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WerkzeugeEs waren einmal drei Brüder…

Es dürfte kaum einen Ingenieur geben, der nicht wenigstens einmal in seiner Laufbahn ein Werkzeug von Gedore in der Hand gehalten hat. Im kommenden Jahr feiert der inzwischen weltweit agierende Hersteller sein 90-jähriges Bestehen. SCOPE greift den offiziellen Jubiläumsfeierlichkeiten vor und wagt einen Blick zurück.

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Das Porträt: Es waren  einmal drei Brüder…

Recht dramatisch ging es zu im Nachkriegsjahr 1919. Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht wurden ermordet und die Weimarer Republik – wenige Wochen zuvor erst proklamiert – muss sich in Straßenkämpfen gegen aufständische Spartakisten und bayerische Räterepublikaner behaupten. Und während in Berlin und München die politischen Extreme aufeinander prallen, gründen Otto, Karl und Willi Dowidat im einige Hundert Kilometer entfernten Remscheid eine Werkzeugfabrik. Praktisch ohne Kapital, nur auf die eigene Kraft vertrauend, beginnen die drei Brüder in einem kleinen Fachwerkhaus mit der Herstellung von verstellbaren Schraubenschlüsseln, Locheisen und anderem Handwerkzeug.Sie kaufen alte Maschinen, arbeiten sie für ihre Zwecke um und dank einer soliden Ausbildung (alle drei Brüder hatten einen Metall verarbeitenden Beruf erlernt) und einer heute kaum nachvollziehbaren Anspruchslosigkeit bringen sie ihren Betrieb rasch vorwärts.

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Umzug und Aufschwung

Bald wird der Name Gedore geprägt; er steht für Gebrüder Dowidat Remscheid.

Zu den drei Brüdern gesellt sich schnell der erste Mitarbeiter. Neue Räume werden angemietet, das Produktionsprogramm wird erweitert. Bereits wenige Jahre später, 1926, reichen die vorhandenen Räume nicht mehr aus. Es erfolgt der Umzug zur Stursbergerhöhe in Remscheid-Lüttringhausen, wo sich noch heute das Stammwerk von Gedore befindet. Mit dem Aufschwung der Motorisierung zu Beginn des 20. Jahrhunderts und mit dem Aufbau eines eigenen Exportnetzes steigt die Bedeutung von Gedore als Fertigungsstätte hochwertigen Handwerkzeuges zu Weltgeltung an.

In vielen Ländern wurde das Unternehmen ein Synonym für modernes Werkzeug überhaupt. So zum Beispiel mit den Steckschlüsselkästen, die noch heute vielerorts Gedore-Kassetten genannt werden. Von den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs bleibt das Unternehmen in Remscheid weitgehend verschont. So kann bald nach Kriegsende die Produktion in kleinem Umfang wieder aufgenommen werden. Tiefgreifende Meinungsverschiedenheiten der beiden Brüder Otto und Willi Dowidat führen dann 1949 zur Aufteilung des Betriebes in das Unternehmen Gedore unter seinem Alleininhaber Otto Dowidat und die Dowidat-Werke unter Willi Dowidat. Der dritte Bruder Karl war bereits 1933 verstorben. Für Gedore beginnt anschließend erneut ein großartiger Aufschwung. Dank der guten Wirtschaftskonjunktur und einer geschickten Fertigungs- und Verkaufspolitik durchlebt das Unternehmen eine sprunghafte Entwicklung. Neue Gebäude und Fabrikationsanlagen werden nötig; hinzu kommt ein neues Lager mit Packstube, das nach modernen Gesichtspunkten ausgelegt wird. Neben der dort konzentrierten Verwaltung ist die damalige Produktion in erster Linie auf die Herstellung des Steckschlüsselprogrammes und auf die Fertigung von schweren Schraubenschlüsseln und Werkzeugen in kleineren Losgrößen ausgerichtet.

Aufbruch ins Ausland

1960 ist für das Unternehmen ein entscheidendes Jahr. Die Firmenleitung fasst den Beschluss, im Ausland zu investieren – ein für die damalige Branche revolutionärer Schritt. Die Fertigungsstätten Südafrika und Brasilien entstehen, die in ihren Regionen marktführend sind. Als internationale Firmengruppe stärkt Gedore seinen weltweit guten Ruf.

Obwohl die Kapazitäten immer mehr ausgebaut werden, reichen sie nicht mehr, um die Nachfrage decken zu können. So beschließt man 1961 eine weitere Ausdehnung der Fertigungsstätten. Ausreichendes und gut qualifiziertes Personal findet sich im Bayrischen Wald. So entsteht das Werk Waldkirchen, wo die großen Serien von Gabelschlüsseln, Ringschlüsseln und Kombinationsschlüsseln gefertigt werden.

Seit 1972 wird im österreichischen Birkfeld für das Mutterhaus und für den direkten Export, hauptsächlich aber für den österreichischen Markt, ein kleiner Bereich von Spezialwerkzeugen gefertigt. Das Programm wird durch Produkte des Hauptwerks Remscheid ergänzt. Darüber hinaus entsteht hier die Fertigungsstätte für die neuen Gedore Zangen, für die eine völlig neue Form entwickelt wird.

Seit dem Tode des Firmenmitbegründers Otto Dowidat im Jahre 1975 ist die Firma weiterhin ein Familienbetrieb unter der Leitung des Sohnes Karl Dowidat. Sie wird nunmehr von dessen Tochter Karen Dowidat geführt. Alle Tochterfirmen werden mehrheitlich vom Remscheider Stammhaus geleitet. Gedore zählt heute zu den weltweit größten Werkzeug-Herstellern und repräsentiert die acht Marken Gedore, Rahsol Dremotec, Dako, Habero, Ochsenkopf, Metec, Klann und Carolus. Weltweit beschäftigt die Gruppe insgesamt etwa 3.000 Mitarbeiter. ms

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