Additive Fertigung

„Das Metall-Laserschmelzverfahren spart Zeit in Konstruktion und Fertigungsphase“


Die Themen Hybridbauweise und konturnahe Kühlung mit Werkzeugeinsätzen sind seit 2008 ein Thema bei W. Faßnacht Werkzeug- und Formenbau. Das Laserschmelzen von Metallen (Lasercusing) ermöglicht es, Einzel- und Serienbauteile oder Kühlgeometrien in Hybridbauweise schnell und günstig zu fertigen. Der PLM IT Report sprach mit Wolfgang Faßnacht über die Technik und die Praxis.


PLM IT Report: Welche Trends sehen Sie derzeit im Werkzeugbau?

Faßnacht: Nach wie vor gibt einen starken Einfluss der Einkäufer bei der Preisgestaltung. Der Markt teilt sich in Kunden, die beim Werkzeug Geld verdienen wollen und solche, die am Teil verdienen wollen. Das letztere ist bei hohen Stückzahlen fast zwingend. Hier müssen wir sehr genau argumentieren, warum eine bestimmte Werkzeuggestaltung kürzere Zyklen erlaubt, weniger Verzug im Teil bedeutet und geringeren Ausschuss verspricht. Oder auch warum es weniger Prävention bedarf und warum das Werkzeug länger im Einsatz verbleiben kann. Diesen qualitativen Ansätzen kann der Verarbeiter nicht auf Dauer ausweichen. Nicht zuletzt muss man sehr offen sein, für Bereiche in denen Neuerungen passieren. Der technologische Wandel ist ein sehr dynamisches Muster im Werkzeugbau. Bei uns war das zum Beispiel das Thema Laserschmelzen mit Metallen für Werkzeugeinsätze.

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PLM IT Report: Was bewegt einen Werkzeugbauer sich mit generativen Techniken zu beschäftigen?

Faßnacht: Ich habe das Thema bereits 1992 im Versuchsstadium erlebt und die Entwicklung genau verfolgt. Anfang der 2000er Jahre waren die ersten Anlagen am Markt verfügbar. Mitte 2008 lernte ich bei Hofmann in Lichtenfels, die Anlagen von deren Tochterunternehmen Concept Laser kennen und diskutierte mit den Hofmännern die Einsatzmöglichkeiten. Da fiel uns einiges ein. Zu später Stunde fragten mich die Lichtenfelser Kollegen, ob ich nicht eine Maschine haben wolle. Ich schlief eine Nacht darüber und kurz darauf war die M1cusing -Anlage auf dem Weg nach Bobingen.


PLM IT Report: Welche Einsatzmöglichkeiten bieten sich bei Werkzeugen?

Faßnacht: Das spielt sich auf mehreren Ebenen ab: Einerseits Einsätze mit konturnaher Kühlung, um kürzere Zyklen im Spritzguss zu fahren. Die Teile werden immer aufwändiger mit sehr unterschiedlichen Verrippungen. Hier kann sinnvoll gekühlt werden. Zum anderen Kontureinsätze für runde Teile, die mit klassischen Methoden, vom Beschaffen einer Stahlstange aus dem Lager bis hin zum Härten, aufwändiger und teurer zu fertigen sind, als mit Lasercusing. Mit dem generativen Metall-Laserschmelzverfahren sparen wir Zeit in Konstruktion und Fertigungsphase und können zudem Änderungswünsche leichter einfließen lassen. Es gibt zunehmend auch andere Werkzeugbauer, für die wir als Lohnfertiger Lasercusing-Einsätze anbieten. Das Thema wird wichtiger, beispielsweise im Hinblick auf Hybridteile, bei denen auf vorgefertigte Grundkörper formgebende Restgeometrien mit Lasercusing „aufgeschweißt“ werden. Man hat mit dieser Technik ganz andere Möglichkeiten.

PLM IT Report: Seit 2008 haben Sie eine Lasercusing-Anlage. Was sprach aus Ihrer Sicht für Concept Laser?

Faßnacht: Ich vermute, dass auch die Anlagen des Wettbewerbs mehr oder minder eine vergleichbare Leistung beim Teileaufbau erzielen. Die Unterschiede an dieser Stelle dürften sehr gering sein. Concept Laser ist allerdings kein klassischer Maschinenhändler, wie die anderen. Dahinter steht das Know-how im Werkzeugbau, der unter uns Kollegen ganz wichtig ist. Die denken und sprechen also wie wir, weil sie das gleiche machen. Zudem hat Concept Laser eine hohe Beratungsqualität, denken Sie an Materialien, Zertifizierungen oder bei Konstruktions- und Prozessberatung. Und ganz wichtig ist die Unterstützung bei der Schulung, um Mitarbeiter schnell und fundiert an die neuen Möglichkeiten zu führen. In zahlreichen dieser „weichen Faktoren“ liegen die Stärken des Unternehmens und damit der Nutzen für den Anwender. „Wohlfühlen“ ist auch ein Anspruch, den der Kunde heute haben darf.


PLM IT Report: Man hört hier oder dort von zugesetzten Kühlkanälen? Wie relevant ist dieser Einwand?

Faßnacht: Wir lassen die Hände weg von extremen Kühlkanälen. Im Ernst – unsere Kühlkanäle liegen bei 5 Millimeter Durchmesser. Damit sind Werkzeuge auch ohne ausgefuchste Prävention absolut prozesssicher. Wir müssen feststellen, dass die Wartungs- und Präventionsbeauftragten beim Verarbeiter durch Kostendiskussionen in den letzten Jahren sehr unter Druck geraten sind. Zahlreiche Unternehmen sparen hier kräftig – und das nicht zum Vorteil der Werkzeugzustände. Überlegen Sie, welche Werte dort stehen! Ich frage auch gerne mal nach, woher das Gerücht der zugesetzten Kühlkanäle kommt. Stets kommt das vom „Hören-Sagen“: Es ist wohl wahrscheinlicher einem Yeti zu begegnen. Wir haben in 2012 den 1.000 Lasercusing-Einsatz mit einer konturnahen Kühlung ausgeliefert. Noch nie habe ich dieses „Problem“ erlebt. Es ist wohl ein Märchen. Im Ernst muss man doch folgendes klar sehen. Konturnahe Kühlung beschleunigt die Physik im Werkzeug. Kürzere Zyklen bedeuten mehr Wertschöpfung. Punktum. -sg-


W. Faßnacht Werkzeug- und Formenbau, Bobingen, Tel. 08234/9654-0, http://www.fassnacht-formenbau.de

Concept Laser GmbH, Lichtenfels, Tel. 09571/949238, http://www.concept-laser.de

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