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Interview mit Dirk Wember

WerkzeugmaschinenHermle verzeichnet kräftiges Umsatz- und Ergebnisplus

Hermle Werkzeugmaschinen in Gosheim

Die Maschinenfabrik Berthold Hermle entwickelte sich 2016 deutlich besser als erwartet: Der Konzernumsatz des schwäbischen Werkzeugmaschinenherstellers stieg nach vorläufigen Berechnungen auf rund 394 Mio. Euro (Vj. 356,6 Mio. Euro). Dabei konnte Hermle von Großprojekten und der Erholung der Märkte in Südeuropa profitieren. Zuwächse gab es sowohl im In- als auch im Ausland.

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Interview mit Dirk Wember„Der deutsche Maschinenbau steht ganz vorne“

Setzt die Weltlage dem deutschen Maschinenbau zu? Und wie stark hat der VW-Skandal dem deutschen Maschinenbau geschadet? SCOPE-Chefredakteur Hajo Stotz befragte den Unternehmer Dirk Wember von Haas Schleifmaschinen aus Trossingen, wie er die Lage des Maschinenbaus in Deutschland einschätzt.

Dirk Wember, Haas Schleifmaschinen in Trossingen

SCOPE: Der VW-Skandal hat das Image Deutschlands angegriffen. Mitte Oktober verwahrte sich der VDMA „in Zeiten einer fragilen wirtschaftlichen Lage“ gegen eine Image-Debatte. Das wirtschaftliche labile Umfeld skizziert die Krise im Nahen Osten, der schwache chinesische Markt oder der Exporteinbruch Russland. Wie schätzen Sie, Herr Wember, die Auswirkungen des VW-Skandals auf den Maschinenbau ein?

Dirk Wember: VW ist nicht Deutschland! Die Auswirkungen des VW-Skandals werden überbewertet; sie können keinesfalls in eine Reihe mit der Krise im Nahen Osten oder dem Exporteinbruch Russland gestellt werden. Bei VW hat eine Führungsriege über Jahrzehnte geherrscht. Da meinte mancher, er werde unangreifbar. Wenn man genau hinschaut, ist die Ursache für die Schummelei bei den Abgaswerten auf ein veraltetes Führungssystem zurückzuführen.

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SCOPE: Und wo steht der Maschinenbau in Deutschland im Moment?

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Dirk Wember: Er steht dort, wo er schon vor der Flüchtlingskrise stand: ganz Vorne. Der deutsche Maschinenbau beweist seine Leistungsfähigkeit in vielen einzelnen Projekten. Unsere Ergebnisse lassen sich messen und vergleichen. Wir stehen im Wettbewerb weiterhin gut da. Wir können allerdings nicht gewinnen, wenn wir mogeln.

SCOPE: Tangiert die Weltlage auch die Haas Schleifmaschinen GmbH?

Dirk Wember: Wir sind betroffen, da wir Investitionsgüter anbieten – diese kauft man, wenn man an die Zukunft glaubt. Die Krisen im Nahen Osten oder der Terror in Paris sind schlecht für das Investitionsklima im In- und Ausland, denn eine Grundstimmung von Zukunftsangst und Unsicherheit stellt immer einen Belastungsfaktor für die Wirtschaft dar. Schließlich richten sich Investitionen in die Zukunft, und wenn man der nicht mehr traut, sucht man eher sichere Häfen für seine Anlagen.

In welchem Maße allerdings ein Unternehmen betroffen ist, hängt von der Kundenstruktur ab. Kleinere Unternehmen lassen sich oft stärker von politischen und gesellschaftlichen Krisen beeindrucken, während große Unternehmen an ihren langfristigen Investitionsplänen festhalten.

SCOPE: Sie haben in Ihrem Haas-Schleifblog auf den Terroranschlag in Paris reagiert und sich mit der Stadt und den Menschen solidarisiert. Wird der Terror die Unwägbarkeiten des Marktes verstärken?

Dirk Wember: Ich bin Europäer genug, um keinen Unterschied zu machen, wo eine solche Katastrophe geschieht. Paris ist mir so nah wie Berlin, Hamburg oder Stuttgart. Der Terroranschlag hat die vorhin beschriebenen Auswirkungen von Krieg und Krisen. Der Anschlag von Paris hatte das Ziel, uns zu verängstigen. Zum Glück wurden viele gute Zeichen der Solidarität gesetzt. Solche Situationen können wir nur überstehen, wenn wir solidarisch mit den Betroffenen sind.

