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EditorialWenn Roby cloud

"Die Klopfgeräusche wurden immer lauter. Sie kamen aus dem neuen Kompressor, den der Bielefelder Hersteller Boge erstmals auf der Messe vorstellte. Nach Messeschluss hatte man alle Klappen an dem Aggregat geschlossen - und dabei einen Herrn mit eingeschlossen, der die Neuvorstellung offenbar ganz genau studieren wollte. Der Besucher - dem Äußerem und der Sprache nach dem chinesischen Kulturkreis zuzuordnen - verließ den Ort des Geschehens im Laufschritt, bevor das Standteam begriffen hatte, was passiert war". so beschrieb ich 2007 ein Beispiel, wie Plagiatoren an ihr Know-How kommen.

Ach, die gute alte Zeit. So viel menschlicher Einsatz ist zukünftig bei Weitem nicht mehr nötig, um auch an die geheimsten Konstruktions-, Produktions- und Angebotsdaten zu kommen. Denn in der Industrie 4.0-Welt, in der die Maschine mit dem Werkstück und der Robo-Assistent mit dem Werker kommunizieren, ist die Firmencloud als Rückgrat praktisch Voraussetzung.

Und Clouds, das wissen wir spätestens seit Edward Snowden, sind als Datenspeicherort so sicher wie ein nicht abgeschlossenes Fahrrad an der S-Bahn-Station in Frankfurt am Main. Mit immer neuen Techniken werden im Namen der Terrorbekämpfung Online-Datenspeicher, E-Mails und Telefonate lückenlos wie nie zuvor überwacht. Das Spionagegesetz Patriot Act sichert den US-Geheimdiensten weitreichende Überwachungskompetenzen, um Daten von Cloud-Betreibern wie Google, Amazon, Microsoft oder Dropbox jederzeit mitzulesen. Und die Wahrscheinlichkeit, dass andere Länder wie China oder Russland das Datengeheimnis besser schützen, ist so groß wie Merkels Wissen übers Internet.

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Dennoch verlagern immer mehr Unternehmen Daten und Software ins Internet, und mit  Industrie 4.0 wird das noch stärker zunehmen.

Dass Google jetzt auch in die Forschung und Produktion einer der Industrie-4.0-Kernkomponenten einsteigt, dem Assistenz-Roboter in der Fertigung, trägt nun nicht wirklich zu einem erhöhten Sicherheitsgefühl bei (Lesen Sie dazu auch die Story: "Wenn Roboter kuscheln"). Der Roboter-Assistent, der mit den Werkern das Produktionswissen teilt, mit der Steuerung die Werkstückdaten austauscht und über das ERP-System Zugriff auf die Betriebsinformationen hat, ist als Informationsquelle wertvoller als jeder menschliche Spion.

Wer aber nun beschließt, bei Industrie 4.0 einfach nicht mitzumachen, sollte finanziell sehr liquide sein.  Denn wer beim Kreditranking der Banken bei der Frage "Zukunftsorientierung" nicht punkten kann, bekommt schnell schlechte Kreditkonditionen - oder gar keine. hs

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