
h www.scope-online.de Dezember 2010 13 besser überstehen als ein direkt-vertreibender Hersteller.
Unser Konzept sehe ich als effizienter und überlebensfähiger gerade in besonders schlechten Zeiten: In ganz Europa haben wir während der Krise nur einen unserer Vertriebspartner verloren – einen Händler in Frankreich.
SCOPE: Welche Neuheiten stellt Haas zur AMB vor? Zierhut: Eine Innovation haben wir: die DT-1, eine Hochge- schwindigkeitsmaschine zum Bohren und Gewindebohren mit umfassenden CNC-Fräsfunktionen.
Die ist neu.
Eine Maschine mit einem sehr guten Preis-/Leistungsverhältnis.
Das ist bei allen Maschinen unsere Stärke: Eine Maschine für jedermann, in Deutschland könnte man sie als „Volksmaschinen“ bezeichnen.
Aber wir machen es nicht wie unsere Wettbewerber, ständig komplett neue Maschinen vorzustellen, sondern wir optimieren unsere Maschinen immer weiter.
Nur ein kleines Beispiel.
Die vertikalen Bearbeitungszentren sind im Vergleich zum Vor- jahresmodell 10 Prozent schneller.
Da machen wir kein großes Ding daraus, stellen sie nicht als neue Maschinen vor, wir sehen einfach eine neue Generation darin.
Wir machen es wie die deutsche Automobilindustrie: wir verbessern und verbessern konstant unsere Produkte, dann braucht man halt auch keinen Schnickschnack drumherum.
Genau das Gleiche kann man von unserem Dreh-Zentrum sagen.
Es ist praktisch ein neues Produkt, es ist schneller, beschleunigt besser , ist einfacher zu handhaben, hat eine bessere Geometrie.
Das bedeutet bessere Ergebnisse für den Kunden.
Und das zum gleichen Preis.
Es besitzt genau die Eigenschaften von Bear- beitungszentren, die die Kunden benötigen und die bei manch anderem das Doppelte kosten.
Bei uns kostet die Basismaschine druchschnittlich 45.000 Euro (es gibt auch günstigere Modelle), mit einigen Optionen kommt der Kunde auf 50.000 Euro.
Da stimmt das Preis-Leistungsverhältnis, und das ist es, was für den Kunden zählt.
SCOPE: Neben der eigenen Steuerung baut Haas auch die Ach- sen, Antriebe, Elektronik, Software, Spindeln und so weiter selbst.
Alle mechanischen Teile werden im eigenen Werk gefer- tigt.
Wurde diese Strategie in der Krisenzeit überdacht? Zierhut: Das war gerade in der Krise ein ganz klarer Vorteil.
Die eigene Fertigung der Komponenten, in hoher Qualität, mit angepasstem Volumen und effizienter, als wir es je einkaufen könnten.
Selbst bei einer reduzierten Produktion können wir unsere Maschinen effizienter herstellen als wenn wir die Komponenten von Zulieferern beziehen.
Das haben wir gerade jetzt festgestellt.
SCOPE: Neben Oxnard in Kalifornien produziert Haas seit 2008 auch in China, ursprünglich nur für den lokalen Markt.
Gilt diese Einschränkung heute auch noch? Zierhut: Wir produzieren nicht mehr in China.
SCOPE: Das war aber ein sehr kurzes Engagement.
Was sind die Gründe für die Produktionseinstellung? Zierhut: Wir haben in China nur für den chinesischen Markt, gebaut, die Produktion war bei weitem nicht so hoch wie die in den USA.
Aber wir waren sehr überrascht, als wir feststellten, dass die Produktion in USA wesentlich günstiger war als die in China.
Der Grund ist die Effektivität der Fabrik in den USA.
Die Arbeitskraft ist ein Teil, aber es ist nicht der größte un- serer Produktivität.
Das Material ist der größte Posten unserer Maschinen.
In China verliert man leicht die Kontrolle darüber, wie die eigenen Produkte gebaut werden.
Wir haben sehr, sehr effiziente Prozesse in den USA, die offenbar nicht einfach auf andere Standorte übertragen werden können.
Kurzum: Vor sechs Monaten haben wir unser Werk in Shanghai geschlossen und exportieren nun unsere Bearbeitungszentren wieder nach China – zum selben Preis.
SCOPE: Zwei der Schwerpunkte, die Ihr Vorgänger Peter Hall gesetzt hat, waren der Ausbau der Haas Factory Outlets (HFO) und das Programm der Haas Technical Education Centre (HTEC).
Welche strategischen Schwerpunkte setzen Sie? Zierhut: Die Pflege und die Stärkung der HFO sehe ich als eine meiner wichtigsten Aufgaben.
Wir müssen bei den HFO viel- leicht etwas wählerischer werden, denn Image ist nicht alles.
Wenn wir manchmal mit Unternehmen darüber sprechen, was es bedeutet ein HFO zu sein, sehen diese nur das Image.
Wir wollen aber vor allem eine von Grund auf straffe Organisation, Vertriebsmitarbeiter, die etwas vom Verkauf verstehen, und gute Servicekräfte, die die Anforderungen der Kunden kennen.
Das Selbstverständnis der HFOs muss sein: die Probleme der Kunden verstehen und im Bedarfsfall eine schnelle Unterstüt- zung in weniger als 24 Stunden leisten.
Ein HFO muss die Teile vor Ort haben, um sie sofort dem Kunden liefern zu können.
Dazu kümmern sich die HFOs um das Marketing, organisieren Ausstellungen, Tage der Offenen Tür und spezielle Events.
Ein solches HFO ist ein besserer Vertriebspartner für uns als einer, der nur ein großes Logo an einem schönen Gebäude mit viel Glas und Chrom hat.
SCOPE: Und welchen Stellenwert haben die Haas Technical Edu- cation Centres in Ihrer Strategie? Zierhut: Die HTEC sind ein guter Baustein in unserer Markenbil- dung.
Sie bieten zwei Vorteile.
Zunächst einen egoistischen: Ein Student, der an einer Haas-Maschine ausgebildet wurde, zieht diese später im Beruf natürlich vor.
Der zweite ist eher altruis- tisch: HTEC helfen wirklich, die Industrie allgemein zu stärken.
Deshalb wollen wir unsere Maschinen auch für die Schulen erschwinglich machen, um den Schülern frühzeitig moderne Technik nahe zu bringen.
Wie Peter Zierhut die Entwicklung der Märkte einschätzt, lesen Sie unter www.scope-online.de mit Eingabe der Kennziffer.
/Vertikale Bearbeitungszentren/ /Kennziffer Haas Automation Europe, B-Zaventem, Tel.
0032/2/5229905, Fax 5230855, www.haascnc.com www