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Finetrading zur Reduzierung der Kapitalbindung

Blockchain-LabErste Prototypen entwickelt

Blockchain

Vor einem Jahr hat das Fraunhofer-Institut für Angewandte Informations-technik FIT das Blockchain-Lab eröffnet. Die Kunden kommen aus allen Bereichen der Wirtschaft. Sie wollen wissen: Was ist dran an dem Hype um die neue Technologie? Und was bedeutet sie für mein Geschäftsfeld? Die Fraunhofer-Experten klären auf, identifizieren Anwendungsfälle und entwickeln Prototypen.

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FinetradingInstrument zur Reduzierung der Kapitalbindung

Hohe Kapitalbindung durch lange Zahlungsziele oder eine ausgeprägte Lagerhaltung führen bei produzierenden Unternehmen oft zu zusätzlichem Liquiditätsbedarf. Eine Lösung für dieses Problem verspricht Finetrading. Bei diesem Handelsgeschäft schaltet sich ein Zwischenhändler zwischen Lieferant und Abnehmer. Finetrading verschafft Unternehmen so nicht nur zusätzliche Liquidität, sondern auch ein Plus an Flexibilität und stärkt den Handlungsspielraum.

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Dreiecksbeziehung beim Finetrading

Drei Monate warten, bis die Rechnung bezahlt wird? Was außergewöhnlich klingt, ist in einigen Branchen durchaus üblich: Stolze 92 Tage müssen deutsche Maschinenbauer im Schnitt auf die Bezahlung ihrer Rechnung warten. So lange beträgt laut einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte ihre durchschnittliche Kapitalbindungsdauer (Netto-Umlaufvermögensbindung). Getoppt wird dieser Wert nur noch von der Elektronik- und Elektrotechnikindustrie, in der die Unternehmen im Durchschnitt noch zwei Tage länger auf ihr Geld warten müssen. Die Folge für produzierende Unternehmen aus diesen Branchen liegt auf der Hand: Ihre Kapitalbindung ist besonders hoch und im schlimmsten Fall drohen – trotz positiver Auftragsentwicklung – Liquiditätsengpässe.

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Lange Kapitalbindungsdauer abfedern

„Von der Beauftragung über die Planung, Produktion und Installation der fertigen Anlage vergehen mehrere Monate“, bestätigt der Gründer und Geschäftsführer eines mittelständischen Maschinen- und Anlagenbauers, der sich auf automatisierte Systeme zur Kunststoffverarbeitung spezialisiert hat. „Eine vollständige Fakturierung ist in der Regel erst nach der Endabnahme beim Kunden möglich“, so der Unternehmer. Um dennoch zu jedem Zeitpunkt, also beispielsweise auch in Hochphasen, die nötige Liquidität und damit Flexibilität zu gewährleisten, nutzt das Unternehmen seit Mitte 2013 die Wareneinkaufsalternative Finetrading.

Finetrading basiert auf einer Dreiecksbeziehung, das heißt: Zwischen Abnehmer und Lieferant schaltet sich ein Zwischenhändler, der sogenannte Finetrader. Dieser tritt, nachdem sich die beiden Parteien handelseinig geworden sind, als neuer Debitor auf und erwirbt die Waren gemäß Kundenauftrag. Während die Ware direkt an den Abnehmer geliefert wird, geht die Rechnung an den Finetrader, der sie sofort, also noch innerhalb der Skontofrist, bezahlt.

„Der Lieferant profitiert vom Wegfall des Ausfallrisikos und einem unmittelbaren Zahlungseingang“, erklärt Clemens Wagner, Direktor Beratung beim Marktführer WCF Finetrading GmbH. Mit dem Abnehmer vereinbart der Finetrader ein Zahlungsziel von maximal 120 Tagen. Durch das verlängerte Zahlungsziel kann das Unternehmen sein Working Capital optimieren und liquide Mittel freisetzen. „Bei WCF Finetrading können in der Regel Einkaufslinien von 150.000 Euro bis 10 Millionen Euro eingeräumt werden.“

Zusätzliche Liquidität zu Beginn der Wertschöpfung

Finetrading setzt also sehr früh in der Wertschöpfungskette an und schafft mehr Liquidität – und das noch vor der Produktion, nämlich beim Einkauf. Der frühe Einsatz in der Kette ist einer der Hauptunterschiede zum Beispiel zum Factoring, bei dem Forderungen aus bereits erfolgten Warenlieferungen an die Kunden angedient werden“, erläutert Clemens Wagner. Weiteres Unterscheidungsmerkmal: Finetrading bietet ein Maximum an Flexibilität. Denn während beim Factoring die Forderungen von vorab definierten Debitoren üblicherweise ausnahmslos abgetreten werden müssen, kann beim Finetrading das Unternehmen bei jeder Bestellung autonom entscheiden, ob sie über das Instrument abgewickelt werden soll oder nicht.

