  Antriebstechnik: Original und FälschungEntdecke den Unterschied: In Summe lässt sich bei den Plagiaten eine... In asiatischen Ländern haben Schutzrechte oftmals eine andere Funktion als in der westlichen Welt. Plagiatoren sind auf das schnelle Geld aus und riskieren dabei auch, dass sie selbst und ihre Kunden wegen Schutzrechtsverletzungen angeklagt werden. Sie bedienen sich neuerdings des Patentwesens: Im Vordergrund steht hier nicht der Schutz der eigenen Innovation, sondern das Schaffen von Schutzrechten an sich. Wie sich Hersteller davor schützen können, zeigt der Spezialist für Antriebsautomatisierung SEW-Eurodrive.
Bei SEW-Eurodrive sind meist die Getriebemotoren von Plagiaten betroffen. Um sich als Hersteller selbst und die Investitionen der Kunden zu schützen, meldet das Unternehmen aus Bruchsal im Rahmen des Innovationsprozesses entstehende Erfindungen als Schutzrechte (Patente, Design und Marken) an. Hier gibt es mit westlichen Herstellern normalerweise keine Probleme, da alle ähnlich vorgehen und ihr geistiges Eigentum, Prozesse und Produkte entsprechend schützen. „Das Schutzkonzept von SEW-Eurodrive basiert auf einem umfassenden Schutzrechtskonzept, das sich zusammensetzt aus Marken-, Patent- und Designschutzrechten, die weltweit angemeldet und durchgesetzt werden. Informationen von unseren Kunden und unserem Außendienst werden durch systematische Internetrecherche ergänzt“, erläutert Hubert Ermel, Leiter Entwicklungscontrolling.
Neben der Patent-, Geschmacksmuster- oder Markenanmeldung betreiben die Bruchsaler hier eine sehr intensive Marktbeobachtung und haben weit über 100 Plagiatoren im Visier, um im Bedarfsfall unverzüglich entsprechend vorgehen zu können – wie beispielsweise mit einer einstweiligen Verfügung, wenn Plagiate auf Messen ausgestellt oder abgebildet werden. „Gesetze und Mittel zum Vorgehen in der westlichen Hemisphäre sind vorhanden und wir haben sehr gute Erfahrungen mit Zollbehörden und Gerichten gemacht, die ein schnelles Vorgehen gegen Produktpiraten ermöglichen. Nach wie vor wünschenswert ist die Intervention in asiatischen Ländern, obwohl sich auch dort viel bewegt hat“, erklärt Hubert Ermel.
Neuerdings gibt es jedoch einen berühmten Fall, bei dem ein Hersteller circa 40 Millionen Euro Strafe bezahlen musste, weil er nicht beweisen konnte, dass er das Produkt schon vor dem Plagiator verkauft hatte. Die vom Originalhersteller vorgelegten Beweismittel wurden vom chinesischen Amtsgericht als unglaubwürdig abgetan. Der Plagiator konnte also sein Schutzrecht durchsetzen, obwohl es im eigentlichen Sinne nicht neu war zum Anmeldezeitpunkt. Solche Schutzrechte sind auch unter dem Begriff „Junk“-Patent bekannt, weil sie - streng patentrechtlich betrachtet - eigentlich nicht patentwürdig sind. Die vorgenannten Besonderheiten führen aber dazu, dass solche Junk-Patente trotzdem eine große Bedrohung für den plagiierten Hersteller darstellen können.
  Sicherheit schaffen
China erreicht inzwischen das Zehnfache der deutschen Anmeldezahlen, und übertrifft auch die USA und die EU. Da nun klar zu beobachten ist, dass die Schutzrechtsanmeldungen in China steil ansteigen, da auch die Produkte der Originalhersteller als Schutzrechte angemeldet werden, haben die Originalhersteller nun ein Nachweisproblem. Der plagiierte Hersteller ist im Zugzwang und muss einen Nachweis führen, dass er sein Original-Produkt schon vor Anmeldedatum des Junk-Patents beispielsweise ver-kauft hatte, insbesondere z. B. in China. Der plagiierte Hersteller hat also Aufwand und Unsicherheit. Daher ist SEW-Eurodrive nun dazu übergegangen, auch sogenannte „State-of-the-Art“-Technologien (SOTA) anzumelden. Hierbei handelt es sich um Patent-Anmeldungen, die eigentlich weniger Erfindungen sind, sondern vielmehr Produkte beschreiben; teilweise sind diese Produkte sogar mehr als zehn Jahre alt. Diese SOTA-Anmeldungen bewirken aber, dass sie ein amtliches Einreiche-Datum erhalten, das an allen Gerichten weltweit anerkannt wird. Ziel dieser Strategie ist es, einen wasserfest nachweisbaren Stand der Technik zu schaffen, der von allen Patentämtern und -gerichten der Welt zweifelsfrei akzeptiert wird. Zwar könnten im Bedarfsfall die Bruchsaler auch so einen glaubhaften Nachweis bringen, dass das Produkt schon damals verfügbar war, aber SAP-Ausdrucke, Faxe oder Kopien werden oftmals von Gerichten nicht anerkannt. Insbesondere chinesische Gerichte glauben ausländischen Papieren nur dann, wenn sie von einem Notar stammen und von einem Landgericht beglaubigt und von der chinesischen Botschaft überbeglaubigt werden – wobei am besten der Notar den Sachvorgang, wie Verkauf oder Zurschaustellung, bezeugen sollte und nicht nur die bloße Kopie eines Papiers. Die eingereichten SOTA-Anmeldungen schützen das Unternehmen selbst und seine Kunden und Anwender vor solchen Angriffen. Mit den SOTA-Anmeldungen kann das Unternehmen vor jedem Gericht zweifelsfrei nachweisen, dass der Gegenstand zum Anmeldedatum bekannt und zum Veröffentlichungstag weltweit bekannt war.
Produkte, Lösungen, Design und Marken von SEW-Eurodrive sind also durch ein weitläufiges Maßnahmen-Portfolio geschützt. Ein Plagiator muss also damit rechnen, dass das Unternehmen seine Rechte durchsetzt. So haben die Bruchsaler auf den Messen in westlichen Ländern regelmäßig einstweilige Verfügungen erwirkt, ausgestellte Plagiate entfernen oder sogar komplette Messestände schließen lassen. ee Die Initiative ergriffenhat APM. Der Aktionskreis gegen Produkt- und Markenpiraterie e. V. arbeitet auf den unterschiedlichsten Ebenen. Neben neutraler Öffentlichkeitsarbeit und der Unterstützung von Politik und Behörden dient APM dem branchenübergreifenden Informationsaustausch und unterstützt die Mitgliedsunternehmen in Fällen der Verletzung gewerblicher Schutzrechte. Gegründet wurde der APM 1997 als Gemeinschaftsinitiative vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK), dem Markenverband und dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). Seine Mitglieder sind neben den Initiatorenverbänden deutsche und ausländische Unternehmen, die gemeinsam gegen Produkt- und Markenpiraterie vorgehen. Diesen Artikel bookmarken bei Wie funktioniert Bookmarken?Mit so genannten “Social Bookmarks” können Sie Links auf interessante Webseiten mit anderen Nutzern teilen. |  |  | |  | Externe Nutzung / NutzungsrechteWenn Sie auf diesen Beitrag von SCOPE online verlinken möchten, können Sie einfach und kostenlos folgenden HTML-Code in Ihre Internetseite einbinden: |
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