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Schmolz + Bickenbach Zahlen 2015

ZahnstangengetriebeSynchronismus ist oberstes Gebot

Zahnstangengetriebe

Was wäre die 5. Sinfonie von Beethoven ohne das Unisono des Orchesters beim Anfangsmotiv? Eine ebenso desaströse Auswirkung hätte eine asynchrone Bewegung von Zahnstangengetrieben auf die Produktion von beispielsweise Windeln, Brötchen und Autos. Für Leantechnik ist daher der Synchronismus oberstes Gebot, wenn sie mit ihren Lifgo- oder Lean-SL-Baukästen präzise Hub-, Führ- und Positionieraufgaben mechanisch lösen.

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SpezialstahlSchmolz + Bickenbach leidet unter schwierigem Umfeld

Schmolz + Bickenbach, ein weltweit führendes Unternehmen für Speziallangstahl, hat im Geschäftsjahr 2015 einen Umsatzerlös von EUR 2,68 Milliarden erzielt, was einem Rückgang um 6,6% im Vergleich zu den im Vorjahr erzielten EUR 2,87 Milliarden entspricht. Der Absatz ging um 3,6 % zurück.

Der niedrigere Umsatz war bedingt durch das sich vor allem im Laufe der zweiten Jahreshälfte abschwächende Marktumfeld, heißt es aus dem Unternehmen. Zusätzlich hat Druck auf die Schrott- und Basispreise sowie ein deutlicher Rückgang bei den Legierungsmetallpreisen zu den niedrigeren Umsatzerlösen geführt. Während sich die Absatzmengen in den ersten sechs Monaten noch gut behaupteten, war in der zweiten Jahreshälfte ein plötzlicher und starker Druck auf Mengen und Preise zu verspüren.

CEO Clemens Iller sagte: “2015 war ein herausforderndes Jahr für unser Unternehmen. Der Einbruch bei den Rohstoffpreisen, umfassende Investitionskürzungen in der Öl- und Gasindustrie sowie ungünstige Wechselkursentwicklungen haben uns schwer zu schaffen gemacht. Um den negativen Einfluss dieser Entwicklungen auf unser Ergebnis abzufedern, haben wir entschieden mit Kostensenkungs- und Effizienzsteigerungsmassnahmen reagiert. So haben wir Vertriebseinheiten verkauft, welche nicht zum Kerngeschäft gehörten, konzentrierten uns auf die Erhöhung der Liquidität durch Senkung des Umlaufvermögens und konnten damit unsere Nettoverschuldung deutlich senken. Darüber hinaus erzielten wir Fortschritte in der Positionierung von Schmolz + Bickenach als innovativen, global agierenden Produzenten von Speziallangstahl-Lösungen mit integriertem weltweiten Verkaufs- und Servicenetzwerk. Mit Blick auf 2016 erwarten wir keine signifikante Verbesserung des Geschäftsumfelds. Entsprechend werden wir den Fokus beibehalten auf der Umsetzung von Maßnahmen zur Verbesserung der Profitabilität, auf der Stärkung unserer Bilanz, der Entwicklung unserer operativen Stärken und damit der Verbesserung unserer Marktposition. Die dazu notwendigen Maßnahmen beinhalten unter anderem ein stringentes Kostenmanagement, welches uns helfen wird, erfolgreich durch die anspruchsvolle Marktsituation zu navigieren.”

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Alle Regionen hatten auf Jahresbasis niedrigere Umsatzerlöse hinzunehmen, mit Ausnahme der Region Asien/ Afrika/Australien, welche von einer tiefen Basis aus 9% zulegte. Das Wachstum in dieser Region wurde von Indien und Südkorea getrieben. In Europa fiel der Umsatz um 8,2% während Amerika um 4,0% niedrigere Umsatzerlöse verzeichnete. In Amerika konnte eine günstige Entwicklung der Wechselkurse den durch tiefere Umsatzvolumen verursachten Rückgang zum Teil wettmachen.

Alle Produktgruppen waren von rückläufigen Absatzmengen und Umsatzerlösen betroffen. Dennoch gelang es Schmolz + Bickenbach, den Anteil an Produkten mit höheren Margen aus den Gruppen Werkzeug- und RSH-Stahl am Gesamtumsatz zu steigern. Diese beiden Gruppen trugen mit 15,6% beziehungsweise mit 38,0% zu den gesamten Umsatzerlösen bei. Die Produktgruppe Edelbaustahl, welche niedrigere Margen als die beiden anderen Bereiche erwirtschaftet, trug mit 43,5% weniger zum Gruppenumsatz bei als mit 45,1% im Vorjahr.