Von dieser Freiheit macht auch der mittelständische Maschinen- und Anlagenbauer Gebrauch: „Wir können Finetrading, je nach aktueller Lage, sowohl für den Einkauf von einzelnen Komponenten oder auch von ganzen Baugruppen nutzen.“ Dank des verlängerten Zahlungsziels bleiben bis zu vier Monate Zeit Umsatz zu generieren, bevor die Zahlung fällig wird. Zudem profitiert das Unternehmen durch den Finetrading-Partner vom Skonto. Auch die Lieferanten des Unternehmens haben den sofortigen Zahlungseingang und die schnelle, unkomplizierte Abwicklung schätzen gelernt, berichtet der Geschäftsführer. „Für uns ist Finetrading einfach ideal“, so sein Resümee.

Hohe Kapitalbindung durch Lagerhaltung

Finetrading mit Konsignationslager

Neben langen Zahlungszielen der Kunden, kann auch eine ausgeprägte Lagerhaltung bei produzierenden Unternehmen zu einer hohen Kapitalbindung führen. Betroffen sind vor allem Branchen und Unternehmen, in denen Versorgungssicherheit und die sofortige Verfügbarkeit von kritischen Teilen und Geräten essentiell sind.

„Dies gilt beispielsweise für Zulieferer in der Automobilbranche, aber auch in der chemischen Industrie oder der Prozessindustrie“, erläutert Clemens Wagner. „Sind wichtige Teile nicht schnell verfügbar, geht den Kunden Produktionszeit und damit bares Geld verloren. Sie erwarten daher von ihren Ausrüstern in vielen Fällen eine 100-prozentige Bevorratung, damit diese ihren Lieferverpflichtungen jederzeit nachkommen können.“

Eine smarte Lösung, um diese Versorgungssicherheit zu gewährleisten, bietet die Einrichtung eines Konsignationslagers. Die Vorteile eines solchen Lagers, bei dem die Ware jederzeit verfügbar ist, aber bis zur Entnahme durch den Abnehmer im Eigentum des Lieferanten verbleibt, liegen auf der Hand: Sofortige Verfügbarkeit und hundertprozentige Versorgungssicherheit bei gleichzeitig geringen Beschaffungskosten. Allerdings erhöht ein Konsignationslager auch die Kapitalbindung für den Lieferanten. Denn die gelagerte Ware belastet bis zur Entnahme seine Bilanz und kann unter Umständen die Einhaltung der Financial Covenants negativ beeinflussen.

Lieferungen in sofortige Liquidität umwandeln

Clemens Wagner, Direktor Beratung, WCF Finetrading

„Auch für solche Fälle ist Finetrading hervorragend geeignet“, stellt Clemens Wagner von WCF Finetrading dar. „Denn es ist sicherlich eines der effizientesten und innovativsten Instrumente, um Lieferungen in ein Konsignationslager in sofortige Liquidität umzuwandeln und so das Umlaufvermögen zu optimieren.“

Und das funktioniert so: Als Zwischenhändler kauft der Finetrader auch hier die produzierten Waren. Diese werden jedoch unverzüglich in das Konsignationslager geliefert und dort unmittelbar für Bestellungen vorgehalten. Bis zur tatsächlichen Entnahme verbleiben die Produkte im Eigentum des Finetraders. „In der Regel liefern wir die Teile aus dem Konsignationslager an unsere Tochtergesellschaften im Ausland“, berichtet der Geschäftsführer eines Unternehmens, das bereits auf Finetrading-Konsignationslager, zum Outsourcing von Teilen seiner Lagerbestände, zurückgreift. Die Abnehmer – in der Regel Tochtergesellschaften im Ausland – können sich so nicht nur darauf verlassen, dass wichtige und häufig nachgefragte Teile immer verfügbar sind, „sondern wir können ihnen nun auch ein Zahlungsziel von bis zu 120 Tagen gewähren. Das verschafft uns eine enorme Flexibilität.“

Als Lieferant profitiert das Unternehmen von einem sofortigen Zahlungseingang, denn der Finetrader bezahlt die Rechnung unverzüglich. „Durch das temporäre Outsourcen des Lagerbestandes eignet sich das Instrument darüber hinaus zum Bilanzstrukturmanagement und zur Stärkung der eigenen Kennzahlen“, präzisiert Clemens Wagner die weiteren Vorteile von Finetrading-Konsignationslager.

Das Lager selbst kann sowohl beim Kunden, beim Lieferanten oder dem Logistikpartner angesiedelt sein. Einzige Bedingung: „Das Konsignationslager muss seinen Standort im Inland haben und der Lieferant muss – anders als beim klassischen Finetrading mit internationalen Lieferanten – in der EU ansässig sein“, erklärt Clemens Wagner. Grundsätzlich gilt: Die betreffende Ware muss handelbar sein.

Das Fazit: Ob beim Einsatz für den Wareneinkauf oder für Lieferungen in ein Konsignationslager – in beiden Fällen liegen die Vorteile für Nutzer auf der Hand:  Sie profitieren von einem sofortigen Liquiditätszufluss, gewinnen an Flexibilität und erweitern so ihren unternehmerischen Handlungsspielraum. cs

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