Scope Online - Industriemagazin für Produktion und Technik
Sie befinden sich hier:
Home> Service> Best Practice> Schneller im Durchlauf

Best practiceSchneller im Durchlauf

Der Südwesten Baden-Württembergs ist bekannt als Hightech-Region. Vielen mittelständisch geprägte Fertigungsbetriebe haben sich dort niedergelassen und können auf die Marktführerschaft in großen und kleinen Industriezweigen verweisen. Die Karl Klausmann GmbH mit Sitz in Schwörstadt besticht zwar nicht durch prominente Größe, doch ein Vorzeigeunternehmen ist es allemal. Denn der Hersteller von Press- und Spritzguss-Werkzeugen setzt auf eine durchgängige Prozesskette auf Basis von 3D-Tools der Missler Software SA. mit Sitz Paris.

40 bis 50 große Elektroden an einem Tag

Best practice: Schneller im Durchlauf

"Aus den 3D-CAD-Artikeldaten wird die Konstruktion für das Werkzeug abgeleitet. Hierzu müssen wir am Bauteil gewisse Modifikationen durchführen, beispielsweise um die Entformung zu ermöglichen und den Trennungsverlauf der Spritzgussform zu definieren", erläutert Konstruktionsleiter Thomas Tremmel im Gespräch mit der Redaktion. "Dies führen wir alles mit TopSolid-Modulen durch, weil sie über gute Schnittstellen zu den CAD-Systemen unserer Kunden und unserer externen Konstruktionspartnern verfügen." TopSolid'Design und TopSolid'Mold werden zur 3D-Modellierung der Werkzeuge und Spritzgussformen benutzt, wobei TopSolid'Mold über eine Vielzahl von Automatismen und Funktionen für die Freiformflächen-Modellierung verfügt, die dieses Tool für die Formen-Modellierung attraktiv machen. TopSolid'Cam ME kommt für die Programmierung, der entsprechende Postprozessor für die NC-Code-Erzeugung der Fräsbearbeitungszentren zum Einsatz. Desweiteren verwenden die Schwörstädter die Applikation TopSolid'Wire und dessen Postprozessor für die Draht-Erosion. "Zur Positionierung der Elektroden findet die automatische Datenübergabe von der CAD-Anwendung an TopSolid'Cam statt", sagt Tremmel. Dies sei ein großer Vorteil, denn die Bearbeitung der Elektroden lasse sich so schneller programmieren. Der Konstrukteur fügt hinzu: "Wir sind heute in der Lage, 40 bis 50 große Elektroden an einem Tag mit einem Mann zu programmieren." Formen werden bei Klausmann im Falle der Gesenkerosion ausschließlich mit Graphit-Elektroden hergestellt.

Anzeige

Datenverwaltende Funktionen sind ausreichend

Da der Betrieb überwiegend für die Automobil- und Motorrad-Industrie tätig ist, liegen die Artikeldaten meist im Catia-V5- oder Pro/Engineer-Format vor. Klausmann-Werkzeuge finden Anwendung bei der Herstellung von Innenbeleuchtungen, Scheinwerfer/Rückleuchten und Befestigungselemente wie Kabelbinder oder Kabelkanäle, sogar Schäumformen stellt das Unternehmen her: "Hierbei bewegen wir uns im Bereich von Werkzeugen mit einem Gewicht bis zu 4 Tonnen, einer Dimension von 1 000 x 800 mm und beliebiger Kavitätenanzahl - von einfach bis 32-fach", sagt Tremmel nicht ohne Stolz. Klausmann-Werkzeuge produzieren Teile für praktisch die gesamte Automobilindustrie. Wer sich einen verlässlichen Eindruck von der Prozessqualität verschaffen will, nimmt den Änderungsprozess unter die Lupe. Tremmle sagt hierzu gelassen: "Mit TopSolid haben wir ein gut arbeitendes Change Management umgesetzt. Infolge der parametrisch-assoziativen Verknüpfung der Missler Software-Tools werden unsere Daten zum großen Teil automatisch an die modifizierten Kunden-Daten angepasst." Hierzu sei kein PDM-System notwendig, da die Daten-verwaltenden Funktionen innerhalb von TopSolid völlig ausreichten, betont der CAD/CAM-Experte. Dies sei ein Hauptargument gewesen, warum man sich für das System entschieden hatte. "Wir können unsere Engineering-Geschäftsprozesse sehr gut abbilden - sogar ohne PDM-System." Für die Materialverwaltung hat man eine eigene Lösung auf Basis von Microsoft Access entwickelt, sodass auch kein kommerzielles PPS-System im Einsatz ist. Seit rund zwei Jahren werden die Missler Software-Tools eingesetzt. Da seit rund 10 Jahren 3D-CAx-Technologie verwendet wird, stellt sich die Frage, warum der Wechsel der Engineering-IT-Infrastruktur zustande kam: "Das vorherige System wurde nicht mehr weiterentwickelt. Es blieb praktisch mehrere Jahre auf dem gleichen Stand stehen. Und Benchmarks haben gezeigt, dass wir mit TopSolid eine sehr gute Komplettlösung erhalten würden", erinnert sich Tremmel. Die Durchgängigkeit erstrecke sich von CAD/CAM über das Draherodieren bis hin zum 5-Achs-Fräsen: "Jetzt ist zum Beispiel Drahterodieren am 3D-CAD-Modell möglich, was früher undenkbar war."

