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EditorialO'zapft is

Deutschen Managern wird nachgesagt, dass sie wenig Sinn für den Wert eines gepflegten Geschäftsessens haben – ganz im Gegensatz zu Franzosen, Belgiern und Italienern oder gar fernöstlichen Kulturen. Besonders in Japan und China ist eine Einladung zum Essen ein wichtiges Ereignis, das häufig Einfluss auf den Ausgang der Geschäftsverhandlungen nehmen kann.

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Editorial: O'zapft is

Das wusste auch der Schweizer Josef Ackermann, Ex-Boss der Deutschen Bank, als er vor einigen Jahren anlässlich seines 60. Geburtstag eine illustre Wirtschaftsrunde von Kanzlerin Merkel ins Bundeskanzleramt einladen (und vom Steuerzahler bezahlen) ließ. Dabei ist es eigentlich nicht notwendig, dass das Essen in besonders gehobener Atmosphäre stattfindet und man sich mit teurem Château Lafite abschädelt. Im Gegenteil, in einer steifen Umgebung kommt eine lockere Gesprächsatmosphäre schwerer auf. Doch das ist ja der Sinn eines geschäftlichen Essens: Die Möglichkeit, seinen Gegenüber persönlich kennen zu lernen und in gelöster Stimmung festzustellen, ob die Sympathie stimmt. Wenn es nicht funkt, wird’s auch später in der Zusammenarbeit schwerer.

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Und der Meinungsaustausch bei einem guten Bier in entspannter Umgebung kann auch einen der Psycho-Workshops ersetzen, in die viele Unternehmen ihr Führungspersonal stecken, weil immer mehr Businesswarriors in ihren Statusbüros vor dem Bildschirm ausbrennen.

Derzeit bieten sich in Süddeutschland beste Gelegenheiten, um Kunden- oder Personalpflege zu betreiben: Die Münchner Wiesn oder der Stuttgarter Wasen werden gerne genutzt, um gute Kunden einzuladen, neue Kunden zu gewinnen und gute Mitarbeiter zu bewirten – die überwiegende Anzahl der Tisch-Reservierungen in den 14 großen und 21 kleineren Zelten der Wiesn wird von Firmen vorgenommen.
Das Oktoberfest in München ist mit fast 7 Millionen Besuchern das größte weltweit und hat inzwischen überall Nachahmer gefunden. Natürlich auch bei den Weltmeistern im Kopieren: Die ehemalige deutsche Kolonialstadt Qingdao veranstaltet jedes Jahr eine chinesische Variante der Wiesn. Das Bier wird in Qingdao übrigens nicht in Flaschen, sondern in mitgebrachten Plastiktüten beim Händler gekauft.

Apropos kopieren: Während Bier in China bis Anfang der 80er Jahre nahezu unbekannt war, ist das Land seit einigen Jahren mit einem Konsum von heute 43 Milliarden Litern der größte Biermarkt der Welt, jedes vierte Bier wird inzwischen in China gebraut. Doch ganz im Gegensatz zur Auto- oder Maschinenbauindustrie hat es die deutsche Brauindustrie nicht geschafft, in China Fuß zu fassen – der belgische Inbev-Konzern ist hier beispielsweise sehr stark.

Vielleicht luden die deutschen Biermanager die chinesischen Partner nicht zum Geschäftsessen ein?

Hajo Stotz, Chefredakteur
hstotz@weka-businessmedien.de
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