Scope Online - Industriemagazin für Produktion und Technik
Sie befinden sich hier:
Home> Betrieb + Beschaffung> Erneuerbare Energien> Lesermeinungen Erneuerbare Energien>

Windkraftanlagen günstig demontieren

Forscher erwarten Rückbau-WelleAusgediente Windanlagen schnell, günstig und umweltfreundlich demontieren

Tausende Windkraftanlagen müssen in den kommenden Jahren demontiert und ersetzt werden, auf die Windparkbetreiber kommen Kosten in Millionenhöhe zu. Wie der Rückbau schnell, günstig und umweltfreundlich gelingen kann, erforschen Wissenschaftler am Institut für Integrierte Produktion Hannover (IPH) rechtzeitig vor der großen Rückbau-Welle, mit der sie in zirka zehn Jahren rechnen. Windparkbetreiber und Logistikunternehmen sind aufgerufen, sich an dem Forschungsvorhaben zu beteiligen.

Windkraftanlage

26.000 Windkraftanlagen gibt es derzeit in Deutschland1, seit 25 Jahren steigt ihre Zahl unaufhörlich an. Doch jede Windanlage, die errichtet wird, muss irgendwann auch wieder abgebaut werden. Momentan ist der Rückbau sehr aufwendig, gut vier Wochen dauert die Demontage einer einzigen Windenergieanlage. Per Kran werden die Rotorblätter, die Gondel und der Generator vom Turm gehievt und am Boden in ihre Einzelteile zerlegt. Vieles lässt sich wiederverwerten: das Kupfer aus den Kabeln etwa oder der Stahl aus den oberen Turmsegmenten. Am zeitaufwändigsten ist die Demontage des Betonturms: Er wird vor Ort zersägt oder gesprengt und zerkleinert, das Material lässt sich für den Straßenbau verwenden. Die Rotorblätter werden in der Regel geschreddert und als Brennmaterial in der Zementindustrie genutzt.

Anzeige
Weitere Beiträge zuWindkraftanlagen

Der Rückbau ist nicht nur aufwendig, sondern auch teuer: Er kostet zwischen 20.000 und 30.000 Euro pro Windkraftanlage, die Einnahmen aus dem Verkauf der Rohstoffe sind dabei schon eingerechnet. Bisher fallen die Kosten nicht stark ins Gewicht, da im Jahr 2015 nur etwa 250 Windanlagen abgebaut wurden. „Die große Rückbau-Welle steht uns erst noch bevor, sie kommt in etwa zehn Jahren“, sagt Martin Westbomke, Projektingenieur am Institut für Integrierte Produktion Hannover (IPH). Denn zwischen 2001 und 2003 gab es einen regelrechten Bauboom, und die Lebensdauer einer Windkraftanlage liegt bei etwa 20 bis 25 Jahren.

Sobald Windkraftanlagen im großen Stil zurückgebaut werden müssen, wird sich die bisherige Demontage-Strategie nicht mehr lohnen, meinen die Forscher am IPH. Derzeit werden Windkraftanlagen komplett vor Ort zerlegt. Dafür müssen Spezialmaschinen auf die grüne Wiese geschafft werden – beispielsweise Schredderanlagen für die Rotorblätter und spezielle Filteranlagen, die dafür sorgen, dass kein Glasfaserstaub in die Umwelt gelangt.

Effizienter wäre es nach Ansicht der Forscher, sogenannte Demontagenetzwerke aufzubauen. Dann müsste die Windkraftanlage vor Ort nur noch grob zerlegt werden. Die Einzelteile würden dann in spezialisierte Demontagefabriken transportiert, wo beispielsweise die Rotorblätter geschreddert, die Betonsegmente zerkleinert oder die Elektrokomponenten aus der Gondel zerlegt und recycelt würden. Statt die gesamte Infrastruktur an den Ort der Demontage zu bringen, würde das Windrad ins Demontagezentrum gebracht.

Unter welchen Bedingungen sich diese neue Strategie für Windparkbetreiber lohnt, erforscht das IPH im Projekt „DemoNetXXL – Demontagenetzwerke für XXL-Produkte“. Die Forscher gehen unter anderem der Frage nach, wie weit die Windkraftanlagen bereits vor Ort in ihre Einzelteile zerlegt werden müssen und welche Schritte im Demontagezentrum erledigt werden können. Denn je weniger vor Ort zerlegt wird, desto teurer ist der Schwerlasttransport in die Fabrik – dafür spart man die Kosten für Spezialmaschinen auf der grünen Wiese. Hier suchen die Forscher nach dem goldenen Mittelweg.

