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Udo Stolz im Interview

FestkörperlaserTrumpf investiert 30 Millionen Euro am Standort Schramberg

Trumpf Schramberg Neubau

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Interview mit Udo Stolz„Erhebliche Effizienzsteigerungen“

Die Gleason Corporation ist weltweit führend in der Zahnradbearbeitungs-Technologie. Daneben ist das Unternehmen seit kurzem auch bei Fabrik-Automationslösungen und Industrie 4.0 aktiv und stellt eine neue In-Process-Messmaschine vor. Chefredakteur Hajo Stotz erfährt dazu mehr von Udo Stolz, Vice President Worldwide Sales & Marketing.

Udo Stolz, Gleason Corporation

SCOPE: Gleason ist in einer Vielzahl von Branchen, darunter Automotive, Nutzfahrzeuge, Maschinenbau, Luftfahrt etc. aktiv. Welches sind die wichtigsten Märkte? Und wie entwickeln die sich?

Udo Stolz: Der Automobilmarkt ist mit Abstand der wichtigste Markt für Zahnräder, über 70 % der Verzahnungen werden hier eingesetzt. Dieser Markt ist zurzeit, zusammen mit der Luftfahrtindustrie, durchaus robust. Dagegen hängen die Märkte für Nutzfahrzeuge mit schweren Lkws, Baumaschinen, Landwirtschaft und Tagebau eher durch. Auch der Markt für Großgetriebe allgemein ist eher verhalten. Besonderes Augenmerk richten wir in diesem Zusammenhang auf den Markt für Windkraft. Das Jahr 2015 gab erfreuliche Impulse und wir erwarten mittelfristig ein weiteres Erstarken der Windkraft. Alles in allem ist durch die verhaltene China-Nachfrage der Markt insgesamt zurzeit etwas schwach.

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SCOPE: Zum Jahresanfang wurde die 2014 erworbene Distech Systems in Gleason Automation Systems umbenannt. Aufgabenfeld der Tochtergesellschaft mit Sitz in Rochester, USA, ist die Konstruktion und Herstellung von Fabrik-Automationslösungen. Ist Gleason Automation Systems mit diesem Angebot auch in Deutschland aktiv?

Stolz: Eines unserer erklärten Ziele als „Total Gear Solutions Provider“ ist es, unseren Kunden rund um die Verzahnung eine möglichst komplette Lösung anzubieten. In diesem Sinne ist die Firma Distech, die jetzt als „Gleason Automation Systems“ firmiert, kein lokaler Ansatz, den wir auf Nordamerika beschränkt wissen wollen. Unsere Kollegen in Rochester haben wirklich intelligente und effiziente Lösungen entwickelt, die nicht nur in der Verzahnungswelt Anwendung finden. Die neuen Automationslösungen werden schrittweise an unsere Produkte angepasst oder integriert und sind prinzipiell weltweit verfügbar – natürlich auch auf dem deutschen Markt. In naher Zukunft wird man sicherlich auch Gleason-Automation „made in Europe“ sehen.

SCOPE: Ein wichtiger Teil der Unternehmensstrategie ist die Initiative Gleason 4.0, die 2014 angekündigt wurde. Was sind zusammengefasst die Inhalte der Strategie und welchen Nutzen hat der Kunde davon?

Stolz: Wie der Name bereits indiziert, baut Gleason 4.0 auf der Idee der Industrie 4.0, der Intelligenten Fabrik, auf. Wir sehen in diesem Zusammenhang vier Hauptanwendungsfelder, auf die wir ein besonderes Augenmerk legen, weil wir der Meinung sind, dass sie dem Kunden den meisten Nutzen versprechen. Dazu gehören: „gTools“, um Werkzeuge möglichst effizient einzusetzen. „gProcess“, um mit intelligenten Analysen von großen Datenmengen, Prozesse selbstlernend zu optimieren. „gUptime“, um Ausfallzeiten zu minimieren, sowie „gProduction“, um mit Echtzeitdaten eine intelligente Produktion aufzubauen.

Ziel all dieser Anstrengungen sind Effizienzsteigerungen, die heutige mechanische oder elektronische Verbesserungen weit übersteigen. Die Analyse der „Big Data“ spielt hier eine Schlüsselrolle. Wir arbeiten in interdisziplinären Teams an der Verwirklichung von echten Dienstleistungen und Produkten, die die bereits erwähnten Nutzen in Aussicht stellen.

SCOPE: Wälzstoßen ist ein weitverbreitetes Verzahnungsverfahren. Ist Wälzschälen geeignet, das Verfahren abzulösen?

