFT spielt in der betrieblichen Planung eine Warenwirtschaftssoftware die führende Rolle, während in der Produktentwicklung ein PDM-System als die zentrale Schaltstelle für die Produktdaten dient. Die enge Kopplung zwischen beiden Systemen bietet
in der Praxis viele Vorteile.

Viele Mittelständler haben in den letzten Jahren ihre Prozesse optimiert und so die Kosten gesenkt. Einen wesentlichen Anteil hieran haben IT-Systeme für den kaufmännischen- und den Produktionsbereich. Oft mangelt es dabei jedoch an der Durchgängigkeit von Systemen und der Konsistenz der Daten. Einen wichtigen Schritt nach vorn machte hier die Automatisierungs- und Fördertechnik GmbH & Co. KG (AFT) mit ihrem Hauptsitz in Schopfheim, indem sie moderne Software einführte und diese miteinander koppelte.

Das international tätige Unternehmen deckt mit seinem Portfolio alle wichtigen Gebiete der Fördertechnik ab, angefangen bei der Flur- und Deckenfördertechnik über Umsetzer und Heber bis zur Lager- und Kommissioniertechnik. Die Kunden kommen überwiegend aus der Automobilindustrie.

Viele Jahre lang konstruierte AFT mit dem 2D-System Logocad, das bereits vor Jahren durch die 2D-Lösung Mechanical Desktop von Autodesk abgelöst wurde. Eine Herausforderung stellte dabei die Übernahme der Daten dar: Diese wurden per DWG-Schnittstelle der Eplan-Software nach Autocad migriert. Eine Übersetzungstabelle half dabei, systemspezifische Besonderheiten wie beispielsweise die Layerzuordnungen bei der Konvertierung zu steuern. „Natürlich gibt es gewisse Konvertierungsverluste, beispielsweise gehen zum Teil Gruppeninformationen verloren, aber die Geometrie bekommen wir auf jeden Fall transferiert. Die Nacharbeit hält sich dadurch in Grenzen“, erläutert Matthias Muckenhirn, Systems Engineer und Administrator der IT bei AFT. Inzwischen hält nun mit Autodesk Inventor die 3D-Konstruktion Einzug. Das Produktdaten-Management spielt schon seit Jahren eine wichtige Rolle bei dem Fördertechnikspezialisten. Anfangs wurde die Software PDM9000 von Eplan für die Verwaltung der 2D-Dokumente eingesetzt. Mit Einzug der 3D-Konstruktion ergaben sich jedoch neue Anforderungen an die Datenverwaltung, die das bisherige System nicht erfüllen konnte. „Sehr schnell wurde uns klar, dass wir in der 3D-Konstruktion ohne ein leistungsfähiges PDM-System auf Dauer nicht zurechtkommen.

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Datendrehscheibe für Produktdaten

Nach kurzer Analyse der Angebote auf dem Markt landeten wir damals bei Compass, dem heutigen Autodesk Productstream Professional“, erzählt Muckenhirn. „Sehr wichtig war uns eine gute Schnittstelle zu Mechanical Desktop. In diesem Punkt war Compass die erste Wahl. Wir haben dann zusammen mit unserem Lieferanten, dem Autodesk-Partner Arnold IT, eine Logocad-Schnittstelle entwickelt, um auch unsere 2D-Konstruktion gut einzubinden“, ergänzt er.

Rund 100.000 Zeichnungen wurden ohne Verluste aus der Eplan-Datenverwaltung übernommen. Dabei bewährte es sich, gleichzeitig mit dem Systemwechsel ein neues Nummernsystem einzuführen. Das alte System enthielt noch Kennziffern für bestimmte Produktbereiche, während das neue System mit fortlaufenden Nummern arbeitet, die das System automatisch vergibt. Die Nummern der alten Datenbank bleiben im neuen System ebenfalls sichtbar. Inzwischen folgen praktisch alle aktiven Zeichnungen bereits dem neuen Nummernsystem. Heute können die 2D-Konstruktionen bereits komplett im PDM-System verwaltet werden. In Zukunft wird allerdings die 3D-Konstruktion in den Vordergrund rücken. Voraussetzung dafür ist eine Inventor-Integration, die realisiert wurde. Eine enge Kopplung des ERP-Systems Microsoft Dynamics NAV (Navision) und der Konstruktionssysteme erschien den Verantwortlichen unumgänglich. „Wobei es die 3D-Konstruktion den Konstrukteuren relativ leicht macht. Wenn alle Bauteile im System korrekt benannt sind, ergibt sich die Stückliste mehr oder weniger automatisch“, erläutert Muckenhirn. „Productstream Professional hat die Stücklistenübernahme von Anfang an unterstützt und deshalb ergab sich die automatische Weiterleitung an Navision ganz logisch.“

Navision ist bei AFT das führende System für den Artikelstamm und die Materialwirtschaft. Deshalb legten die Schopfheimer im PDM-System einen Artikelstamm parallel zum führenden ERP-System an, der von diesem automatisch gefüllt wird.