Erfahrung und Maschinenpark zählen

Über den Konkurrenzdruck im Werkzeug- und Formenbau infolge der Globalisierung der Märkte ist viel geredet und geschrieben worden. Ein in diesem Kontext immer wieder diskutierter Aspekt ist die Alleinstellung deutscher Betriebe in dieser Branche. Darauf angesprochen gibt Lothar Klausmann, wie sein Bruder Jürgen Klausmann, Mitglied der Geschäftsführung des 28-Mann-Betriebs, zunächst eine eher ausweichende Antwort: "Unsere Werkzeuge kann im Prinzip jeder fertigen, der über den entsprechenden Maschinenpark und das nötige Know-how verfügt." Natürlich gehört hierzu auch die geeignete Engineering-IT-Infrastruktur dazu. Entscheidend sei, so der Manager, die über viele Jahre hinweg gesammelte Erfahrung. Sie stelle für den Wettbewerb eine gewisse Hemmschwelle dar. "Aber es ist nicht so, dass ein anderer Betrieb nicht ein Werkzeug herstellen könnte, dass wir hier herstellen", bringt der Manager deutlich zum Ausdruck. Der Grund hierfür liegt in der Tatsache begründet, dass die gängigen Werkzeugbau-Technologien sich in ihren Ergebnissen wenig unterscheiden. Es ist sind also viele Aspekte, die den unternehmerischen Erfolg ausmachen. Zum Beispiel die enge Partnerschaft mit G. A. Röders, das die HSC-Fräsmaschinen liefert. Für Lothar Klausmann ist dies ein ganz wichtiger Aspekt: "Wenn bei uns ein Problem in der Oberflächenqualität auftaucht, sorgt Röders umgehend dafür, dass wir dabei zu einem Ergebnis kommen, dass für uns und unsere Kunden zufriedenstellend ist." Klausmann pflegt zudem eine enge Beziehung zu Missler Software. "Über den Missler Software-Vertriebspartner Adequate Solutions haben wir einen guten Draht zum Systemanbieter." Der in Lahr ansässige Händler helfe schnell und unkompliziert bei Problemen und Anwendungsfragen, etwa im Umgang mit dem Postprozessor. Auf die technologischen Veränderungen angesprochen, meint Lothar Klausmann: "Ich gehe davon aus, dass wir in vier bis fünf Jahren keine Werkzeugmaschine mehr ohne Teilewechsler einsetzen werden. Bei unserer Elektroden-Fertigung ist dies teilweise bereits umgesetzt. Es wird Pflicht sein, 60 bis 90 Teile vorzuwechseln." Die Fertigungszeiten pro Elektrode sind gegeben und die Materialumstellung von Kupfer auf Graphit vollzogen. Pro Tag wird bereits heute eine Auslastung von rund 23 Stunden erreicht, in der Elektroden gefertigt werden. Der Rest entfällt auf die Rüstzeit. Problematisch sei es, wenn viele Winkelbearbeitungen durchgeführt werden müssen, sagt Lothar Klausmann, weil dann die automatisierten Arbeitsabläufe unterbrochen werden, etwa um 5-Achs-HSC-Maschinen in den Herstellungsprozess einzubinden. "Wir versuchen, so kompakte Elektroden wie möglich zu konstruieren und Teilbereiche der Bearbeitung soweit wie möglich mit einer Elektrode abzudecken", fügt Jürgen Klausmann hinzu.

Durchgängige Datenkompatibilität vorantreiben

"Wir werden noch mehr Datenkompatibilität brauchen", fordert Jürgen Klausmann. "Nach der Konversion der Kunden-CAD-Daten in Iges muss durchgängig der Soll/Ist-Abgleich mit den Elektroden-Design stattfinden. Dazu gehört auch die direkte Vermessung der Freiformflächen und die unmittelbare Maßkontrolle am Werkzeug. Das wird die Zukunft sein." Eine Prozesskette ohne Medienbrüche ist deshalb so wichtig, da die Komplexität der Elektroden-Geometrien stetig zunehmen werden. Dieser Trend wird auch dazu führen, dass künftig die 5-Achs-Simultanbearbeitung auf der Tagesordnung stehen wird. Verlangen die Kunden nach kürzeren Durchlaufzeiten? Auf jeden Fall, meint Thomas Tremmel. Durch die Einführung der Missler-Tools konnte man hierbei bereits erhebliche Fortschritte erzielen. "Hier leistet Topsolid mit seiner Parametrik und bestimmten Features zur verkürzten Bearbeitung von Standardaufgaben wertvolle Hilfe", sagt der Konstruktionsleiter. Früher wurde für ein Werkzeug etwa 14 Wochen benötigt, "heute schaffen wir es in 10 Wochen." Die Konstruktionsabteilung nutzt Methoden des Simultaneous Engineering für die Zeitverkürzung. Ein Konstrukteur beginnt mit der Festlegung des Trennungsverlaufs, während sich der Kollege gleichzeitig an die Ausarbeitung des Werkzeugs macht. "Dadurch gewinnt man bereits eine Woche Zeit." Doch damit nicht genug. Da durch mit TopSolid die Zeichnungsableitung nun durchgängig möglich ist, kann zu einem relativ frühen Zeitpunkt mit Elektrodenkonstruktion und der Erstellung der NC-Programm begonnen werden.