Stolz: Es kommt im Wesentlichen auf die Anwendung an. Wälzschälen, wir nennen es „Power Skiving“, ist der produktivere Prozess, da er auf einem kontinuierlichen Abwälzprozess beruht. Dagegen ist der Wälzstoßprozess diskontinuierlich und Rückhübe bedeuten einen erheblichen Produktivitätsverlust. Power Skiving hat gegenüber dem Wälzstoßen den Vorteil der Produktivität, ist aber limitiert durch Störkonturen, die sich durch die Schrägstellung des Werkzeugs während des Prozesses ergeben. Gegenüber dem Räumen bietet Power Skiving die Flexibilität, Flankenlinien- und Profilkorrekturen in das Werkstück problemlos einzubringen. Bei der flexiblen Fertigung von kleinen und mittleren Losgrößen kann also ein Wechsel vom Räumen zum Power Skiving interessant sein.

SCOPE: Für welche Teile eignet sich Wälzschälen besonders? Ist das Verfahren sowohl für die Weich- und Hartfeinbearbeitung nutzbar?

Stolz: Wälzschälen eignet sich prinzipiell für Außen- und Innenverzahnungen. Gerade bei Innenverzahnungen bietet der Prozess gegenüber dem Wälzstoßen Vorteile, wie bereits beschrieben. Beim Außenverzahnen ohne Störkonturen spielt das Wälzfräsen nach wie vor sein Stärken aus. Grundsätzlich gibt es bei der Hartfeinbearbeitung von Innenverzahnungen im kleinen und mittleren Durchmesserbereich noch keine wirtschaftliche Lösung. Hier könnte Power Skiving eine vorteilhafte Alternative bieten, um teure Innenschleifprozesse zu ersetzen. Das Verfahren steckt allerdings noch in den Kinderschuhen. Wir sind dabei, entsprechende Lösungen zu entwickeln.

SCOPE: Die Multifunktions-Maschine Agilus 180TH erlaubt Drehen, Bohren, Wälzfräsen und Engraten usw. in einer Aufspannung. Wie ist hier die Nachfrage des Marktes?

Stolz: Im Grunde genommen kann man sagen, dass die Agilus eine hervorragende Lösung ist, um Durchlaufzeiten und den Platzbedarf bei kleinen und mittleren Losgrößen zu reduzieren.

Allerdings bietet sich das Verfahren vorwiegend für wellenförmige Teile an und die Anwendung muss entsprechend geeignet sein. Bei den Anwendungen, für die wir eine Agilus ausgeliefert haben, sind die Rückmeldungen sehr positiv. Bei der Agilus handelt es sich eher um ein Nischenprodukt, das bei der richtigen Anwendung erhebliche Einsparungen für den Kunden erlaubt. Die Einführung der Hartbearbeitung auf dieser Maschine ist ein weiterer Pluspunkt für das Produkt.

SCOPE: Zur Control wird das neue Verzahnungsmesszentrum 300GMS P gezeigt, das den direkten Produktions-Einsatz erlaubt. Welche Vorteile bietet das unmittelbare Messen in der Fertigung?

Stolz: Das Messen in der Fertigung erlaubt das umgehende Vermessen von Werkstücken gleich neben der Produktionsmaschine, mit sofortigem Ergebnis. Damit entfallen Wartezeiten vor dem Messlabor und der zeitaufwendige Transport der Werkstücke zum Messraum und zurück. Zudem kann auf den teuren, klimatisierten Messraum verzichtet, oder zumindest der benötigte Platzbedarf reduziert werden – eine nicht unerhebliche Investitionsersparnis.

Die 300GMS P kompensiert Einflüsse aus der Fertigungsumgebung, wie Vibrationen und Temperaturschwankungen, erzielt aber dennoch Ergebnisse, die Resultaten aus dem Messlabor entsprechen. Je nach Grad der externen Einfüsse kann auf ein passives oder aktives Kompensationssystem zurückgegriffen werden. Trotzdem ist die Maschine extrem kompakt. Weitere Funktionalitäten der 300GMS P fügen sich nahtlos in Produktionsprozesse ein: das mobile Handgerät, das die Aufzeichnung von Videos oder Sprachnachrichten ermöglicht, einfache Windows-Bedienoberflächen oder die Schnittstelle zur direkten Datenerfassung. Wir zeigen die 300GMS P übrigens live auf der Control 2016 in Stuttgart in Halle 3, Stand 3308. Es lohnt sich vorbeizukommen.

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