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Schleifen und Schleifsoftware auf der Haas Hausmesse

Workshop bei OkumaVerzahnungen inhouse fertigen

Workshop bei Okuma

Veranstalter Okuma hieß bei seinem diesjährigen Sommer-Workshop mehr als 200 Besucher im europäischen Hauptquartier in Krefeld willkommen. Die Veranstaltung „Gear Up“ wurde in Kooperation mit dem schwedischen Werkzeughersteller Sandvik Coromant ausgerichtet.

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Schleifen im digitalen ZeitalterErfolgreiches Debüt für die Haas-Hausmesse Grinddate

Die erste Hausmesse „GrindDate“ der Haas Schleifmaschinen GmbH im neuen Gebäude in Trossingen kam gut an. Rund 150 Kunden, Geschäftsführer, Ingenieure und Meister interessierten sich für die aktuellen Maschinengenerationen und ließen sich die Funktionsweise der eigenentwickelten Schleifsoftware Horizon erläutern.

Haas Schleifmaschinen Hausmesse

In den begleitenden Vorträgen wurde deutlich: Software in Kombination mit zuverlässiger Mechanik und neuen Messmethoden verbessert das Schleifergebnis erheblich.

Wendeplatten-Werkzeuge erfordern eine sehr hohe Radien-Genauigkeit. Diese Verrundungsradien exakt zu erzeugen stellt eine Herausforderung dar. Für Ruben Fischer, Diplomingenieur aus dem Team von Wolfram Hermle, dem Chefentwickler bei Haas, war das Anlass, sich näher mit einer weiteren Möglichkeit der Messung zu beschäftigen. Das Haas-Team stellte in diesem Fall den Körperschall als Messmethode auf den Prüfstand. Das Fazit der Entwickler: Die Körperschallmessung ist eine Option für die maschineninterne Messung! Noch muss das Messmodul manuell an die Haas Schleifmaschine angebracht werden, aber die Maschinenintegration ist in Arbeit.  

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Ebenfalls ums Messen ging es im Vortrag von Dr. Andreas Kreyßig vom Messtechnik-Spezialisten Marposs. Kreyßig verwies darauf, wie wichtig die beiden Kriterien Genauigkeit und Geschwindigkeit beim Messen sind und warum es gerade unter Industrie 4.0-Aspekten so bedeutsam ist, dass Teile austauschbar (also passgenau) sind. Nach der Vorstellung einer praxisnahen Lösung für das Wuchten von Schleifscheiben lautete die Quintessenz seiner Überlegungen zum Messen im digitalen Zeitalter: Zeitlich und örtlich voneinander getrennt hergestellte Teile müssen zusammenpassen. Diese Austauschbarkeit ist eine wichtige Eigenschaft in einer Industrie 4.0-Welt.

Haas Multigrind CB

Das Thema der Hochschule Magdeburg-Stendal, das die beiden Ingenieure Tobias Tute und Carlo Bzdok vortrugen, beschäftigte sich mit den Prozesskräften, die zum Beispiel beim Schleifen wirken. Die Projektmitarbeiter von Professor Goldau schauten deshalb ganz genau hin, wie sich im Verlauf des Schleifens, die Kräfte verändern und potentiell die Kosten durch einen hohen Schleifverbrauch erhöhen. Das kurz gefasste Resultat der Magdeburger: Bei einem nicht konstanten Prozess wird die Schleifwirkung schlechter. Als Lösungsansatz haben die Magdeburger drei Möglichkeiten eruiert: entweder einen weggesteuerten oder einen kraftgesteuerten Prozess zu fahren oder beide Methoden zu kombinieren.

Professor Dr. Ing. Taghi Tawakoli, Institut für Angewandte Forschung der Hochschule Furtwangen, berichtete von jüngsten Ergebnissen der Schleiftechnik-Forschung. Ein Ergebnis schließt nahtlos an den Magdeburger Vortrag an: Eine Änderung der Schleifscheiben-Topografie und eine neue Abrichtkinematik hat einen maßgeblichen Einfluss auf die Effektivität der Scheiben. Interessant auch dies: Während das Lasern im Nanobereich zur thermischen Schädigung eines Werkzeugs führen kann, wird im Picosekunden-Bereich keine Wärme mehr übertragen. Diese Eigenschaft beflügelt die Idee, das Lasern für das Abrichten und Schärfen zu verwenden. Ein anderer spannender Ansatz: Bei einer magnetgelagerten Spindel wirkt die magnetische Kraft gemeinsam mit der Spindelkraft und erzeugt eine sinusförmige Bewegung, die auch in der Natur vorkommt - im Gegensatz zur geradlinigen Bewegung, die ein Kennzeichen unserer gängigen maschinellen Vorgehensweise ist. Durch die magnetgelagerte Spindel wirken etwa 80 Prozent niedrigere Schleifkräfte als sonst. Und auch eine andere Methode, um die Abnutzung einer Schleifscheibe zu erkennen, ist sehr „naturnah“: Ein Kohlepapier auf die Schleifscheibe gedrückt, gibt Auskunft darüber, ob die Scheibe noch schleiffähig ist, da die Körner ein Bild auf dem Kohlepapier erzeugen. Es galt „nur“ noch eine Software zu entwickeln, die das Ergebnis des „Lakmustests“ mit Kohlepapier in eine Kennzahl zu übersetzen, die jetzt zur Verfügung steht.

Wolfram Hermle

Der Entwicklungsleiter von Haas Schleifmaschinen, Wolfram Hermle, rundete die Vortragsreihe mit einem kurzen Blick auf die Haas Schleifsoftware ab. Hermle stellte heraus, dass es vor der Eigenentwicklung Multigrind®Horizon keine Software gab, die Vergleichbares wie beim Fräsen oder Drehen bieten konnte. Die Haas-Schleifsoftware läuft mittlerweile auf allen Haas-Maschinen, die für die Herstellung von Dreh- und Formwerkzeugen sowie Profilplatten konfiguriert sind. Außerdem sind von den insgesamt 600 Bearbeitungs- und Berechnungsmodulen auch Verzahnungs-, Medizintechnik- und Aerospace-Anwendungen auf das neue Software-Konzept übertragen worden. Das jüngste Kind ist die Schleifsoftware für Bohrwerkzeuge. Hajo Stotz

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Erstmals veranstaltete Haas Schleifmaschinen in Trossingen die Hausmesse Grinddate. Rund 150 Kunden, Geschäftsführer, Ingenieure und Meister interessierten sich für die aktuellen Maschinengenerationen und ließen sich die Funktionsweise der eigenentwickelten Schleifsoftware Horizon erläutern.

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