Nachdem einmal der gesamte Bestand übernommen wurde, wird jetzt jeder neue Artikel vom ERP ins PDM-System gespiegelt, sobald ein Artikel in Navision den Status „zertifiziert“ (freigegeben) erhält. Die Schnittstelle dafür entwickelte AFT zusammen mit Arnold IT. Ganz bewusst wählten die Projektpartner den Weg über eine Übergabetabelle und vermieden eine direkte Kopplung von ERP- und PDM-System. In diese Übergabetabelle trägt Navision neue Artikel ein. Ein Trigger zeigt die Änderungen an und veranlasst Productstream Professional, die Daten aus der Übergabetabelle zu lesen.

Diese Vorgehensweise hat entscheidende Vorteile. Die Verantwortlichen konnten damit die Unabhängigkeit der Schnittstelle von etwaigen Software-Updates und Änderungen auf der einen oder anderen Seite sicherstellen. Und: Der Trigger lässt sich deaktivieren. Das ist sehr nützlich, wenn in einem der Programme ein Update oder eine Wartung erforderlich ist. Die Kopplung der Systeme kann nach Abschluss der Service-Aktivitäten problemlos weiterarbeiten.

Mehrsprachige Artikel und Zeichnungen

Zu den jüngsten Neuerungen gehört die Einführung der Mehrsprachigkeit bei Artikeln und Zeichnungen, die Navision standardmäßig unterstützt. Dort sind bereits Übersetzungen entsprechend einem Ländercode vorgesehen.

„Wir übergeben den Ländercode und nutzen den Vorteil, dass im ERP-System bereits mehrsprachige Übersetzungen existieren und übergeben sie an das PDM-System. Wir stellen die Sprache in einer Zeichnung um, indem wir die Bezeichnungen aus den Übersetzungstabellen anziehen und die entsprechenden Texte in Schriftkopf austauschen. Diese Umschaltung kann beim Drucken eines Zeichensatzes automatisch erfolgen“, erläutert der Administrator der Konstruktionssysteme.

Auch kundenspezifische Zeichnungsrahmenbeschriftungen erzeugt man auf diese Weise. „Das PDM-System hilft uns, Fehler zu vermeiden. Schon die automatische Vergabe von fortlaufenden Zeichnungsnummern schließt viele Tippfehler aus. Ganz entscheidend ist dabei der straffe Freigabeprozess, ganz zu schweigen von der Zeitersparnis bei der Suche“, lautet das Fazit von Matthias Muckenhirn. Jede Zeichnung trägt ein Statuskennzeichen, das als Wasserzeichen in den Dokumenten eingetragen ist, beispielsweise „in Bearbeitung“ oder „freigegeben“.

Im Zuge der Freigabe wird das Dokument schreibgeschützt mit seinen Metadaten abgelegt. Danach kann sie nicht mehr verändert werden. Dann gibt es nur noch die Möglichkeit, eine neue Version zu erstellen, und die alte Zeichnung als ungültig zu kennzeichnen. „Falsche Zeichnungsversionen in der Fertigung? Das kommt nicht mehr vor!“ stellt Muckenhirn zufrieden fest.

Auch das Management von AFT hält dieses System für unverzichtbar. „An eine sinnvolle Verwaltung der Datenmenge in unserer Entwicklung, zumal bei dem wachsenden Anteil der 3D-Konstruktion, ist ohne PDM nicht zu denken. Bei einem oder zwei Konstrukteuren mag das noch ohne PDM funktionieren, aber bei größeren Teams geht das nicht mehr“, meint Heiko Stotz, Konstruktionsleiter bei AFT. „Das PDM-System mit der ERP-Kopplung spart uns viel Zeit bei täglichen Routinearbeiten, sichert die Qualität unserer Arbeit und beschleunigt unsere Arbeitsabläufe.“

Dr. Philipp Grieb/sg, graf@hoppenstedt.de

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