Zudem wollen sie herausfinden, wo die Demontagefabriken gebaut werden sollten – möglichst nah am Windpark oder vielleicht eher nah am Zementwerk, das die geschredderten Rotorblätter als Brennmaterial abkauft? Wie viele solche Demontagefabriken überhaupt benötigt werden und wie stark spezialisiert sie sein sollten, ist bisher ebenfalls unklar. All das wollen die Forscher im Projekt „DemoNetXXL“ herausfinden. Die Forscher achten dabei auf logistische, ökonomische und ökologische Aspekte: Sie wollen die Demontage beschleunigen, die Kosten minimieren und zugleich die Umweltbelastung reduzieren.

Windparkbetreiber und Logistikunternehmen, die sich für die neue Demontage-Strategie interessieren, können sich noch am Projekt beteiligen. Die Forscher erhoffen sich von den Partnerunternehmen Daten aus der Praxis – etwa zum genauen Ablauf der Demontage –, um realistische Ergebnisse erzielen zu können. Mithilfe der Forschungsergebnisse können die Partnerunternehmen anschließend ihre eigenen Demontage-Netzwerke aufbauen und somit Kosten sparen.

Interessierte Unternehmen melden sich bis zum 1. April bei Martin Westbomke unter der Telefonnummer (0511) 279 76-447 oder per E-Mail an westbomke@iph-hannover.de. kf

1 Quelle: Windenergie-Statistik 2015, erstellt von der Deutsche WindGuard GmbH im Auftrag des Bundesverband WindEnergie und VDMA Power Systems.

Anzeige

Weitere Beiträge zum Thema

Seebawind verzeichnet Umsatzplus

Windanlagen-BetriebsführungSeebawind jetzt unter den TOP 5 der Servicedienstleister

Seebawind Service mit Hauptsitz in Osnabrück und zwei Service-Centern ist ein herstellerunabhängiges Dienstleistungsunternehmen für Windenergieanlagen, spezialisiert auf Anlagen der Hersteller Nordex, Fuhrländer und Senvion (ehemals REpower). Im vergangenen Jahr konnte der Dienstleister seinen Umsatz von 10 auf 12 Millionen Euro steigern.

…mehr
Siemens Windpark Gwynt y Mor

Siemens lieferte 160 WindturbinenZweitgrößter Offshore-Windpark Gwynt y Môr offiziell eingeweiht

Heute wurde der Windpark Gwynt y Môr acht Meilen vor der nordwalisischen Küste in der Liverpool Bay offiziell von Carwyn Jones, First Minister von Wales eingeweiht. Die Einweihung des 2 Milliarden Pfund teuren Windparks, an dem RWE zu 60 Prozent und die Finanzierungspartner Stadtwerke München und Siemens zu 30 Prozent beziehungsweise 10 Prozent beteiligt sind, ist ein großer Erfolg für die beteiligten Unternehmen.

…mehr
Seebawind Wartungsteam

50 zusätzliche WindkraftanlagenSeebawind Service übernimmt Service4Wind

Seebawind Service übernimmt zum 1. Januar 2015 den Geschäftsbetrieb seines Netzwerkpartners Service4Wind. Das herstellerunabhängige Serviceunternehmen beschäftigt alle Mitarbeiter an den Stützpunkten in Osnabrück und Mücke weiter.

…mehr
Seebawind hat die Wartung des größten zusammenhängenden Fuhrländer-Windparks in Deutschland übernommen.

WindkraftwartungSeebawind sorgt für schnelle Reaktion bei Alarm

Das herstellerunabhängige Serviceunternehmen Seebawind hat die Wartung des größten zusammenhängenden Fuhrländer-Windparks in Deutschland (20 Windkraftanlagen) übernommen.

…mehr
Projektabschluss: „Best-in-Class“ Getriebeendschalter: Baumer und  B-COMMAND mit erfolgreicher Zusammenarbeit

Projektabschluss„Best-in-Class“ Getriebeendschalter: Baumer und B-COMMAND mit erfolgreicher Zusammenarbeit

Erfolgreicher Abschluss eines gemeinsames Technologieprojektes für Windkraftanlagen: Der SIL2/PLd zertifizierte Getriebeendschalter primeCAM ist das Ergebnis der gemeinsamen Entwicklung der Unternehmen Baumer und B-COMMAND. Beide Partner haben ihre hohe Innovationskraft und ihr Know-how in diesem Projekt gebündelt, das mit der Zertifizierung und dem Serienstart der Produktion des primeCAM seinen erfolgreichen Abschluss findet.

…mehr
Anzeige
Anzeige

Neue Stellenanzeigen