Wirtschaftliche Randbedingungen

Die Auftragsbücher sind gut gefüllt und die Kunden zufrieden. Was steht für die Zukunft an? "Wachstum ist wichtig und muss sein", sagt Lothar Klausmann auf die Frage nach der eigenen Expansionsstrategie. Sein Bruder gibt allerdings zu bedenken, dass die Firma im Dreiländereck angesiedelt ist. Der Rhein bildet eine natürliche Grenze für die Größenzunahme. "Von Süden her bekommen wir kein Personal. Die Schweiz ist für uns wie eine Grenze, die wir nur schwer überschreiten können", sagt Jürgen Klausmann. Das gilt übrigens auch für das Neukundengeschäft. Zumindest: "Der Wechselkurs entwickelt sich für uns in die richtige Richtung". Zu dem nur 40 Kilometer entfernten Frankreich besteht eine Sprachbarriere. In der Region um Lörrach/Rheinfelden wird die französische Sprache nicht gepflegt. Da keine Zuwanderung stattfindet, "können wir nur wachsen, indem wir Personal selbst ausbilden und Leute aus der Region rekrutieren", sagt Jürgen Klausmann. lg

Anzeige

Weitere Beiträge in dieser Rubrik

Best practice: Advertorial: MiniTest 7400 – Präzisionsschichtdickenmessgerät für höchste Ansprüche

Best practiceAdvertorial: MiniTest 7400 – Präzisionsschichtdickenmessgerät für höchste Ansprüche

Das neue Schichtdickenmessgerät MiniTest 7400 der ElektroPhysik beeindruckt durch komfortable Möglichkeiten der Messreihenverwaltung sowie einer umfang­reichen Datenauswertung.

…mehr
PORTÉGÉ Z930 SERIE: DAS AUßER-GEWÖHNLICH LEICHTE ULTRABOOK™**

PORTÉGÉ Z930 SERIEDAS AUßER-GEWÖHNLICH LEICHTE ULTRABOOK™**

Der Portégé Z930 ist das ultradünne Ultrabook **von Toshiba. Mit seinem 33,8-cm-Display (13,3") ist er auffallend schmal und leicht und passt in jede Tasche. Doch im kleinen Format steckt große Performance: Ausgestattet mit allen gängigen Anschlüssen, einem stabilen Magnesiumgehäuse und einem langlebigen Akku (bis zu 8 Stunden**) ist dieses Notebook ein starker Begleiter für Ihre Arbeit.

…mehr
Best practice: Advertorial: FEINGUSS BLANK - Mit Feinguss sicher schalten

Best practiceAdvertorial: FEINGUSS BLANK - Mit Feinguss sicher schalten

Feingussteile von Blank leisten zuverlässig ihre Arbeit beim Euchner Sicherheitsschalter CET. Nachhaltige Erhöhung der Effizienz sowie Beständigkeit in der Supply Chain- deswegen ist Feinguss Blank der Partner der Firma Euchner!

…mehr
Best practice: Advertorial: Alles im Griff – Feinguss von BLANK

Best practiceAdvertorial: Alles im Griff – Feinguss von BLANK

DORMA ist der zuverlässige weltweite Partner für Premium-Zugangslösungen und -Serviceleistungen der modernen Gebäudetechnik. FEINGUSS BLANK ist die Feingießerei mit über 50 Jahren Erfahrung im Feingießen nach dem Wachsausschmelzverfahren und in der Gießereitechnik.

…mehr
Best practice: Advertorial: Flagge zeigen mit Aluminiumfeinguss

Best practiceAdvertorial: Flagge zeigen mit Aluminiumfeinguss

Design- und gussgerechte Entwicklung bedarf Knowhow und Erfahrung. Eleganz und Funktion des fertigen Bauteils überzeugen letztendlich in der Anwendung! Für die wirtschaftliche Herstellung eines Kühlkörpers aus Aluminiumfeinguss zeigte die Firma BLANK aus Riedlingen wieder einmal mehr ihr ganzes Können.

…mehr

SCOPE ONLINE Newsletter

SCOPE Online Newsletter bestellen

Unser Newsletter informiert Sie kostenlos über die wichtigsten Neuigkeiten aus der Industrie, die Sie mit der gedruckten Ausgabe nicht oder später erhalten.

SCOPE ONLINE IN SOCIAL NETWORKS