Die drei wichtigsten Abnehmerindustrien Automobil, Maschinen- und Anlagenbau und Öl & Gas entwickelten sich unterschiedlich. Automobil zeigte robustes Wachstum, während der Maschinen- und Anlagebau stabil blieb. Im Gegensatz dazu neigte der Öl- & Gassektor im Zuge stark nachgebender Ölpreise und den damit verbundenen Investitionskürzungen zu ausgeprägter Schwäche. Zum Jahresende 2015 hin sanken die Auslieferungen an Kunden aus der Öl- & Gasindustrie von einem bereits tiefen Stand weiter.

Der im Laufe des Jahres gestiegene Druck auf die Basispreise führte zu einer niedrigeren Bruttomarge von 36,3% im Vergleich zu 37,1% im Vorjahr. Dies obwohl sich der Produktmix verbesserte und die Kosten für die Ausgangsmaterialien sanken. Obwohl das Management rasche und umfangreiche Maßnahmen ergriff, um der Marktschwäche entgegenzutreten, konnte diese ungünstige Entwicklung nur zum Teil aufgefangen werden. Demzufolge reduzierte sich das EBITDA auf EUR 159,0 Millionen, was einem Rückgang um 35,5% von den im Vorjahr erreichten EUR 246,6 Millionen gleichkommt. Die entsprechende EBITDA-Marge sank auf 5,9% von 8,6% in 2014. Um Einmaleffekte angepasst, welche die Folge von Restrukturierungsmassnahmen und Initiativen zur Strategieumsetzung waren, fiel das bereinigte EBITDA 33,9% auf EUR 169,9 Millionen. Im Vorjahr betrug das bereinigte EBITDA EUR 256,6 Millionen. Die bereinigte EBITDA-Marge liegt bei 6,3% nach 8,9% in 2014.

Das Finanzergebnis verbesserte sich im Vorjahresvergleich auf EUR –45,9 Millionen von EUR –50,6 Millionen. Dies wurde aufgrund niedrigerer Zinskosten nach der im Laufe von 2014 erfolgten Refinanzierung und einer weiter gesunkenen Nettoverschuldung realisiert. Diese positiven Effekte konnten die ungünstigen Auswirkungen von zum Marktpreis bewerteten Finanzinstrumenten mehr als kompensieren. Der Steueraufwand konnte ebenfalls gesenkt werden, und zwar auf EUR –24,4 Millionen von EUR –27,6 Millionen. Eine veränderte Zusammensetzung der positiven und negativen Ergebnisbeiträge der einzelnen Länder und die Nichtaktivierung latenter Steuern auf die Verluste der deutschen Gesellschaften erklären die trotz eines Nettoverlustes in 2015 fällig werdenden Ertragssteuern.

Aus den niedrigeren Umsatzerlösen, einer tieferen Bruttomarge und dem Verlust aus der Veräusserung von Geschäftsbereichen resultierte ein Konzernergebnis von EUR –166,8 Millionen im Vergleich zu einem Konzerngewinn von 50,0 Millionen vor einem Jahr. Das Ergebnis nach Steuern aus den fortzuführenden Geschäftsbereichen betrug EUR –35,4 Millionen nach EUR 52,0 Millionen im Jahr 2014.

Der Free Cash Flow aus den fortzuführenden Geschäftsbereichen konnte auf EUR 179,0 Millionen gesteigert werden, deutlich mehr als die in der Vorjahresperiode erreichten EUR 65,2 Millionen. Dieser Steigerung zugrunde lag eine starke Reduktion des Nettoumlaufvermögens (NUV). Der Anstieg beim Free Cash Flow basiert einerseits auf Effekten im Zusammenhang mit niedrigeren Absatzvolumen und tieferen Preise, andererseits auf einem positiven Beitrag von rund EUR 50 Millionen, welcher im Zuge struktureller Anpassungen des NUV erzielt werden konnte.