SCOPE: Der Slogan „Wandel durch Handel“ ist an diesem Punkt offenbar kein Lösungsweg?

Dirk Wember: Handel kann man nicht verordnen. Es müssen sich Strukturen entwickeln können und Randbedingungen herrschen, die das Wirtschaften fördern. Nur dann kann Wohlstand Einzug halten und Handel funktionieren. Wo diese Bedingungen nicht zu finden sind, sondern im Gegenteil Krieg und Terror den Alltag bestimmen, suchen Menschen einen Ausweg. Der treibende Faktor für die Flüchtlingsbewegung nach Europa ist die Perspektivlosigkeit. Man stelle sich nur vor, wir selbst wären an der Stelle der Flüchtlinge. Ich verstehe es sehr gut, wenn Menschen in einer solchen Situation auswandern und woanders Arbeitsplätze, Ausbildung und vor allen Dingen Sicherheit suchen. Das ist die Herausforderung für Deutschland, die wir zu bewältigen haben. Zu glauben, das Thema ließe sich mit Zäunen lösen, ist dumm.

SCOPE: Können mittelständische Unternehmen überhaupt etwas tun? Welche Perspektive kann Haas zum Beispiel jugendlichen Flüchtlingen geben?

Dirk Wember: Wir leben hier in einer Region, die praktisch Vollbeschäftigung hat. Die Arbeitslosigkeit im Landkreis Tuttlingen liegt unter drei Prozent. Das heißt gleichzeitig, dass viele Ausbildungsstellen unbesetzt bleiben. Deshalb sollten wir gemeinschaftlich alles daran setzen, dass Flüchtlinge schnell die deutsche Sprache erlernen und geschäftsfähig werden. Haas ist mehr als bereit, Jugendliche auszubilden – egal ob aus Syrien oder aus dem Brigachtal. Das ist für uns nichts Außergewöhnliches. Machen wir doch daraus keine Aktion, um es wie ein Almosen aussehen zu lassen. Wir brauchen Arbeitskräfte und wer motiviert ist, kann hier lernen. Dann hat sich der beschwerliche Weg der Flüchtlinge zu uns für alle gelohnt. Die Integration folgt anschließend von alleine.

SCOPE: Wagen Sie einen Ausblick auf das Jahr 2016 – für Deutschland, den Maschinenbau und für Haas.

Dirk Wember: Mein Blick ist verhalten optimistisch. Das Jahr 2015 war ein Jahr, das nicht schlecht war, aber auch nicht großartig. 2016 wird ähnlich. Zweistellige Zuwachsraten wird es kaum geben, aber wir brauchen auch nicht zu befürchten, in riskantes Fahrwasser zu geraten. Ich gehe davon aus, es wird ein gutes Jahr für Deutschland, USA und China.

Die Haas Schleifmaschinen GmbH plant mit vorsichtigen Zuwächsen im Verlauf des Jahres 2016. Das wirtschaftliche Umfeld in USA ist nicht das einzig positive. Auch die europäischen Märkte entwickeln sich günstig. Frankreich, Spanien und Italien zeigen erfreuliche Aufwärtstendenzen. Der Inlandsmarkt ist nach wie vor stabil.

SCOPE: Und wenn Sie die einzelnen Segmente betrachten, für die Haas seine speziellen Schleifmaschinen anfertigt, welches Bild zeigt sich da?

Dirk Wember: Der Medizinbereich, der jahrelang ein großer Wachstumsträger war, entwickelt sich vergleichsweise schwach. Seit zwei, drei Jahren spüren wir aus diesem Bereich kaum Impulse. Das ist auf die hohen Preisschwankungen dort zurückzuführen. Dagegen entwickelt sich der Bereich der Zerspanung positiv. Das ist ein Indikator für die Automobilkonjunktur. Das heißt, der Automobilbau erzeugt einen großen Bedarf an Zerspanungsleistung und damit auch an Nachfrage nach Haas-Schleifmaschinen. Und zum Dritten wächst der Bereich der Luft- und Raumfahrt, der z.B. bestrebt ist, möglichst effiziente Turbinen zu bauen – besonders in Asien. Auch hier spielen unsere Schleifmaschinen und unsere Schleifsoftware eine wichtige Rolle.

SCOPE: Danke für das Gespräch!

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