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Henrik A. Schunk im Interview

Special Robotik in der industriellen Fertigung

Henrik A. Schunk„Vollständige Integration ist unser Ziel“

In diesem Jahr feiert Schunk sein 70-jähriges Bestehen. Doch was steckt hinter der Dynamik des Spezialisten für Spanntechnik und Greifsysteme, und wohin soll die Reise gehen?

Henrik A. Schunk

Henrik A. Schunk, geschäftsführender Gesellschafter, gibt im Gespräch mit handling-Chefredakteurin Petra Born Einblicke in die aktuelle Greifsystem-Strategie.

handling: Schunk wird 70. Worauf wäre der Firmengründer, Ihr Großvater Friedrich Schunk, besonders stolz, wenn er das Unternehmen heute sehen könnte?

Schunk: Mein Großvater hat 1945 unter einfachsten Verhältnissen eine kleine mechanische Werkstatt eröffnet. Das Wichtigste für ihn waren sein Betrieb und seine Mitarbeiter. Heute beschäftigt Schunk über 2.300 Menschen rund um den Globus. Für ihn wäre das unvorstellbar gewesen, und sicher wäre er stolz darauf. Wir haben ihm viel zu verdanken: Seine Devise „Nur Innovationen bringen ein Unternehmen voran“, seine gut schwäbische Idee, ein „Kümmerer“ für den Kunden zu sein, und sein unbändiger Wille zur Perfektion wurden von Generation zu Generation vererbt.

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handling: Welche Entwicklungen sollten produzierende Unternehmen heute im Blick haben?

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Schunk: Zuallererst gilt es, zu erkennen, dass an der Automatisierung der Produktion kein Weg vorbei führt. Wer nicht automatisiert, wird mittelfristig nicht mehr am Markt bestehen können. Gerade Mittelständler haben hier noch erheblichen Nachholbedarf. Viele erkennen gerade erst, welche Potenziale Roboter heute bieten. Moderne Automationslösungen sind eine Antwort auf diese Entwicklung: Sie erhöhen die Flexibilität, ermöglichen eine effiziente Fertigung rund um die Uhr und schaffen die Grundlage für vernetzte Produktionsprozesse.

handling: Wie unterstützt Schunk Anwender bei dieser Herausforderung?

Schunk: Unsere Stärke ist die überlegene End-of-Arm-Kompetenz, unabhängig davon, ob es um einen Knickarm-, einen Scara- oder einen Deltaroboter geht. Über 4.000 Komponenten zum Greifen, Drehen, Ausgleichen, Durchführen, Wechseln, Überwachen und Messen umfasst unser Katalogprogramm. Da ist jede Menge Know-how gebündelt. Darüber hinaus stellen wir Jahr für Jahr über 2.000 Standard- oder kundenspezifische Greifsysteme einbaufertig her.

handling: Welche Trends bestimmen derzeit die Greiftechnik?

Schunk: Da ist zum einen die Wandlungsfähigkeit. Greifsysteme müssen in der Lage sein, sich selbständig an die variierenden Anforderungen flexibler Prozesse anzupassen. Zum anderen sind es hohe Taktraten. Es gibt keine wirkungsvollere Antwort auf den Kostendruck im Bereich der Konsumgüter. Und last but not least die Kommunikation der einzelnen Module. Die Komponenten von morgen sind erstklassig vernetzt. Das ist die Voraussetzung für Produk-tionsszenarien der Industrie 4.0. Auf der Hannover Messe zeigt Schunk, wie eine solche Anlage aussehen kann.

handling: Spielt der Mensch dann noch eine Rolle?

Schunk: Ja, sogar eine große! Aus dem Nebeneinander von Mensch und Roboter wird bald schon ein Miteinander. Jeder wird exakt seine Stärken einbringen. Der Werker übernimmt Tätigkeiten, deren Automatisierung nicht prozesssicher, zu kostenintensiv oder aufgrund der hohen Varianz nicht rentabel wäre. Der Roboter unterstützt ihn mit untergeordneten Tätigkeiten. Damit eine solche Mensch-Maschinen-Kooperation gelingt, müssen Handlingsysteme intelligent und sicher sein. Im vergangenen Jahr haben wir das erste zertifizierte Safety-Greifsystem vorgestellt und dabei seine besondere Greiftechnikkompetenz einfließen lassen. Mit dieser Entwicklung ist es uns gelungen, als Pionier einen wichtigen Trend in der Automatisierungstechnik zu setzen.

handling: Wie wird der Greifer von morgen aussehen?

Mensch und Roboter

Schunk: In wenigen Jahren schon werden intuitive Steuerungen und die Kommunikation über Webtechnologien ebenso zum Standard in der modernen Automatisierung zählen wie eine unterbrechungsfreie Kooperation zwischen Mensch und Roboter. Module fürs Front-End werden künftig intelligent und feinfühlig sein. Zudem werden sie unmittelbar mit anderen Komponenten, mit der übergeordneten Anlagensteuerung und sogar über das Werksgelände hinaus kommunizieren. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, dass sich mechatronische Schunk-Komponenten vollständig in übergeordnete Systeme integrieren lassen. Hierzu arbeiten wir intensiv an einer offenen Steuerung, die sämtliche Signale für die Maschinen- und Anlagentechnik offen legt. Daneben zeichnet sich bereits ab, dass die Mobilität von Robotern stark zunehmen wird. Schon jetzt werden immer mehr Roboter mobil auf Linearsystemen installiert. Künftig wird auch die freie Navigation eine immer größere Rolle spielen. Unsere akkutauglichen 24-Volt-Greifsystemkomponenten lassen sich schon heute dafür einsetzen.

HMI, Halle 17, Stand E28

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