Die Nettoverschuldung konnte deutlich reduziert werden auf EUR 471,1 Millionen im Vergleich zu EUR 587,2 Millionen zum Jahresende 2014. Dies war dem hohen erzielten Free Cash Flow sowie den Erlösen aus der Veräusserung von Geschäftsbereichen von EUR 48,6 Millionen zuzuschreiben. Das Gearing – d.h. das Verhältnis von Nettoverschuldung zu Eigenkapital – stand bei 62,8% (Jahresende 2014: 65,2%), die Nettoverschuldung im Verhältnis zum bereinigten EBITDA bei 2,8.

Ergebnis viertes Quartal

Das makroökonomische Umfeld hat sich im vierten Quartal weiter abgeschwächt und an den Abwärtstrend der ersten neun Monate angeknüpft. Die Rohstoffpreise waren ebenfalls rückläufig und haben sich erst gegen Ende des Quartals stabilisiert. Die wachsenden Unsicherheiten bezüglich der Entwicklung der Weltwirtschaft haben zu einem zögerlichen Investitionsverhalten in der Industrie geführt, besonders in der Öl- und Gasindustrie, welche hart vom fallenden Ölpreis getroffen wurde.

Als Konsequenz der schwachen Wirtschaftslage sank das Absatzvolumen auf 401 Kilotonnen von 418 Kilotonnen oder um 4,1% im Vergleich zum Vorjahr. Deshalb und aufgrund von stärker werdendem Druck auf Basispreise und auf Preise für Legierungsmetalle, fielen die Umsatzerlöse um 15,7% auf EUR 571,3 Millionen von EUR 677,5 Millionen in Q4/2014. Dementsprechend sank auch die Bruttomarge um 2,3 Prozentpunkte und erreichte 36,0% nach 38,3% im Jahr zuvor. Der bereinigte EBITDA stand bei EUR 40,6 Millionen nach EUR 64,6 Millionen im Vorjahresquartal (-37,2%) während der EBITDA mit EUR 36,2 Millionen um 40% tiefer stand als im Vorjahr mit EUR 60,3 Millionen. Das Konzernergebnis belief sich auf EUR –15,1 Millionen und war demzufolge unter dem Ergebnis vom letzten Jahr (EUR 4,2 Millionen). Das Ergebnis aus den fortzuführenden Geschäften war ebenfalls tiefer, mit EUR –14,9 Millionen gegenüber dem Vorjahresergebnis von EUR 7,9 Millionen. Der Free Cash Flow dagegen stieg auf EUR 76,2 Millionen von EUR 54,7 im Vorjahreszeitraum.

Ausblick 2016

Die Aussichten für das globale Wirtschaftswachstum bleiben gedämpft. Schmolz + Bickenbach erwartet anhaltend herausfordernde Marktbedingungen im ganzen Jahr 2016. Während sich die Automobilindustrie und der Sektor Maschinen- und Anlagenbau robust entwickeln dürften, erwarten wir keine positiven Impulse aus der Öl- und Gasindustrie. Die Preisentwicklungen bei den Rohstoffen bleiben mit grossen Unsicherheiten behaftet und sind kaum vorhersagbar – im speziellen betrifft dies die für das Unternehmen bedeutendsten Rohstoffe Schrott, Nickel, Ferrochrom und Molybdän. Im Basisszenario erwarten wir für die Preise dieser Rohstoffe eine Seitwärtsbewegung unter hoher Volatilität.

Den externen Herausforderungen werden wir mit einer entschlossenen Umsetzung unserer Strategie, mit striktem Kostenmanagement und mit Fokus auf die Sicherung der Liquidität begegnen. Eine verstärkte Integration der Business Units, die Optimierung von Einkauf und Logistik, Restrukturierungsmassnahmen und eine weitere Stärkung unserer Bilanz durch strukturelle und deshalb nachhaltige Maßnahmen zur Reduktion des Umlaufvermögens sind die wichtigsten Punkte auf unserer Agenda.

Für 2016 erwarten wir gegenüber 2015 unveränderte Absatzmengen. Das bereinigte EBITDA wird zwischen EUR 150 Millionen und EUR 190 Millionen erwartet. Im Jahresvergleich wird die erste Jahreshälfte schwächer, die zweite Jahreshälfte dagegen stärker ausfallen. Die Investitionen werden sich auf rund EUR 100 Millionen belaufen.

Im Rahmen unserer Mittelfristziele streben wir eine bereinigte EBITDA-Marge von > 8% im Durchschnitt über einen Konjunkturzyklus an. Unseren bereinigten EBITDA-Leverage wollen wir auf < 2,5 senken.

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