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Drei Mythen zu Industrie 4.0

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Industrial IoTDrei Mythen zu Industrie 4.0

Fehlende Standards, ein zu massiver Einschnitt und viel zu teuer: Diese Begründungen werden meist ins Feld geführt, wenn Unternehmen bei Projekten rund um das Industrial Internet of Things beziehungsweise Industrie 4.0 zögern. Bei genauerem Hinsehen erweisen sie sich aber als falsche Mythen.

Industrial IoT: Drei Mythen zu Industrie 4.0

Das Industrial Internet of Things (IIoT) oder Industrie 4.0 entwickelt sich rasant und die Analysten prophezeien dem Markt in den nächsten Jahren stolze Wachstumsraten. Das ist auch kein Wunder, denn Branchen wie die Fertigungsindustrie, das Transportwesen oder die Energiewirtschaft können vom Internet der Dinge ganz besonders profitieren. Dennoch gibt es nach wie vor zögernde Entscheidungsträger in den Unternehmen, die IIoT-Projekte auf die lange Bank schieben oder sogar komplett abblasen. Der Grund dafür sind meist drei weit verbreitete Bedenken – die sich bei genauerer Überprüfung aber als unwahre Mythen erweisen.

Mythos 1: Wir müssen auf Standards warten

Auf den Märkten für Konsumenten ist Standardisierung ein wesentlicher Schlüssel zum Erfolg. Ganz im Gegensatz dazu wird die Standardisierung im IIoT aber auf Jahrzehnte hinaus keine große Bedeutung gewinnen. Klar: Es gibt mittlerweile zahlreiche Standardisierungs-Initiativen für das Industrielle Internet der Dinge und es ist noch nicht absehbar, welche davon sich langfristig durchsetzen und welche davon marginalisiert werden. Aber die Wahrheit ist: Es spielt überhaupt keine Rolle. Auf den Kosumentenmärkten können sich neue Standards, etwa für NFC-Chips in Smartphones, in wenigen Jahren verbreiten, weil die Menschen ihre Telefone innerhalb dieses Zyklus austauschen. In der Industrie kommen die Maschinen und Anlagen über viele Jahre oder sogar mehrere Jahrzehnte hinweg zum Einsatz.

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Selbst wenn die Hersteller die neuesten Generationen ihrer Betriebsmittel mit Technologien ausstatten, die einem bestimmten IIoT-Standard entsprechen, wird es demnach Jahrzehnte dauern, bevor Unternehmen all ihr vorhandenes Equipment damit ersetzen. Industrieunternehmen sollten sich deshalb darauf vorbereiten, individuelle Integrationslösungen zu entwickeln und ihre vorhandenen Betriebsmittel mit Sensoren und Kommunikationstechnologien nachzurüsten.

Mythos 2: Der Einschnitt ist viel zu groß

Das IIoT entwickelt in den allermeisten Fällen das vorhandene Geschäft weiter, anstatt es grundlegend zu verändern. Sein Erfolg stellt sich vor allem in kleinen, gut umsetzbaren Schritten ein, die vorhandene Prozesse schon heute verbessen. Höhere Produktivität, bessere Qualität, schnellere Markteinführung von Produkten, Prozessoptimierungen, Kostensenkungen oder eine verbesserte Entscheidungsfindung – das sind die Haupttreiber hinter dem Industrial Internet of Things.

Beim Blick auf Unternehmen, die das IIoT bereits erfolgreich nutzen, zeigt sich, dass die allermeisten von ihnen mit einigen wenigen wohlüberlegt ausgewählten Prozessen und einem inkrementellen Ansatz gestartet sind. Das kann auch nur die Anbindung einer einzigen Maschine sein. Erzielt man dadurch ein bisschen mehr Umsatz, kann das die Inspiration für einen größeren Schritt sein – beispielsweise die Integration mit weiteren Datenstreams wie Wettervorhersagen oder Temperaturänderungen, die es erlauben, die Leistung einer Maschine weiter zu optimieren. Die entscheidende Frage lautet „Wie können wir das etwas effi-zienter machen?“ und nicht etwa „Wie können wir unser Geschäft revolutionieren?“. Inkrementelle Veränderung ist der Schlüssel zum Erfolg.

Mythos 3: Es ist einfach zu teuer

Vor einigen Jahren mag diese Einschätzung sogar noch richtig gewesen sein. Aber drei wesentliche Entwicklungen haben dafür gesorgt, dass das Industrial Internet of Things heute erschwinglicher ist denn je. Zum einen sind die Preise für Hardware und -Software deutlich gefallen – von den kleinsten Sensoren bis hin zu den größten Gateways. Die Anbindung eines Gabelstaplers beispielsweise hätte vor zehn Jahren mindestens tausend Euro gekostet – und war damit für Unternehmen, die mehrere davon im Einsatz haben, nicht bezahlbar. Heute dagegen muss man für die Anbindung eines Gabelstaplers nur noch etwas mehr als zehn Euro investieren.

Zweitens ist das Internet inzwischen wesentlich breiter und kostengünstiger verfügbar. Das macht es einfacher als jemals zuvor, auch Maschinen in der Fabrik oder Anlagen im freien Feld zu integrieren. Neue Entwicklungen wie der Mobilfunkstandard 5G und die Low-Power-WAN-Technologie LoRa sorgen dafür, dass sich dieser Trend fortsetzen wird. Last but not least stehen heute kosteneffiziente IoT-Plattformen in der Cloud zur Verfügung. Sie sind rasch einsatzbereit und bieten massive Rechen- und Speicherkapazitäten. Zusammengenommen geben diese drei Entwicklungen den Unternehmen damit die Möglichkeit, IIoT-Projekte schnell und mit geringem Risiko zu starten.

Es gibt also für die Unternehmen keinen Grund, ihre IIoT-Projekte zurückzuhalten oder gar abzublasen. Wenn sie das Thema angehen, sollten sie sich allerdings von einer entscheidenden Frage leiten lassen: Wie können sie ihre IIoT-Daten operationalisieren. Damit sich Investitionen in das Industrial Internet of Things lohnen, reicht es nicht, die Daten nur zu sammeln und zu analysieren. Die Erkenntnisse der Analysen müssen auch zu Handlungen führen, die die Geschäftsabläufe verbessern – seien es optimierte Wartungspläne, höhere Service-Levels, verbesserte Logistik, bessere Produkte oder die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle. Dan Matthews, IFS / hs

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